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  • 11. April 2005 11 4 Min.

Die Schweizer Metropole Genf ist nicht so trendy wie Zürich, dafür umso aufgeschlossener. Queer.de war vor Ort.

Von Roberto La Pietra

Egal, ob man sich der Stadt auf dem Schienen- oder auf dem Luftweg nähert, die Ankunft am Genfer See ist ein Erlebnis für sich. Kommt man mit dem Zug aus der Richtung Bern, tut sich nach einem Tunnel plötzlich die ganze Schönheit des Lac Léman auf und man weiß: man ist ein Stückchen näher dran am Süden Europas, denn plötzlich liegen einem Weinberge zu Füßen. Erreicht man die Metropole auf dem Luftweg, so hat man meist auf der linken Seite des Flugzeugs einen fantastischen Ausblick auf Stadt und See, denn der Airport ist so zentrumsnah wie kaum ein anderer. In nur rund acht Minuten ist man mit dem Zug am Hauptbahnhof.

Am ersten Abend schlendere ich mit der Genf-Seite des "Spartacus" in der Tasche los, um mich auf die Suche nach den Szene-Bars zu begeben. Zugegeben: Zunächst bin ich etwas enttäuscht, denn sowohl "Le Concorde" als auch "La Trappe" entpuppen sich als Minikneipen im Rotlichtbezirk (später erfahre ich, Concorde eignet sich fürs After-Work-Bierchen und ist besonders am frühen Abend gut besucht). Doch wer sucht, der findet – und somit stoße ich kurz später auf "Le Phare" (Rue Lissignol), ein freundliches, helles Café mit lockerem Publikum – genau nach meinem Geschmack. Auch das "Exclus", das allerdings keinen Namen an der Tür trägt, kann sich sehen lassen. Später entdecke ich auch noch das beliebte "Nathan" in der Rue Baudin hinter dem Bahnhof und das "Déclic" (Pont D’Arve), das neben einer schönen Cocktail-Bar einen der besten Gay-Clubs der Stadt beherbergt.

Bevor ich mich am zweiten Tag erneut auf Erkundungstour der Szene mache, ist erstmal Sightseeing angesagt. Genf liegt am südwestlichen Ende des gleichnamigen Sees und ist eine kleine, aber international höchst bedeutende Stadt. Neben der Uno sitzen hier die WHO, das Rote Kreuz (übrigens mit gleichnamigem Museum – sehr empfehlenswert!) sowie zahlreiche weitere länderübergreifende Organisationen. Das verleiht der Stadt einen kosmopolitischen und humanistischen Touch.

Wo die Rhôneaus dem Genfer See heraus fließt, verbinden zahlreiche Brücken die neue und alte Seite der Stadt. Das historische Zentrum schmiegt sich romantisch an einen Hügel, von dem aus man den Blick über die Dächer der fast mediterranen Stadt ebenso schweifen lassen kann wie über den eindrucksvollen See, die noblen Vororte und die Bergkette des Jura und der französischen Alpen – an klaren Tagen sieht man oft bis zum Mont Blanc. Wer die Stadt aus der Froschperspektive sehen möchte, kann dies von den Booten des städtischen Nahverkehrs aus tun, die die Ufer des Sees miteinander verbinden. Von ihnen aus lässt sich natürlich auch das Wahrzeichen der Stadt, die Wasserfontäne, am besten betrachten.

Hinter dem Hügel der Altstadt befindet sich das edle Viertel um die Oper an der Place Neuve. Neben diesem Platz schließt sich der ehemalige Botanische Garten mit der Uni und den Statuen der vielen Berühmtheiten an, die Genf zu internationaler Bedeutung verhalfen. Darunter befinden sich zum Beispiel der strenge Reformator Calvin, der Philosoph Rousseau und der Psychologe Piaget.

Am Abend bin ich bei François von Dialogai eingeladen, Genfs größter Schwulenorganisation. Er und sein Kollege erzählen mir vom neuen 15-Minuten-HIV-Test, den das Zentrum in Kooperation mit einem "gay-friendly" Arzt durchführt. Man ist hier zu Recht stolz darauf, denn neben Genf bietet bisher nur Amsterdam diesen Test an. Des Weiteren leistet Dialogai tolle Arbeit, um die Community zusammen zu führen: So gibt es zum Beispiel seit 20 Jahren jeden Mittwoch ein Abendessen für 15 Franken – oft kommen spontan bis zu 70 Leute. Die perfekte Gelegenheit, um Einheimische kennen zu lernen.

Im Gegensatz zu vielen Franzosen wirken die frankophonen Schweizer sofort überaus weltoffen und aufgeschlossen. Hier kann man sich endlich mal trauen, das längst eingerostete Schulfranzösisch rauszukramen, denn die Leute hier sind rücksichtsvoll, wenn es um ihre Sprache geht. "Wieso versteh ich Euch nur so gut, in Frankreich dagegen oft kein Wort?", frage ich meine Gastgeber und die Jungs an meinem Tisch. Die Antwort ist ebenso einleuchtend wie sympathisch: "Weil wir eine internationale Stadt sind, selbst Fremdsprachen gelernt haben und uns deswegen in Deine Situation hinein versetzen können. Darum geben wir uns einfach Mühe!" Wow, die Genfer gefallen mir!

Wer Lust hat, die Stadt am Lac Léman" zu besuchen, fliegt zum Beispiel von Köln oder Stuttgart mit Germanwings nach Zürich und steigt am Flughafenbahnhof um in den Zug, der nur rund drei Stunden bis in die südwestlichste Metropole der Schweiz braucht.

Fotos: Fremdenverkehrsamt Genf

11. April 2005

-w-

#1 FroschAnonym
  • 11.04.2005, 16:50h
  • ist ja schön, dass sich queer auch mal in die Schweiz verirrt. Nur darf dabei nicht vergessen werden, dass ausserhalb der vier grossen Städte Zürich,Basel,Genf und Lausanne das schwule Angebot äusserst bescheiden ausfällt! Es gibt zwar weitere Städte wo es einzelne wenige Lokale und Clubs gibt, aber die besucht wohl niemand von weit her nur weil er was wirklich schwules erleben will? Und wer sich dann erstmal in die Innerschweiz wagt, na, der lässt seinen Pimmel am besten gleich zu Hause...
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#2 FroschAnonym
  • 11.04.2005, 16:53h
  • o.k.,die Bundeshauptstadt Bern habe ich vergessen, dort gibt es auch etliche Angebote,doch Vorsicht: In der Öffentlichkeit schwul rumknutschen,an den Arsch oder gar vorne in die Hose fassen in der Einkaufsmeile,das wird selbst in grösseren Städten im Gegensatz vielleicht zu Berlin nicht von allen gern gesehen und kann schon mal die Polizei auf den Platz rufen wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses...also,daher besser etwas zurückhaltender sein als vielleicht in Berlin...
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#3 StorchAnonym
  • 11.04.2005, 21:20h
  • Frosch, ich finde es schön, dass Du die Schweiz so schön reduzierst - auf ein Nichts. Genf und Zürich sind tolle Städte und bieten eine aufgeschlossene Atmosphäre. Oder hast du etwa vergessen, dass Genf und Zürich die einzigen Orte auf der Welt sind, wo sich eine deutliche Mehrheit der Bürger für das Partnerschaftsgesetz (für gleichgeschlechtliche Paare) aussprachen? Gruss aus Zürich.
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