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Fernsehkrimi
"Tatort": Kommissar Bottom

Schwule Sex-Premiere im guten alten "Tatort". Kommissar Robert Karow (Mark Waschke) wird gefickt (Bild: rbb)
- 5. Juni 2016, 08:38h 3 Min.
Die heutige "Tatort"-Folge "Wir, Ihr, Sie" bietet schwulen Analverkehr zur Primetime – Sexszenen machen "großen Spaß", sagt Schauspieler Mark Waschke.
Es kommt nicht häufig vor, dass es ein Foto von zwei Männern beim Analverkehr in zahlreiche Tageszeitungen und Wochenmagazine schafft, sogar unzensiert. Doch dem ersten "Bild"-Bericht vom 19. Mai folgten viele weitere, und mittlerweile dürfte ganz Deutschland wissen, dass der Berliner "Tatort"-Kommissar Robert Karow (Mark Waschke) schwul ist und sich gerne ficken lässt.
Wobei die Homosexualität Karows nicht neu ist, sie wurde bereits in der letzten Berliner "Tatort"-Folge eingeführt. Im November 2015 schleppte er einen anderen Mann aus einer Cruisingbar ab. Eindeutige Szenen gab es damals noch nicht: Statt beim Sex war der Kommissar nur bei der "Zigarette danach" zu sehen.
Das unfreiwillige Coming-out als Bottom

Im vergangenen November konnte man Kommissar Karow bereits mit freiem Oberkörper bei der "Zigarette danach" bewundern (Bild: rbb)
Karows zweites Coming-out als Bottom, das nun am Sonntag zu besten Sendezeit um 20.15 Uhr im Ersten läuft, verläuft nicht freiwillig (es folgen nun Spoiler!). Im Rahmen interner Ermittlungen zu einem Polizistenmord war seine Wohnung durchsucht worden, dabei wurden Videoaufnahmen von Überwachungskameras beschlagnahmt. Warum der Kommissar sein eigenes Wohnzimmer filmt, bleibt für den Zuschauer allerdings ein großes Rätsel.
Auf den Aufnahmen entdecken die heterosexuellen Kollegen auch die Sexszene, in der es sich der fast nackte Karow auf dem Sofa von einem jungen Mann besorgen lässt. Es wird gefeixt und gejohlt, die Kollegen kriegen sich gar nicht mehr ein: "Ich fass' es nicht. Oberstecher Karow wird gefickt." Natürlich betritt der schwule Ermittler genau in diesem Augenblick das Dienstzimmer. Nach einer Schrecksekunde bringt er seine Kollegen mit einem coolen Spruch zum Schweigen: "Davon kannst du nur träumen, oder?"
Die eigentliche Story der Folge "Wir, Ihr, Sie" ist dagegen eher durchschnittlich: Robert Karow und seine Kollegin Nina Rubin müssen den Mord an einer Mutter aufklären, die im Parkhaus eines Shoppingcenters überfahren wurde. Anhand der Videoüberwachung stoßen die Ermittler auf drei Mädchen, die sich dort zur Tatzeit aufgehalten haben. Mit dem Mord konfrontiert, reagieren die Schulkameradinnen des Sohnes der Toten gleichgültig.
"Ich finde es schön, dass es einfach so passiert"
Schauspieler Mark Waschke, selbst heterosexueller Familienvater, misst der schwulen Sexszene keine große Bedeutung zu: "Ich finde es schön, dass es einfach so passiert", sagte er in einem Interview mit der "Hessischen Allgemeinen". "Der Sänger Morrissey hat mal gesagt, dass er es unglaublich langweilig findet, wie viel Wert auf Sex gelegt wird. Für ihn existiert Heterosexualität ebenso wenig wie Homosexualität. Letztlich wollten doch alle das Gleiche. Das spricht mir aus der Seele."
Auf die Frage, wie er den Dreh empfunden habe, meinte Waschke, dass Sexszenen "großen Spaß" machten: "Sexszenen sind Choreografien und haben etwas mit Verabredungen zu tun. Meistens sind weniger Leute beim Dreh. Man hat seine Ruhe, kann sich darauf konzentrieren, was wichtig ist, und sich treiben lassen."
Das unfreiwillige Coming-out vor den Kollegen scheint dem Selbstbewusstsein des schwulen Kommissars übrigens gut getan zu haben. Seine Dates arrangiert Karow nun nicht mehr diskret nach Feierabend, sondern ruft bereits während der Teambesprechung eine schwule Dating-App auf. Ein Profil legt er dabei auch für den Hetero-Kollegen an, der sich am meisten über das schwule Sexvideo aufgeregt hatte… (cw)
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Darüber hinaus darf man sich nicht wundern, wenn nach einer solchen Szene das alte Vorurteil der Heteros bestätigt wird, dass Sex zwischen Männern nur aus AV besteht.