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Schätzungen zufolge sind im Iran seit der "Islamischen Revolution" 1979 mehrere tausend Männer wegen Homosexualität hingerichtet worden

  • 6. August 2016, 12:04h 31 2 Min.

Die Menschenrechtsbeauftragte im Auswärtigen Amt, Bärbel Kofler, zeigte sich "zutiefst entsetzt" über die Todesstrafe für Hassan Afshar.

Die Bundesregierung hat am Freitag die Hinrichtung eines 19-Jährigen im Iran verurteilt. Hassan Afshar war 18. Juli in der Provinz Markazi gehängt worden, weil er laut Urteil einen anderen jungen Mann vergewaltigt haben soll. Der Angeklagte selbst sagte nach Angaben von Amnesty International aus, dass es sich um einvernehmlichen Sex gehandelt habe (queer.de berichtete).

"Ich bin zutiefst entsetzt", erklärte die Menschenrechtsbeauftragte im Auswärtigen Amt, Bärbel Kofler. "Hassan Afshar war zum Zeitpunkt der ihm vorgeworfenen Tat erst 17 Jahre alt. Seine Hinrichtung ist damit ein vollkommen inakzeptabler Völkerrechtsbruch, zumal beträchtliche Zweifel daran bestehen, dass in seinem Verfahren rechtsstaatliche Prinzipien eingehalten wurden."

Die SPD-Politikerin verwies darauf, dass sowohl die UN-Konvention über die Rechte des Kindes als auch der Internationale Pakt über bürgerliche und politische Rechte – beide von Iran ratifiziert – die Hinrichtung von Menschen verbieten, die zum Tatzeitpunkt minderjährig sind.

Im Alter von 17 Jahren verhaftet


Die SPD-Bundestagsabgeordnete Bärbel Kofler ist seit Februar 2016 Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und Humanitäre Hilfe. (Bild: SPD-Parteivorstand)

Hassan Afshar wurde im Alter von 17 Jahren verhaftet und am Ende eines zweimonatigen Verfahrens Anfang 2015 wegen der mutmaßlichen Vergewaltigung eines anderen Jungen zum Tode verurteilt. Berichte von Menschenrechts­organisationen weisen auf erhebliche Verfahrensmängel hin, so habe Hassan Afshar keinen anwaltlichen Beistand gehabt.

Der Oberste Gerichtshof des Irans hatte das Urteil gegen Hassan Afshar zunächst wegen Ermittlungsmängeln aufgehoben, es im März 2016 dann aber doch bestätigt. Die Ermittlungen gingen auf eine Beschwerde des Vaters des angeblichen Opfers zurück. Bei einvernehmlichem Sex hätte auch dessem Sohn eine Bestrafung bis hin zur Todesstrafe gedroht

Schätzungen zufolge sind seit der "Islamischen Revolution" im Jahr 1979 mehrere tausend Männer wegen Homosexualität im Iran hingerichtet worden. Die meisten Fälle werden allerdings nicht öffentlich. Zudem wird in vielen Urteilen von Vergewaltigungen gesprochen.

Für Empörung in westlichen Medien hatte 2005 die Hinrichtung von zwei Jugendlichen gesorgt, die offenbar wegen Homosexualität zum Tode verurteilt worden waren (queer.de berichtete). Offiziell wurde die Strafe damit begründet, dass die Männer, die zur Tatzeit Jugendliche waren, einen 13-Jährigen misshandelt hätten. Die Hintergründe sind bis heute nicht aufgeklärt. (cw)

-w-

#1 FelixAnonym
  • 06.08.2016, 14:55h
  • Aber Geschäfte macht die Bundesregierung dennoch weiter gerne mit denen. So weit reicht das angebliche "Entsetzen" nicht.
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#2 markusbln11Anonym
  • 06.08.2016, 16:55h

  • Die fach-stellungnahme der bundesregierung, wenn auch aus der dritten reihe, ist begrüsenswert und hilfreich.

    Ich würde mir allerdings ergänzend wünschen:

    a) öffentliche verurteilung des irans mindestens durch einen deutschen kernminister / kanzlerin

    b) verurteilung des iran durch ein adäqutes un-gremium (initiert durch deutschland oder die eu)

    Bisher tropft das doch einfach alles ab. Teheran muss sehen, für schandjustiz gibt es kein pardon.
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#3 goddamn liberalAnonym
  • 06.08.2016, 17:57h
  • Sehr bezeichnend und empörend ist, dass sich der Protest aus dem Land des rosa Winkels nicht an der mörderischen Homophobie der Menschentötung stört, sondern allein an der
    1. Todesstrafe
    für
    2.Minderjährige.

    Das stellt das unschuldige Opfer z. B. mit einem minderjährigen Mörder gleich, der mit dem Tod bestraft wird (wogegen ich natürlich auch wäre).

    Darüber bin ich wiederum zutiefst entsetzt.

    Ohne über die SPD-Politikern wirklich verwundert zu sein.
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