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In Winsen (Aller) fühlen sich Angler von Cruisern belästigt (das Bild stammt aus dem französischen Film "Der Fremde am See")

  • 23. Mai 2016, 09:51h 65 2 Min.

An einem niedersächsischen See gibt es Aufregung um den Einfluss der "Homosexuellenszene".

Erneut gibt es in einer ländlichen Region Streit um schwule Cruiser, die sich im Gebüsch vergnügen: Mit scharfen Worten hat der Chef des Angelvereins ASV Winsen die Anwesenheit von Schwulen und Exhibitionisten am Kalker See in der Nähe von Celle beklagt. "Die Homosexuellenszene existiert dort mittlerweile schon mindestens 20 Jahre und Perverse tauchen auch immer häufiger auf. Mein Vorgänger hat mehrfach über die Problematik mit der Polizei gesprochen", erklärte Ryszard Szewenko im Lokalblatt "Cellesche Zeitung".

"Wir haben das Gelände seit 25 Jahren gepachtet. Sie nehmen sich dieses Recht einfach raus und lassen sich auch nicht vertreiben", so Szewenko. Er beklagte, dass die Polizei wenig Unterstützung biete – und fürchtet eigenen Angaben zufolge um die Angel-Jugend: "Das Baden ist dort verboten und unser Jugendteich ist direkt daneben. Unsere jungen Angler sollten so etwas nicht sehen müssen."

Grund für die Aufregung seien zwei Fälle von Exhibitionismus, in denen junge Frauen belästigt worden sind. Der letzte Fall ereignete sich erst am Mittwochnachmittag, als sich ein Mann vor zwei 17-Jährigen entblößte. Es ist allerdings unklar, warum Szewenko die schwulen Cruiser dafür verantwortlich macht, die ja seinen eigenen Aussagen zufolge bereits seit rund einem Vierteljahrhundert vor Ort gewesen seien.

Kritik an Berichterstattung der Lokalzeitung

Gegenüber queer.de beschwerten sich einige Leser auch über die Wortwahl in der "Celleschen Zeitung", in der wiederholt – auch außerhalb von Zitaten – von "Perversen" die Rede ist. Zudem werden im Artikel Exhibitionisten und die "Homosexuellenszene" von "normalen Badegästen" abgegrenzt, die am See von den Anglern ebenfalls nicht gern gesehen werden; sie befürchteten, dass Fische durch Sonnencremes oder Shampoos Schaden nehmen könnten.

In den letzten Monaten hatte es immer wieder Auseinandersetzungen um Cruiser an Seen gegeben – zuletzt im württembergischen Kirchentellinsfurt und im unterfränkischen Niedernberg.

Cruising – wie auch Klappensex auf öffentlichen Toiletten – spielte für Schwule in Deutschland insbesondere in der Zeit des Paragrafen 175 eine große Rolle. In den ersten Jahrzehnten der Bundesrepublik war dies für viele oft die einzige Möglichkeit, die eigene Sexualität auszuleben. Seit der Legalisierung und Enttabuisierung homosexueller Handlungen und besonders seit dem Aufkommen von Online-Dating hat die Bedeutung dieser Formen schwuler Sexualität allerdings stark abgenommen.

Nach wie vor kann Cruising- oder Klappensex strafbar sein: Cruiser können beispielsweise wegen des Gesetzes gegen Erregung öffentlichen Ärgernisses oder wegen exhibitionistischer Handlungen angeklagt werden. Meist kommen sie aber glimpflich davon. (cw)

#1 SorryAnonym
  • 23.05.2016, 11:59h

  • aber..."Schwule, Perverse" und all die neidzerfressenen Ängste der Normalos...wenn man das alles liest,
    frage ich mich ob Bonobos nicht die besseren Menschen sind
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#2 MarekAnonym
  • 23.05.2016, 12:10h
  • Jahrzehntelang war es kein Problem. Da galt "Leben und leben lassen" und "Jeder nach seiner Facon".

    Aber jetzt ist das plötzlich ein Drama, wenn Leute ein bisschen Spaß in den Büschen haben.

    Und jetzt sind Schwule plötzlich "Perverse".

    Zweifelt eigentlich noch irgendwer am konservativen Rollback?
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#3 Peter SingerAnonym
  • 23.05.2016, 12:59h
  • Das schöne ist, dass diese Art von Sex laut Artikel offenbar an Bedeutung verliert. Das bedeutet, dass mehr Schwule sorglos bei sich zuhause Sex haben können, ohne dass sie das heimlich in der Öffentlichkeit tun müssen. Es gibt wohl heutzutage weniger Schwule, die in einer Ehe leben und ihre Neigungen nur heimlich ausleben.

    Diejenigen, die es trotzdem nötig haben, müssen eben vorsichtig sein. Solange niemand gestört wird, spricht ja nichts dagegen. Wenn sich Leute davon belästigt fühlen, dann geht deren Meinung eben vor. Besonders wenn es wie hier minderjährige sind. Wenn man es nicht schafft, einen Ort in der Natur zu finden wo man ungestärt ist, dann soll man eben auf ein Hotel ausweichen, um seine heimlichen Affären auszuleben.

    Natürlich gibt es noch diejenigen, die bewusst Sex in der Öffentlichkeit haben, um den "Kick" zu suchen. Das ist dann eben sexuelle Belästigung.

    Ich kenne den Teich und die Umgebung nicht, aber ich frage mich schon, warum man keinen Ort ohne Publikum findet. Müsste doch möglich sein.
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