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Rheinland-Pfalz
AfD diffamiert Kinder in Regenbogenfamilien als "Statussymbol"

AfD-Fraktionschef Uwe Junge: Als er in seiner Rede von "gebotener Toleranz, die wir natürlich auch haben" sprach, gab es lautes Lachen im Plenum (Bild: Olaf Kosinsky / wikipedia)
- 3. Juni 2016, 11:02h 2 Min.
Bei seiner ersten großen Rede im Landtag von Rheinland-Pfalz wetterte AfD-Fraktionschef Uwe Junge gegen ein Adoptionsrecht für homosexuelle Paare und eine "Umerziehung" an Schulen.
Von Micha Schulze
Bei der Aussprache über die Regierungserklärung der alten und neuen rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) kam es am Donnerstag im Mainzer Landtag zu einem homophoben Ausfall. In seiner über 40 Minuten langen Abrechnung mit den politischen Vorhaben der Ampelkoalition sprach der Fraktionschef der rechtspopulistischen AfD, Uwe Junge, Lesben und Schwulen das Recht ab, Kinder zu erziehen.
"Es gibt prinzipiell keinen Rechtsanspruch auf ein Kind, aber Kinder haben das Recht auf Mutter und Vater", sagte Junge unter großem Beifall seiner Fraktion. Weiter erklärte der 58-jährige Oberstleutnant der Bundeswehr: "Im Blick auf das Kindeswohl und die Tatsache, dass es für jedes zur Adoption stehende Kind viele adoptionsbereite Familien mit Vater, Mutter und Geschwistern gibt, verbietet sich für uns die Adoption in homosexuellen Beziehungen."
Es gebe "weder eine gesellschaftliche noch eine staatstragende Veranlassung", Kinder an gleichgeschlechtliche Eltern zu vermitteln, sagte Junge weiter: "Als Statussymbol sind uns unsere Kinder zu schade." An die Landesregierung gerichtet, meinte der AfD-Fraktionschef: "Ihre penetrante Betonung auf bunte Vielfalt ist die bewusste Abkehr vom eigenen Volk."
"Tolerierung ja, Umerziehung nein"
Die queerpolitischen Vorhaben der Landesregierung, die im Koalitionsvertrag unter dem Titel "Vielfalt – ein Gewinn für alle" zusammengefasst wurden, lehnte Junge ab: "Der Initiative 'Rheinland-Pfalz unterm Regenbogen – Akzeptanz für queere Lebensweisen' stellen wir die Förderung der Familie bestehend aus Vater, Mutter und Kinder als unerlässliche Grundlage staatlicher Existenz gegenüber", sagte er gegen Ende seiner Rede.
Überflüssig seien auch Schulaufklärungsprojekte wie SchLAu, die für die Ampelkoalition zur Demokratieerziehung gehören: "Bei aller gebotenen Toleranz, die wir natürlich auch haben: Was haben sexuelle Neigungen mit Demokratie zu tun? Wir sagen Toleranz ja und Tolerierung ja, Umerziehung nein."
Bei der Landtagswahl am 13. März hatte die AfD 12,6 Prozent erzielt und war als drittstärkste Kraft mit 14 Mandaten erstmals in das Parlament eingezogen. Bereits in ihrem Wahlprogramm hatten die rheinland-pfälzischen Rechtspopulisten Stimmung gegen Lesben und Schwule gemacht. So hieß es etwa, dass "andere Formen menschlichen Zusammenlebens, die keinen reproduktiven Beitrag zum Erhalt unseres Landes leisten", keine "staatliche Förderung" verdienten.
Der Landtag bietet auf seiner Webseite einen Mitschnitt des Plenartages. Die zitierten Passagen von Junge befinden sich ca. bei 2:09:00 und 2:32:00.














