Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?26747

Präexpositions-Prophylaxe (PrEP)

England: Pille zum Schutz vor HIV löst Streit aus


Truvada wird voraussichtlich in Kürze auch in Deutschland zugelassen

  • 3. August 2016, 14:00h 49 3 Min.

Das staatliche Gesundheitssystem wehrt sich dagegen, PrEP zu finanzieren – ansonsten müssten kranke Kinder leiden.

Eine Gerichtsentscheidung zur Präexpositions-Prophylaxe (PrEP) sorgt in Großbritannien für Aufregung: Der "High Court of Justice" hat am Dienstag in erster Instanz entschieden, dass es Aufgabe des staatlichen Gesundheitsdienstes (NHS) sein kann, ein derartiges Präventionsmedikament zu finanzieren. Die NHS-Unterbehörde, die für den Landesteil England verantwortlich ist, hatte die Finanzierung rundweg abgelehnt und betont, als Präventionsfrage sei dies Aufgabe von Städten und Gemeinden.

Das Gericht folgte aber der Argumentation der Kläger von der Aidshilfe-Organisation "National Aids Trust" und erklärte in seiner Urteilsbegründung, dass sich der Gesundheitsdienst in seiner Einschätzung "geirrt" habe. "Präventionsmaßnahmen sind ohne Zweifel sinnvoll", so Richter Nicholas Green. Es sei außerdem bewiesen worden, dass das Medikament das Risiko von HIV-Infektionen senke.

PrEP steht derzeit in Europa kurz vor der Zulassung: Das Pharma-Unternehmen Gilead Sciences hatte die Zulassung von Truvada als Präventionsmedikament bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur bereits Anfang des Jahres beantragt (queer.de berichtete). Klinische Studien hätten bewiesen, dass HIV-Negative mit PrEP bei täglicher Einnahme das Ansteckungsrisiko praktisch auf Null senken könnten. Vergangenen Monat hat die Agentur schließlich die Zulassung empfohlen. Nun muss noch die EU-Kommission formell zustimmen; voraussichtlich wird Truvada in den nächsten Wochen als PrEP offiziell erhältlich sein.

In den USA ist die Pille bereits seit 2012 zu als Schutz für HIV-Negative zugelassen. In anderen Ländern wie Kenia und Südafrika wird das Medikament ebenfalls eingesetzt. Zudem hat Frankreich kürzlich eine "temporäre Gebrauchsempfehlung" für Truvada zum Schutz vor einer sexuellen Ansteckung mit HIV gegeben.

Gesundheitsbehörde will Urteil nicht akzeptieren

Der NHS England will aber weiterkämpfen und hat bereits angekündigt, gegen die Entscheidung des Gerichts Widerspruch einzulegen. Außerdem versuchte die chronisch unterfinanzierte Behörde mit einer PR-Kampagne, die Öffentlichkeit auf ihre Seite zu ziehen. So wurde in einer Pressemitteilung damit gedroht, dass bei einer PrEP-Zulassung andere Medikamente oder Behandlungen nicht mehr finanziert werden könnten. Dazu gehörten Medikamente für Kinder mit Mukoviszidose oder die Behandlung seltener Arten von Krebs.

Scharfe Kritik an der Kampagne kommt von den Klägern: Deborah Gold vom National Aids Trust erklärte, es sei "nicht hilfreich", verschiedene Gruppen gegeneinander auszuspielen. Die Gerichtsentscheidung habe gezeigt, dass die Behörde gegen das Gesetz verstoßen habe, als sie die Finanzierung von PrEP rundweg abgelehnt hatte.

Das Medikament ist freilich nicht billig: In Deutschland kostet eine Monatspackung 800 Euro. Zudem können Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Durchfall oder Magenbeschwerden auftreten. Manche Aktivisten befürchten, dass die Pille insgesamt zu mehr unsafem Sex führen könnte – oder dass sich Patienten, die sich zu wenig an die Einnahme-Vorgaben halten, in falscher Sicherheit wiegen. Es ist hierzulande auch noch völlig unklar, ob und für welche Gruppen Krankenkassen das Präventionsmedikament finanzieren.

Gute Erfahrungen mit PrEP in den USA

In den USA gilt PrEP seit der Zulassung vor vier Jahren als Erfolgsgeschichte. Dort hat die Gesundheitsbehörde CDC im vergangenen Jahr empfohlen, dass Menschen mit besonders hohem Risiko das Medikament einnehmen sollten – darunter laut CDC rund ein Viertel der sexuell aktiven Schwulen und bisexuellen Männer, die HIV-negativ sind (queer.de berichtete). Auch die Deutsche Aids-Hilfe nennt das Medikament "eine sinnvolle Ergänzung der erfolgreichen HIV-Prävention in Deutschland".

Truvada enthält die Wirkstoffe Tenofovir und Emtricitabin. Das Medikament wird in Deutschland bereits bei HIV-Positiven eingesetzt, um die Ausbreitung des Virus im Körper zu hemmen. Außerdem kann Truvada bereits heute als Post-Expositionsprophylaxe in Kombination mit einem anderen Medikament angewendet werden, wenn es binnen 24 Stunden nach einem Risikokontakt eingenommen wird. (dk)

-w-

#1 Carsten ACAnonym
  • 03.08.2016, 16:17h
  • Dann muss eben das Budget für Gesundheit insgesamt steigen!

    Es kann doch nicht sein, dass man entscheiden muss, wem man helfen kann und wem nicht und welche Vorsorge man noch finanzieren kann und welche nicht mehr.

    Da muss man die Schuld nicht bei der PrEP-Therapie suchen, sondern bei der Politik, die über Jahre und Jahrzehnte das Gesundheitssystem immer weiter kaputt gespart hat.
  • Direktlink »
#2 LaurentEhemaliges Profil
#3 PfoteAnonym
  • 03.08.2016, 16:30h

  • Es sei außerdem bewiesen worden, dass das Medikament das Risiko von HIV-Infektionen senke.

    Das ist eine Aussage des Gerichts. Man möge sie bei eventuellen Kommetaren hier bitte berücksichtigen.
  • Direktlink »