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Aufregung vor Kinostart

Star Trek: Debatte der Generationen


Alternierende Realitäten: Der bislang "heterosexuelle" Sulu, dargestellt vom schwulen George Takei (l.) und der schwule Sulu, dargestellt vom heterosexuellen John Cho (Bild: Paramount Television, Paramount Pictures)

  • 9. Juli 2016, 14:05h 28 4 Min.

Sollte Sulu schwul sein? Nach der Kritik von George Takei an dem geplanten Coming-out haben Simon Pegg und Zachary Quinto die Entscheidung verteidigt.

Es war als Verbeugung vor George Takei geplant: Am Donnerstag wurde bekannt, dass die von dem amerikanischen Schauspieler, der sich 2005 geoutet hatte, früher dargestellte Figur des Hikaru Sulu aus "Raumschiff Enterprise" im neusten Kinofilm nebenbei als schwul dargestellt wird – die erstere größere LGBT-Rolle in der Reihe überhaupt (queer.de berichtete).

Sulu werde gezeigt, wie er mit seinem Freund eine Tochter aufzieht, sagte John Cho, der Sulu seit der Neuauflage der Kinoreihe spielt, am Rande einer Promo-Tour in Australien. "Star Trek Beyond" wird am 21. Juni in die deutschen und etwa gleichzeitig in die Kinos weltweit kommen. Drehbuchautor Simon Pegg, der auch Scotty darstellt, und Regisseur Justin Lin hätten die Entscheidung getroffen, um ein Zeichen für den Zeitenwandel zu setzen, das in der ansonsten oft fortschrittlichen Serie bislang verschlafen wurde. Auch wolle man damit Takei ein Tribut erweisen.

Doch Takei war über die plötzliche Homosexualität der seit Beginn der Ursprungsserie vor 50 Jahren existierenden Rolle alles andere als begeistert: "Es freut mich zwar, dass es eine schwule Figur gibt", sagte der 78-jährige Schauspielveteran dem "Hollywood Reporter" (queer.de berichtete). "Bedauerlicherweise ist das eine Verdrehung des Werkes von Gene [Roddenberry], an dem er so lange gearbeitet hat. Ich denke, es ist wirklich bedauerlich." Er habe Cho im letzten Jahr gesagt: "Seid fantasievoll und kreiert eine Figur, die eine schwule Geschichte hat – anstatt Sulu, der die ganze Zeit heterosexuell war, als jemanden darzustellen, der seine Sexualität versteckt hat."

Pegg: Neue Zeitlinie Riesenchance


Simon Pegg hat nicht nur Ärger im Maschinenraum – aber gute Argumente auf seiner Seite (Bild: Paramount)

Der englische Schauspieler und Autor Simon Pegg, der erstmals an einem Drehbuch von "Star Trek" mitgeschrieben hatte, verteidigte die Entscheidung: "Ich hege große Liebe und Respekt für George Takei, seine Beherztheit, sein Mut und sein Humor sind eine Quelle der Inspiration. Doch in Bezug auf seine Meinung zu unserem Sulu bin ich respektvoll anderer Meinung als er", schrieb Pegg am Freitag in einer Stellungnahme an den "Guardian".

Takei habe in einem Punkt Recht, so Pegg: "Es ist bedauerlich – es ist bedauerlich, dass die Filmfassung des vielfältigsten, tolerantesten Universums im Science-fiction bis jetzt keinen LGBT-Charakter hatte. Wir hätten eine neue homo­sexuelle Figur vorgestellt, aber er oder sie wäre vorrangig durch seine oder ihre Sexualität definiert worden, wäre als 'der Homo-Charakter' gesehen worden, statt einfach als das, was sie oder er wäre, und ist das nicht Tokenismus?"

Mit Co-Autor Doug Jung und Regisseur Justin Lin habe er die Idee gemocht, eine Person auszuwählen, über die das Publikum bereits eine Meinung hat, ohne von Vorurteilen berührt worden zu sein. "Auch schließt das Publikum so, dass es eine LGBT-Präsenz im Trek-Universum von Beginn an gegeben hat (zumindest in der Kelvin-Zeitlinie), dass ein homo­sexueller Held nichts neues oder merkwürdiges ist", so Pegg. Er betonte, dass man nicht andeute, dass Sulu seine sexuelle Orientierung versteckt habe: "Das Thema kam einfach vorher nie auf."

Gene Roddenberry habe die ganze Crew der Ur-"Enterprise" sicher auch nicht aus künstlerischen Aspekten rein heterosexuell gemacht, sondern aus der Zeit und der Erwartungshaltung des Publikums heraus. Der erste TV-Kuss zwischen einer schwarzen Frau und einem weißen Mann sei revolutionär gewesen, habe aber die schlechteste Einschaltquote aller Folgen gebracht.

Der Serienschöpfer, der 1991 verstorben ist, sei ein Visionär gewesen, der sich seine Kämpfe aber sorgsam ausgesucht habe. "Wenn er Sulus Sexualität mit George hätte sondieren können, hätte er es sicher gemacht", so Pegg. Dass man das nun in einer anderen Zeitlinie macht, bringe dabei noch einen weiteren schönen Gedanken: "Mir gefällt diese Idee, weil sie nahelegt, dass in einem hypothetischen Multiversum über einer unendlichen Matrix alternierender Realitäten wir alle irgendwo LGBT sind."

Quinto: Sulu bringt Inspiration für neue Generation


Auch Zachary Quinto sieht die Vorzüge eines schwulen Sulu

Auch der neue Darsteller von Mr. Spock, der inzwischen offen schwule amerikanische Schauspieler Zachary Quinto, verteidigte die Homosexualität Sulus. "Als Mitglied der LGBT-Community war ich enttäuscht, dass George enttäuscht war. Ich verstehe, dass er seinen eigenen Werdegang hatte und seine eigene Beziehung mit dieser Figur hat, aber, wie wir im ersten 'Star Trek'-Film 2009 eröffneten, haben wir ein alternatives Universum geschaffen."

Weiter sagte Quinto gegenüber pedestrian.tv: "Meine Hoffnung ist, dass George schließlich gestärkt sein wird und gestärkt sein sollte durch die enorm positive Reaktion, besonders von jungen Menschen, die sich bestärkt und inspiriert fühlen durch diese wirklich geschmackvolle und schöne Darstellung von etwas, von dem ich denke, dass es in unseren Gesellschaften auf der ganzen Welt zunehmend mehr Akzeptanz und Aufnahme gewinnt."

Wöchentliche Umfrage

» Coming-out nach 50 Jahren auf dem Schirm: Sulu aus "Star Trek" ist schwul. Was meinst Du?
    Ergebnis der Umfrage vom 09.07.2016 bis 18.07.2016

#1 falken42
  • 09.07.2016, 16:45h
  • ich bin sulus meinung. hier springt man auf einen zug auf, weil george takei sich geoutet hat, das war in den schlagzeilen und fertig.
    von den alten charakteren hätte sich doch von der story her eher spock angeboten. ein volk bei dem sich die vulkanier alle 7 jahre (ungewollt) zum geschlechtsübergreifenden sex zwingen lassen müssen ... da hätte man eine schwule kultur kreieren können.
    aber das hätte mut erfordert und spock ist eine hauptfigur.
    so wie es jetzt läuft ist es eher billig und primitiv. aber viele werden natürlich sagen besser als weitere 50 jahre hetero-star trek.
    noch mehr als LGBTI im weltall würde mir eine entmilitarisierung von star trek gefallen. spock und Co waren vorrangig Forscher.
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#2 MarekAnonym
  • 09.07.2016, 16:48h
  • Erstmal sollte uns jede zusätzliche mediale Präsenz willkommen sein.

    Und George Takeis Kritik, das sei nicht werkgetreu, kann ich nicht nachvollziehen. Wie oft wurden nicht eigentlich schwule Rollen bei Verfilmungen zu Heteros?

    Außerdem stammen die Romanvorlagen doch aus einer Zeit, wo sowas gar nicht möglich gewesen wäre, wo es aber auch rein statistisch in der "Crew" des Raumschiffs mehrere Schwule gegeben haben muss.

    Jetzt hat diese Rolle eben nach so vielen Jahren endlich ihr Coming-out. Genauso wie George Takei es ja auch erst nach vielen Jahren hatte.

    Man kann sich echt auch anstellen.

    Übrigens:
    der James Bond der Filme hat auch nicht viel mit der Romanvorlage zu tun. (Am ehesten kommt dem noch Sean Connery.)

    Also ich finde das super...
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#3 Trekkie77Anonym
  • 09.07.2016, 16:58h
  • Antwort auf #1 von falken42
  • "ich bin sulus meinung. hier springt man auf einen zug auf, weil george takei sich geoutet hat, das war in den schlagzeilen und fertig.
    von den alten charakteren hätte sich doch von der story her eher spock angeboten."
    ...
    "aber das hätte mut erfordert und spock ist eine hauptfigur. so wie es jetzt läuft ist es eher billig und primitiv. "

    Wieso das denn? Bei Spock wäre der Aufschrei noch viiiiel größer geworden, gerade weil er im Star Trek-Canon deutlicher heterosexuell ist...
    Lediglich sein Verhältnis zu Kirk ließe etwas Homo-Erotik vermuten (die Szene in ST V - "Aber Captain - doch nicht vor den Klingonen!" )
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