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Die CSU wird bei der CSD-Parade unter dem Motto "Vielfalt verdient Respekt. Grenzenlos" mit einem Wagen dabei sein (Bild: CSU)
- 8. Juni 2016, 06:35h 3 Min.
Parallel zur Premiere auf der queeren Politparade am 9. Juli flammt bei den Christsozialen die Diskussion um die Ehe für alle wieder auf.
Bei der Politparade am 9. Juli zum Christopher Street Day in München wird erstmals ein Truck der Christsozialen mitrollen. Das berichtet die "Bild"-Zeitung am Mittwoch.
Der Wagen "für 40 Gäste und mit Musik von DJ Jörg" wurde nach Angaben des Boulevardblatts von der CSU-Jugend Maxvorstadt angemeldet. Mitfahren sollen die "Dahoam"-Serienstars Brigitte Walbrun und Christine Reimer sowie der Kabarettist Jürgen Kirner. Mit Dietmar Holzapfel, dem Wirt der "Deutsche Eiche", habe die Partei auch einen Sponsor gefunden.
Laut "Bild" machte sich Münchens CSU-Bürgermeister Josef Schmid, der die Öffnung der Ehe für homosexuelle Paare unterstützt, bereits 2014 für einen CSD-Truck stark. Das Motto des Wagens sei noch unklar. "Wir sind die schrille Minderheit – dazu konnten wir uns nicht durchringen", zitiert das Blatt einen namentlich nicht genannten "Insider".
Das Motto für den Münchner CSD in diesem Sommer lautet: "Vielfalt verdient Respekt. Grenzenlos" und kann als Kritik an der Flüchtlingspolitik von CSU-Ministerpräsident Horst Seehofer verstanden werden.
Bayerns Junge Union stimmt über die Ehe-Öffnung ab
Unterdessen flammt nach einem Bericht des "Oberbayerischen Volksblatts" in der CSU die Diskussion um eine Ehe-Öffnung und ein Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare wieder auf. Demnach will die bayerische Junge Union (JU) auf einer Sonder-Landesversammlung am übernächsten Wochenende über beide Fragen abstimmen lassen. "Wir müssen diese Diskussion endlich mal in der Partei führen", erklärte JU-Landeschef Hans Reichhart.
Auf dem letzten CSU-Parteitag im November 2015 hatte die Partei einen Antrag gegen die Ehe für alle an die Grundsatzkommission verwiesen (queer.de berichtete). Parallel hatte sich dort eine schwul-lesbische Gruppe innerhalb der CSU gegründet (queer.de berichtete).
In den bisherigen Entwürfen für das neue Parteiprogramm wird laut "Oberbayerischem Volksblatt" am Eheverbot für Lesben und Schwule festgehalten. Für eingetragene Partnerschaften gibt es lediglich warme Worte: "Wir schätzen und fördern, wenn Menschen füreinander einstehen und verlässlich Verantwortung und Sorge füreinander übernehmen", zitiert die Regionalzeitung aus den in der Partei kursierenden Papieren. Der Staat müsse "allen familiären Situationen gerecht werden" und dürfe keine Form der Familie ausgrenzen, "er darf aber auch nicht das von der überwiegenden Mehrzahl der Menschen gelebte Modell der traditionellen Familie mit der Gemeinschaft von Mutter, Vater, Kindern ins Hintertreffen geraten lassen". (mize)
Update SPD und Schwusos: "Herzlich Willkommen am CSD"
In einer gemeinsamen Pressemitteilung haben die SPD und die Schwusos am Mittwochmittag auf den angekündigten CSU-Wagen auf dem Münchner CSD reagiert. "Herzlich willkommen am CSD, liebe CSU", erklärte SPD-Stadtrat Christian Vorländer: "In der Stadtpolitik schafft es die CSU – nachdem man ihr es lang genug erklärt hat – wichtigen LGBTI-Projekten zuzustimmen. Die großen Brocken müssen aber in Land und Bund aus dem Weg geräumt werden, und da ist die Münchner CSU nicht ohne Einfluss, den sie nutzen muss, wenn es ihr Ernst ist."
Auch Münchens Schwusos-Chef Daniel Jazdzewski forderte mehr als nur einen bunten Wagen: "Wer am CSD teilnimmt, muss auch die Forderungen und Werte des CSD teilen. Daher gehe ich davon aus, dass die JU jetzt innerhalb der CSU durch ihre Mandatsträger entsprechend Druck macht um die Blockaden gegen Eheöffnung und Adoption im Bund zu lösen". Jazdzewski wunderte sich zudem über den Anmelder des Trucks: "Warum muss eigentlich in der angeblich modernen Großstadt CSU ein einzelner JU Kreisverband des CSD-Wagen auf die Beine stellen? Hat die Mutterpartei immer noch ein ungutes Gefühl?"














