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Redner Milo Yiannopoulos hat sich von einem katholischen Publizisten aus England zum Shooting-Star der Neurechten in den USA entwickelt

  • 21. Juli 2016, 17:08h 16 5 Min.

Während viele LGBT-Republikaner auf Distanz zum Kandidaten gehen, zeigten ihm der umstrittene Blogger Milo Yiannopoulos und Geert Wilders ihre Unterstützung.

Von Norbert Blech

Am Rande des republikanischen Parteitags in Cleveland im US-Bundesstaat Ohio, bei dem Donald Trump zum offiziellen Präsidentschaftsbewerber der Partei ausgerufen wurde, fand am Dienstag im Wolstein Center Ballroom der örtlichen Universität eine bemerkenswerte Unterstützungveranstaltung statt: Unter dem Motto "Wacht auf" und "Gays für Trump" lud eine Gruppe von LGBT-Republikanern, GOProud, zur "fabulösesten Party beim Republican National Congress".

Vor halbnackten Porträts von (laut Medienberichten rein weißen) Jungs mit Mützen mit dem Trump-Slogan "Make America Great Again" (mehr davon gibt es unter dem Slogan "Trump is Daddy" in der Kampagne "Twinks for Trump" allen Ernstes bei Twitter) sprachen unter anderem der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders, der radikale schwule Publizist Milo Yiannopoulos und die Anti-Islam-Aktivistin Pamela Geller, im Publikum befanden sich die nationalistischen Autoren Peter Brimelow und Richard B. Spencer, die von vielen Menschenrechtsaktivisten als Rassisten eingestuft werden. Spencer fordert etwa eine Heimat für die "enteignete weiße Rasse" durch "friedliche ethnische Säuberungen".

Man müsse die Gesellschaft "de-islamisieren", meinte Wilders bei der Veranstaltung. Der Vorsitzende der "Partij voor de Vrijheid", der auf Einladung der Republikaner in Tennessee den Parteitag verfolgt, bezeichnete offene Grenzen und "kulturellen Relativismus" als "größte Krankheit des heutigen Europas"; der Islam sei nicht gleichwertig gegenüber dem Christen- oder Judentum.

Man habe keine "echten Anführer" mehr, sondern nur noch "Beschwichtiger", polterte Wilders weiter, "wir haben Chamberlains statt Churchills", die "Millionen muslimischer Migranten aus islamischen Ländern in unsere freien westlichen Gesellschaften" hereinließen. Wer den Islam dort einpflanze, werde die Scharia ernten.

Jubel für den neuen Wortführer


Die Einladung zu der "fabulösen" Party

Für die amerikanischen Trump-Unterstützer war aber nicht Wilders, sondern Yiannopoulos der Stargast des Abends. Der in Athen geborene 32-Jährige hatte in Großbritannien eine Karriere in katholischen Medien gemacht und war, damals noch recht brav, in Talkshows aufgetreten, um sich gegen eine Ehe-Öffnung für schwule und lesbische Paare auszusprechen (Video einer Debatte mit Boy George).

Inzwischen ist er zu einem Shooting-Star der Neurechten weltweit und besonders in den USA geworden, wo er für "Breitbart News" schreibt und unter aggressivster Rhetorik vor allem antifeministische und islamophobe Stimmungsmache betreibt. Kurz vor der Veranstaltung in Cleveland wurde er von Twitter lebenslang gesperrt, weil er einen rassistischen und sexistischen Online-Hetzmob gegen die Schauspielerin Leslie Jones mit angefeuert hatte. Das Netzwerk hatte "einen seiner schlimmsten Trolle" (The Verge) schon mehrfach temporär gesperrt, auch weil er sich als Twitter-Mitarbeiter darstellte. Yiannopoulos nutzte damals seine Akkreditierung im Weißen Haus, um nach der Durchsetzung von Meinungsfreiheit zu fragen.

Der "Guardian" kommentierte dazu, in Wirklichkeit kämpfe er für das Recht, marginalisierte Gruppen derart online zu schikanieren und zu beschimpfen, dass sie sich zurückziehen und auf ihr Recht zur Meinungsäußerung verzichten. Die Verbannung aus Twitter trage nun zu Milos "vergiftendem Vermächtnis" bei, kommentierte dort auch die Technologie-Journalistin Leigh Alexander, die von Yiannopoulos im sogenannten "GamerGate" angegriffen wurde. Er betreibe Hasssprache und Schmierkampagnen gegen andere ("zumeist Frauen und People of Colour"), bis diese soziale Medien nicht mehr konstruktiv nutzen könnten. Nun werde er als Märtyrer freier Rede gefeiert, beklagte sie.

Feiern ließ er sich auch von den "Gays for Trump", bei denen er mit einer Sicherheitsweste und einem T-Shirt mit einer in Regenbogen­farben gezeichneten Pistole und dem Spruch "Wir schießen zurück" auftrat. Linke seien "Verräter an den Schwulen", da sie "den Islam" unterstützten, meinte er.

Yiannopoulos kündigte an, in einer Woche beim zweiten "Pride Järva" teilzunehmen, bei dem Rechtspopulisten durch ein Viertel von Stockholm mit einem hohen muslimischen Bevölkerungsanteil ziehen wollen – im letzen Jahr mit wenig Teilnehmern und Gegenprotesten (queer.de berichtete). Zu der "New York Times" und anderen Medien sagte er: "Fickt euch alle." Medien hätten nichts getan, als Demokraten eine Religion willkommen geheißen hätten, "die uns tot sehen will": "Wenn die Linke New York in Raqqa verwandeln will, haben sie einen Kampf am Hals. Denn sie müssen erst gegen die Homo­sexuellen kämpfen." Zwischen all der bewusst auf Eskalation setzenden Rhetorik behauptete er ernsthaft, Donald Trump sei der homofreundlichste Präsident­schafts­kandidat in der Geschichte der USA.

Youtube | Der Auftritt von Yiannopoulos mitsamt rassistischen Witzen und aggressiver Rhetorik wurde vom Publikum frenetisch beklatscht

Andere LGBT-Republikaner warnen vor eigener Partei

Eine andere langjährige Vereinigung von LGBT-Republikanern, die "Log Cabin Republicans", hatte auf den Parteitag und seine Kandidaten komplett anders reagiert: Mit einer ganzseitigen Anzeige in der Zeitung "USA Today", in der sie vor "dem am meisten LGBT-feindlichen Wahlprogramm" in der Geschichte der Partei warnten. Vernünftige Menschen würden Politiker, die ein solches Programm verantworten, als "Verlierer" und "Idioten" ansehen – so steht es in der Anzeige fettgedruckt neben einem Bild von Trump.



Das Programm der Republikaner enthält unter anderem eine Rückabwicklung der Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben, Unterstützung für homo- und transfeindliche "Klo"-Gesetze und gar ein deutliches Nein zu Verboten von "Heilungs"-Angeboten für Homosexuelle (queer.de berichtete). Trump, den die "Log Cabin Republicans" ursprünglich unterstützten und der sich nach Orlando als "wahrer Freund der Schwulen" darstellte, weil er gegen Einwanderung sei, hatte im Wahlkampf u.a. angekündigt, sich für neue Richter am Supreme Court einzusetzen, die die "Ehe für alle" wieder abschaffen würden (queer.de berichtete).

Trumps "Running Mate" Mike Pence, also der mögliche Vize-Präsident, gilt gar als Hardliner gegen LGBT-Rechte (queer.de berichtete). Als Gouverneur hatte er im letzten Jahr in Indiana ein Gesetz "zur Wiederherstellung der Religionsfreiheit" vorangetrieben, dessen einziges Ziel es war, die religiös begründete Diskriminierung von LGBT zu erlauben. Als Abgeordneter im Repräsentantenhaus stimmte er 2009 dagegen, Hassverbrechen gegen Schwule und Lesben strafverschärfend zu bewerten – dies könne zu einer "Gedankenpolizei" führen.

-w-

#1 NiedergemeiertAnonym
  • 21.07.2016, 19:30h
  • Auch zu diesen Faschisten darf man F***e sagen.
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#2 entartetEhemaliges Profil
  • 21.07.2016, 19:45h
  • Ist doch schön, wie diese Leute sich zum Affen machen. Zeigt doch der Mehrheitsgesellschaft, was für bizarre Gestalten das sind, die man im Grund zu Recht verachtet und diskriminiert. Trump braucht im Moment jede Stimme, und verarschen tun sich diese Hirnlosen selbst. Ein besseres Geschenk kann es doch gar nicht geben. Marginalisiert werden sie noch früh genug.
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#3 HarryFritot
  • 21.07.2016, 20:53h
  • Sexuelle Neigungen sind für manche eben auch zweitrangig wenn sie dafür andere egoistische Macht und/oder Geldgeile und/oder Menschenrechtsfeindliche-Sadistische Bedürfnisse Ausleben dürfen oder die Hoffnung haben,durch Unterstützung bestimmter Menschenrechtsfeindliche Parteien oder Führern,diese Ausleben zu können.
    (Wie z.B. die "Homosexuellen der AfD" insbesondere dieser Mirko Welsch)
    Bösartige Menschen gibt es halt überall und macht auch vor Sexuellen Neigungen nicht halt!
    Deswegen ist es um so wichtiger auch in den eigenen Reihen bösartige Menschen zu erkennen und Öffentlich zu machen und sie damit kalt zu stellen bevor sie noch mehr Schaden anrichten!!
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