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Erst nach zweiter Auszählung
Kanada: Anglikanische Kirche stimmt für Öffnung der Ehe

Die anglikanische Cathédrale de la Sainte-Trinité in Québec-Stadt – ab 2019 könnten hier auch Schwule und Lesben heiraten (Bild: flickr / Dennis Jarvis / by 2.0)
- 13. Juli 2016, 14:48h 2 Min.
Die kanadischen Anglikaner stellen sich hinter gleichgeschlechtliche Paare. Damit dürfte der Streit zwischen westlichen und afrikanischen Kirchenprovinzen weiter angeheizt werden.
Die Anglikanische Kirche Kanadas hat am Montag für die Gleichstellung von Schwulen und Lesben bei kirchlichen Hochzeiten gestimmt. Bei der Generalsynode in der Großstadt Richmond Hill nahe Toronto kam knapp die erforderliche Zweidrittelmehrheit bei allen drei Abstimmungsgruppen zustande – bei Laien, beim Klerus und bei Bischöfen.
Am Montagabend hatte es noch so ausgesehen, als ob der Antrag fehlgeschlagen ist, weil beim Klerus nur 66,2 Prozent erreicht wurden – genau eine Stimme zu wenig. Manche Delegierte protestierten aber gegen das Ergebnis und erklärten, ihre Stimme sei nicht gezählt worden. Bei einer erneuten Auszählung kam heraus, dass in Wirklichkeit 69 Prozent des Klerus für die Gleichbehandlung votiert hatte. Außerdem stimmten 68 Prozent der Bischöfe und 72 Prozent der Laien dem Antrag zu.
Umsetzung nicht vor 2019
Noch kann die Entscheidung allerdings nicht umgesetzt werden: Bei der nächsten Generalsynode im Jahr 2019 muss erneut eine Mehrheit zustande kommen. Erst danach dürfen Schwule und Lesben kirchlich heiraten.
Das Thema Homosexualität ist bereits seit über zehn Jahren in der weltweit gut 80 Millionen Mitglieder zählenden anglikanischen Kirche umstritten. Der Streit hatte sich 2003 entzündet, als der offen schwule und nicht zölibatär lebende Theologe Gene Robinson zum Bischof von New Hampshire gewählt wurde (queer.de berichtete).
Bei einem Treffen der 38 anglikanischen Kirchenprovinzen in England Anfang des Jahres wurde die US-Kirche für ihre Homofreundlichkeit abgestraft: Die sogenannte Episkopalkirche ist für die kommenden drei Jahre von allen gemeinschaftlichen Entscheidungen ausgeschlossen worden (queer.de berichtete). Als Grund für den Ausschluss gab die Mehrheit der Kirchenprovinzen die "grundsätzliche Abkehr vom Glauben und der Lehre" der US-Kirche an, der sich in der Nicht-Aufrechterhaltung der "Ehe als Verbindung von Mann und Frau" zeige. Insbesondere afrikanische Bischöfe lehnen die Anerkennung von Homosexuellen in der Kirche strikt ab und unterstützten teilweise sogar Gesetze zur Verfolgung von Schwulen und Lesben.
In Kanada gehören nach Angaben der nationalen Statistikbehörde 1,6 Millionen Menschen der anglikanischen Kirche an. Sie ist damit die drittgrößte Glaubensgemeinschaft nach der katholischen Kirche und der protestantischen "United Church of Canada". (dk)














Nach der anglikanischen Episkopalkirche in den Vereinigten Staaten, die die Öffnung der Ehe befürwortet hat und Trauungen für verheiratete homosexuelle Paare in den USA ermöglicht hat, zieht dann also auch die Anglican Church of Canada nach.
Übrigens hat diesen Monat auch die United Reformed Church im Vereinigten Königreich die Trauung gleichgeschlechtlicher Paare kirchenrechtlich ermöglicht; vor einigen Jahren war dort schon ein öffentlicher Segnungsgottesdienst ermöglicht worden und nunmehr sind kirchliche Trauungen in der United Reformed Church erlaubt.
Letztes Jahr hatte übrigens die Presbyterian Church (USA) kirchliche Trauungen für gleichgeschlechtliche Paare ermöglicht.