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"Welt"-Interview
Ole von Beust: Mit Schwarz-Grün kommt die Ehe für alle

Ole von Beust wurde vor 13 Jahren erst von seinem rechtspopulistischen Koaltionspartner, dann von seinem Vater geoutet (Bild: flickr / Schröder+Schömbs PR - Tom Maelsa / by 2.0)
- 20. Juni 2016, 03:52h 2 Min.
Hamburgs Ex-Bürgermeister Ole von Beust (CDU) hat den Widerstand seiner Partei gegen eine Gleichstellung von Lesben und Schwulen als "völlig unverständlich und auch unnötig" bezeichnet.
"Manche in der Union halten die besondere Stellung der Ehe zwischen Mann und Frau für einen der letzten konservativen Grundsätze. Ich sehe das anders", sagte von Beust in einem Interview mit der Tageszeitung "Die Welt". Einen Kurswechsel wäre mit den Grünen möglich, prophezeite der 61-Jährige: "Mit Schwarz-Grün würde die Ehe für alle vermutlich kommen." Ein solches Bündnis würde allerdings nur funktionieren, "wenn die Grünen ihren Widerwillen zum Bereich Sicherheit und Ordnung abbauen".
Der CDU-Politiker Carl-Friedrich Arp Freiherr von Beust, genannt Ole, war von 2001 bis 2010 neun Jahre lang Erster Bürgermeister von Hamburg. Seine Homosexualität wurde erst 2003 publik, nachdem der damalige Innensenator Ronald Schill seinem Chef ein Verhältnis mit dem damaligen Justizsenator Roger Kusch unterstellt hatte – und ihn offenbar damit erpressen wollte. Beust entließ Schill und setzte Neuwahlen an, aus denen er mit einer absoluten Mehrheit als Wahlsieger hervorging (queer.de berichtete). Während sich von Beust damals selbst nicht zu seiner sexuellen Orientierung äußerte, übernahm dies sein Vater in einem Zeitungsinterview (queer.de berichtete).
Vor fast sechs Jahren zog sich von Beust aus der Politik zurück und arbeitet jetzt als Berater und Lobbyist in Berlin. Vor drei Jahren verpartnerte er sich mit seinem 36 Jahre jüngeren Freund (queer.de berichtete).
Die homofeindliche Politik seiner Partei hat Ole von Beust bereits mehrfach kritisiert: "Die CDU-Spitze vermutet eine starke konservative Gruppierung, die sie mit einer offensiven Gleichstellungspolitik vergraulen würde und übersieht dabei, dass das selbst für die bürgerliche Klientel gar kein Thema ist", sagte er 2013 der "Berliner Zeitung" (queer.de berichtete). Wähler in den Großstädten schrecke man mit so einer Politik sogar ab. "Für sie ist die Haltung zu dem Thema ein Indiz für die Offenheit einer Partei. Das macht es für viele sehr schwer, die CDU zu wählen." (cw)















Es scheitert momentan nicht am Rot bei Schwarz-Rot... Wenn die Union eine Frage der Gleichberechtigung als Trumpf in Koalitionsverhandlungen einbringen will, so spricht das für sich.