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Beschwerden ernst genommen

Schweizer Fernsehen bekommt "Trans*-Policy"


Mike Müller (l.) und Viktor Giacobbo scherzten in ihrer Sendung vom 3. April über "Transen"

  • 6. Juni 2016, 14:42h 27 3 Min.

Nach einer diskriminierenden Satire trafen sich Verantwortliche des Senders mit Vertretern des Transgender Networks.

Im April war die Empörung groß in der Schweiz: Das Satire-Duo Viktor Giacobbo (64) und Mike Müller (52) hatte sich über eine Entscheidung der Frauenvereinigung der Sozialdemokraten, sich in SP Frauen* umzubenennen, und in Folge unter anderem auch über den Gender-Star lustig gemacht (Video ab 21:15). Dann verwendeten die Satiriker mehrfach den Begriff "Transe" und machten sich über die Anliegen von Transsexuellen und Transgendern lustig.

So meinte Müller in der Sendung ins Hochdeutsche übersetzt: "Früher hat sich der einfache SP-Arbeiter gefragt beim Pinkeln ('Saiche'): Darf ich stehen oder muss ich absitzen? Und heute ist das anders. Heute überlegt sich die SP-Transe: Bin ich schon so weit operiert, dass ich beim Pinkeln noch stehen kann oder muss ich sowieso absitzen?" In einem späteren Beitrag wurde gefragt: "Darf so ein muslimischer Bub seiner Lehrerin, wenn sie eine Transe ist, die Hand verweigern?"

Das Transgender Network Schweiz (TGNS) sprach danach von "Fassungslosigkeit"; man habe zahlreiche Beschwerden von Mitgliedern erhalten, "wie es geschehen kann, in einem öffentlich-rechtlichen Fernsehsender eine derart schlimme Diskriminierung und vorsätzliche Verunglimpfung einer Gruppe von Menschen zuzulassen, die noch immer um Gleichberechtigung in dieser Gesellschaft kämpfen muss". Äusserungen wie aus der Sendung verfestigten und förderten "Zerrbilder und Vorurteile gegenüber Transmenschen".

Die Organisation schrieb einen Beschwerdebrief an den Sender, eine Online-Petition forderte eine Entschuldigung der Moderatoren. Der Ombudsmann des Senders, Roger Blum, stellte sich hinter die Beschwerden: Satire müsse vieles dürfen, aber "es gibt ein paar Heiligtümer, die sie nicht betreten sollten: jenes der religiösen Gefühle und jenes von benachteiligten Menschen".

Produktives Gespräch mit dem Sender

Unter Moderation von Blum trafen sich dann am letzten Montag Vertreter des Transgender Networks mit Verantwortlichen des Senders aus den Bereich Nachrichten und Unterhaltung, um den Vorfall produktiv zu nutzen. So wurde die gemeinsame Erarbeitung einer "Trans*-Policy" verabredet – so bezeichnet das Netzwerk in seiner Zusammenfassung des Gesprächs eine Richtlinie zu "korrekten Begriffen", um akkurat, angemessen und nicht diskriminierend zu berichten. Auch eine oft stereotype Bebilderung soll vermieden werden.

Der Teufel scheint dabei aber noch im Detail zu stecken: So betont der SRF, dass die Begriffe "für das Publikum verständlich sein" müssen, und hält auch den vom Verband veröffentlichten Medienguide für zu komplex (nebenbei dürfte er umstritten sein: er fordert, den Begriff "Transsexuelle" zu vermeiden, andere Organisationen bestehen auf ihn).

Der Begriff "Transe" für Transpersonen dürfte bei SRF jedenfalls Geschichte sein. Dafür sorgt auch ein weiterer Punkt der Vereinbarung: In die Liste von Merkmalen, aufgrund derer Personen nach den Publizistischen Leitlinien des SRF nicht diskriminiert werden dürfen, wird der Punkt "Geschlechtsidentität" mit aufgenommen. Als Fazit wird auch betont, dass das Wissen über Transgender als gering eingeschätzt wird und der Sender "dem Thema im Sinne der Aufklärung eine Reihe von Sendungen widmet". Der SRF sei "uns einen großen Schritt entgegengekommen", meint Urs Sager vom TGNS.

Keine Einsicht bei den Satirikern

Während das Schweizer Fernsehen die Sache also bemerkenswert ernst nahm und produktive Konsequenzen zog, ist die (Medien-)Öffentlichkeit eher entrüstet: "SRF lässt sich Sprachregelung verpassen", schrieb selbst die seriöse NZZ, "Giacobbo und Müller bekommen Maulkorb verpasst" das Portal bluewin.ch.

Auch Mike Müller zeigte sich wenig begeistert. Er räumte zwar ein, mit dem Begriff "Transe" aus Sicht der Betroffenen wohl einen Schritt zu weit gegangen zu sein, doch für die Komik "musste der Joke genau so sein, wie er war". Eine "Trans*-Policy" halte er nur für Informationssendungen für sinnvoll, nicht aber für Satireformate: "Ich könnte mir aber vorstellen, dass diese Liste ein gutes Thema für uns sein wird." (nb)

-w-

#1 bohnenstangeAnonym
  • 06.06.2016, 17:35h
  • dann sollten sich andere schweizer komiker mal daran machen, Müller zu verunglimpfen, weil dicke bekanntermaßen schwitzen und stinken? zum start vielleicht dies hier in bösartiger absicht verwenden?:
    www.youtube.com/watch?v=I3GGZf1Zo_Q
    Vielleicht merkt Müller dann ja was.
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#2 Gutmensch
  • 06.06.2016, 18:45h St. Gallen

  • Die SP Frauen nennen sich jetzt SP Frauen*, um zu zeigen, dass sie auch für Transfrauen offen sind. Eigentlich eine ziemliche Frechheit: Damit suggerieren sie, dass sie transsexuelle Frauen nicht als ecbte Frauen sehen.
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#3 hugo1970Ehemaliges Profil
  • 06.06.2016, 19:50h
  • Tatsächlich, ein schwieriger Grad.
    Während dem Lesen hab ich an unsere Situation (Böhmermann Erdogan) gedacht, da wird auch eine Person "verunglimpft".
    Ich meine, Erdogan sollte man, nein, muß man "verunglimpfen", weil er gegen Menschenrechte und Pressefreiheit ist und eine diskriminierte Minderheit darf man nicht verunglimpfen, weil dann die diskriminierer sich im Recht fühlen und das ist hoch gefährlich!!!
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