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Kommentare zu:
Wer nicht sichtbar ist, wird vergessen


#2 LarsAnonym
  • 29.06.2016, 10:21h
  • Mir fehlt die Sichtbarkeit derjenigen, deren Stimmen und Erfahrungen ich oft vermisse: Die Heten ( Freunde, Eltern, Familien queerer Menschen), die Regenbogenfamilien, hier in diesem Forum die Frauen - und die Interaktion dieser Gruppen. Eine Denkwerkstatt ist aber ein schöner Rahmen und guter Ansatz für eine soclhe Sichtbarkeit in Vielfalt.

    Sichtbarkeit losgelöst von gesellschaftlichen Zusammenhängen und Realitäten bleibt ein Kuriosum, ein Ausstellungsstück, bedient nur eine Art Voyeurismus. Die Frage, die sich aber im Alltg stellt ist, eher: Wie gehen Menschen, die ganz unetrscheidliche Lebensentwürfe, Verhaltensweisen und Gewohnheiten haben, miteinander um, ohne sich ständig zu irritieren? Kann man diesen Umgang trainieren und lernen, ohne sich oder den anderen in Frage zu stellen? Und wie?
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#3 UrsaMajorEhemaliges Profil
  • 29.06.2016, 10:57h
  • Antwort auf #2 von Lars
  • "Wie gehen Menschen, die ganz unetrscheidliche Lebensentwürfe, Verhaltensweisen und Gewohnheiten haben, miteinander um, ohne sich ständig zu irritieren? Kann man diesen Umgang trainieren und lernen, ohne sich oder den anderen in Frage zu stellen? Und wie?"

    Ich hatte beruflich gut 25 Jahre lang - in 4 sehr verschiedenen Tätigkeitsfeldern - mit den unterschiedlichsten Menschen zu tun. Außerdem in privaten Zusammenhängen mit verschiedenen Menschengruppen, die eher dem Bereich Minderheiten zuzuordnen sind (naturgemäß ist eine davon die queere Community, wobei ich mit "queer" auch tatsächlich wiederum vielfältigste Ausprägungen meine).

    Von schwerst geistig behindert über unterschiedlichste Ausprägungen des "Mainstreams", Künstler_innen, bis hin zu aktivistischen Kämpfer_innen für soziale Belange, Freiheit und Gerechtigkeit.

    Auch wenn ich an manchen Stellen angeeckt bin, so z.B. an einem Arbeitsplatz u.a. wegen meiner Homosexualität 8 Jahre lang massivem Mobbing ausgesetzt, weiß ich es doch sehr zu schätzen, so vielen so extrem unterschiedlichen Menschen begegnet zu sein. Und ich spreche nicht nur von Begegnung, sondern von zusammen arbeiten, zusammen diskutieren, zusammen lachen, zusammen essen und feiern, zusammen leben.

    Ich denke, man kann "diesen Umgang trainieren und lernen", indem man offen ist und bleibt für neue Menschen, neue Begegnungen, neue Erfahrungen. Das heißt nicht, dass man alles hinnehmen muss (z.B. nehme ich, wie hier inzwischen einige wissen, diverseste Ausprägungen der Menschenfeindlichkeit keineswegs hin, sondern setze mich massiv dagegen ein). Aber es heißt, dass man versuchen sollte, sich selbst nicht als Maßstab aller Dinge zu setzen, andere Menschen in ihrem einzigartigen Sosein wertzuschätzen und zu versuchen (durch Übung kann das gelingen), so gut wie möglich auf andere Menschen einzugehen (ohne jedoch die Grenze zur Selbstverleugnung zu überschreiten).

    Und so hat es sich ergeben, dass ich sowohl mit "hochwohlgeborenen, stinkreichen" Leuten reden kann, als auch mit aus unterschiedlichsten Gründen marginalisierten Menschen, sowohl mit schwer geistig Behinderten als auch mit Menschen, die intellektuell weit über mir stehen, sowohl mit Menschen, die meine Lebensansichten teilen, als auch mit solchen, die sie gar nicht teilen.

    Natürlich geht das nicht immer ohne Reibung ab. Aber an dieser Reibung kann man wachsen.

    ***

    Zur Sichtbarkeit generell möchte ich noch sagen, dass ich es für extrem wichtig halte, dass wir als queere Menschen in allen Lebensbereichen sichtbar sind und uns weder verstecken noch assimilieren lassen.

    Eine Gesellschaft sollte davon leben, eine möglichst große Vielfalt hervorzubringen und zu beherbergen. Und nicht von Gleichschritt, Gleichschaltung und Nivellierung.

    Jedes Blümchen, das es geschafft hat, mitten in einer Betonwüste zu wachsen, kann uns zeigen, wieviel Kraft ein Individuum haben kann (aber auch braucht), und wieviel Schönheit dadurch entstehen kann.
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#4 TheDadProfil
  • 29.06.2016, 11:30hHannover
  • Antwort auf #2 von Lars
  • ""Alltg stellt ist, eher: Wie gehen Menschen, die ganz unetrscheidliche Lebensentwürfe, Verhaltensweisen und Gewohnheiten haben, miteinander um, ohne sich ständig zu irritieren?""..

    Aus meiner Erfahrung heraus lösen sich mindestens 95 % der eigenen Irritation in Luft auf, sobald man die zutiefst irritierende "Religionsgemeinschaft" verlassen hat..
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#5 FelixAnonym
  • 29.06.2016, 11:44h
  • Sehe ich genauso. Deswegen konnte ich auch nicht ganz verstehen, weshalb vor ein paar Tagen ein Kommentar auf queer.de war, im Wahljahr die CSDs ausfallen zu lassen.

    Wir brauchen diese Sichtbarkeit, denn sonst wirkt es echt, als wäre alles erreicht und ein CSD nicht mehr nötig.
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#6 Carsten ACAnonym
  • 29.06.2016, 11:59h
  • Antwort auf #5 von Felix
  • Das betrifft aber nicht nur CSDs.

    Ja, Sichtbarkeit ist der Schlüssel zu allem. Aber da kann jeder einzelne von uns zu beitragen.

    Indem man (genau wie Heteros) mit seinem Partner händchenhaltend und Arm in Arm durch die Öffentlichkeit geht, sich in der Öffentlichkeit küsst, bei anderen ganz selbstverständlich vom Partner spricht, das Foto auf dem Schreibtisch hat, etc.

    All das, was bei Heteros auch selbstverständlich ist.

    Wenn wir selbst Homo-, Bi- und Transsexualität nicht als selbstverständlich und alltäglich behandeln und dies vorleben, wie sollen dann Heteros das so sehen können?

    Und als angenehmer Nebeneffekt sehen die dann auch, wie viele wir sind.

    Und je selbstverständlicher und alltäglicher der Anblick wird, desto mehr machen mit, desto weniger Leute drehen sich noch um und desto schneller kommt die volle Gleichstellung!
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#7 Carsten ACAnonym
  • 29.06.2016, 12:06h
  • Antwort auf #1 von UrsaMajor
  • Panti Bliss ist nicht nur als Drag-Queen Kult, sondern sie ist eine politische Aktivistin, die ganz massiv für die Eheöffnung in Irland gekämpft hat.

    Es gibt auch einen guten Doku-Film, der letztes Jahr nach der Eheöffnung in Irland über sie gedreht wurde: "The Queen of Ireland" von Conor Horgan.

    Kann ich nur sehr empfehlen.

    Und auch das Video zeigt ihre Klasse und ihr Engagement von tiefstem Herzen...

    Panti we love you.
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#8 LorenProfil
  • 30.06.2016, 01:10hGreifswald
  • Antwort auf #2 von Lars
  • "Kann man diesen Umgang trainieren und lernen, ohne sich oder den anderen in Frage zu stellen? Und wie?"

    Ich habe das im Elternhaus gelernt. Die unterschiedlichen Persönlichkeiten in der Familie zu respektieren und "auszugleichen", aber auch die verschiedenen Facetten der eigenen Persönlichkeit wahrzunehmen, auch die eigenen Widersprüche.
    Das war für mich ein gutes Fundament um im Umgang mit anderen nicht wie ein Fundamentalist zu handeln.
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