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- 09. April 2005 2 Min.
Die Beisetzung des Papstes war eine große Kundgebung der Menschlichkeit.
Von Jürgen Friedenberg
Zeitlebens hat Papst Johannes Paul II. viel bewegt, aber dass sein Tod Millionen und Abermillionen Menschen in aller Welt so tief bewegen und sie selber in Bewegung setzen würde, das hätte er wohl selber kaum geahnt. So geriet seine Beisetzung im Petersdom zu einer einzigartigen Kundgebung der Menschlichkeit. Gefordert wurde hier nichts, gefördert aber wurde das friedliche Miteinander von Menschen aus allen Herren Ländern, die sich in ihrer Wertschätzung des Verstorbenen verbunden wussten.
Angesichts der weltweit zunehmenden Säkularisierung, Kommerzialisierung, Materialisierung grenzt das, was dieser Tage in Rom und anderenorts zu beobachten war, an ein Wunder. Die Spontaneität des Trauerns, des Dankes und des Respekts, den beileibe nicht nur Katholiken ihrem kirchlichen Oberhaupt bezeugten, war echt und kein Schauspiel. Schon gar nicht eine Demonstration kirchlicher Macht, auch wenn das Medienspektakel dem Ansehen der nach wie vor schrumpfenden Katholischen Kirche gut getan haben dürfte.
Homosexuelle haben allen Grund, mit dem verstorbenen Papst unzufrieden zu sein. Skepsis gilt auch gegenüber dem zu den Kandidaten für seinen Nachfolger zählenden Kardinal Ratzinger, der ihm in Glauben und Dogmatik sehr nahe stand. Unvergessen ist der von Ratzinger maßgeblich formulierte Aufruf des Vatikans zum Widerstand gegen die staatliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften. Unvergessen auch die Entlassung kirchlicher MitarbeiterInnen, die sich zu ihrem Sosein bekennen. Unvergessen die Ächtung vor- und außerehelichen Geschlechtsverkehrs, unvergessen, ja, unverzeihlich die Missachtung des Kondoms als lebenserhaltendes Schutzmittel gegen Aids.
Vielleicht aber hat Johannes Paul II. durch seine persönliche Hinwendung zu den Menschen, durch sein Engagement für das friedliche Miteinander der Völker und Konfessionen und durch seine Sorge um die Menschheit unwissentlich auch den Weg bereitet für eine künftige, eine natürlichere Einschätzung von Sex – nicht als Fluch oder Sünde, sondern als Gottesgeschenk.
9. April 2005















Einen lustfeindlichen Papst gutheißen, weil sein seniles Wettern in einem liberalen Umfeld das Gegenteil bestärkt? Sorry, das ist genau so rosaäugige Schönfärberei wie das ständige Wunschdenken, Robbie Williams möge sich doch endlich outen. Eine Unlogik, die nur in einem Umfeld blühen kann, in dem die Basis sich vor der Irrationalität ihrer Obrigkeit für jeden vernünftigen Beschluss verantworten muss. Eine Semantik, die ebenso verquer ist wie die Witze in katholischen Familienblättchen unlustig.
Millionen trauern um einen - welch Heuchelei! Nicht einer von diesen trauert um Millionen, die nicht weniger wert waren und trotzdem starben.