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Frauenfußballturnier

Homophobe Fangesänge bei Olympia


Die lesbische US-Mittelfeldspielerin Megan Rapinoe hält die Sprechchöre für "persönlich verletzend"

  • 8. August 2016, 10:24h 20 2 Min.

Beim Frauenfußball-Turnier sorgen Fans mit homosexuellenfeindlichen Sprechchören für Unmut.

Das Fußballturnier der Olympischen Sommerspiele in Brasilien wird durch homophobe Sprechchöre der Zuschauer überschattet. Wie die Tageszeitung "Los Angeles Times" berichtet, waren derartige Rufe in den Frauenfußballspielen zwischen den USA und Neuseeland und Kanada und Australien am letzten Mittwoch zu hören.

Unter anderem wurde die offen lesbische kanadische Torhüterin Stephanie Labbé mit "Bicha"-Rufen beschimpft. Das Wort wird insbesondere als abwertender Begriff für Schwule genutzt und wird normalerweise mit "Stricher" oder "Schwuchtel" übersetzt. Nach Angaben von brasilianischen Medien wurde dieser Begriff bislang nur in Stadien bei Männer-Spielen gerufen.

In den Teams sind neben Labbé weitere offen lesbische Spielerinnen aktiv (Mehr zum Team LGBTI). Die amerikanische Trainerin Jill Ellis ist seit 2013 mit einer Frau verheiratet.

Nach dem Spiel empörte sich die lesbische Mittelfeldspielerin Megan Rapinoe über die Zuschauer und erklärte, diese Sprüche seien "persönlich verletzend". Sie glaube aber, dass die meisten Fans nicht per se Homosexuelle hassen würden, sondern sich einfach keine Gedanken darüber machten, was derartige Sprechchöre anrichten: "Was bedeuten solche Rufe für Spieler, die sich überlegen, ob sie sich outen sollen?", fragte Rapinoe. Insbesondere im Männerfußball würden solche Verhaltensweisen dazu führen, dass nicht-heterosexuelle Spieler ein Versteckspiel spielen würden. "Ich glaube nicht, dass alle brasilianischen Fans, die anwesend waren, homophob sind. Aber ich glaube, dass sie mitschuldig sind, solange sie mitmachen." Die 31-Jährige forderte die Fans auf, sich in die Lage von homosexuellen Spielerinnen und Spielern zu versetzen.

"Das ist die ekelhafte Seite des Spiels"

Auch Kanadas Trainer John Herdman kritisierte die homophoben Gesänge: "Ich bin in England aufgewachsen und so etwas gewohnt. Das ist die ekelhafte Seite des Spiels", sagte Herdman laut der "National Post".

Insbesondere in lateinamerikanischen Stadien haben homophobe Fangesänge in den letzten Jahren zugenommen. So hat die FIFA vergangenes Jahr Geldstrafen gegen mehrere Verbände verhängt, darunter Mexiko, Peru und Argentinien, weil sich Fans bei den WM-Qualifikationsspielen der Männer homophob verhalten hatten (queer.de berichtete). In den spanischsprachigen Ländern skandieren Fans meist "Puto", das Äquivalent zum portugiesischen "Bicha".

Eine Sprecherin der FIFA spielte gegenüber der "Times" die Zwischenfälle herunter. Sie habe die Sprechchöre persönlich nicht wahrgenommen, sagte Carolina Almiron: "Ich denke nicht, dass das ein Problem ist." Man werde keine Schritte einleiten, sollte es keinen "formellen Protest" geben. (dk)

#1 GeorgG
  • 08.08.2016, 12:33hBerlin
  • Was soll man jetzt dagegen unternehmen?

    Aufklärung der 98 % Heteros, die in den Stadien sitzen, über Homosexualität?
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#2 MethonomyAnonym
  • 08.08.2016, 12:37h
  • "Eine Sprecherin der FIFA spielte gegenüber der "Times" die Zwischenfälle herunter. Sie habe die Sprechchöre persönlich nicht wahrgenommen, sagte Carolina Almiron: "Ich denke nicht, dass das ein Problem ist", sagte sie. Man werde keine Schritte einleiten, sollte es keinen "formellen Protest" geben."

    Ich befürchte, dass diese Dame selbst eine Cis-Hetera ist, die sich vermutlich nicht die Gedanken macht, wie stark solche Aussagen von ihr zur Herunterspielung von homophoben Verhalten beitragen. Das Problem ist, dass viele Menschen Diskriminierung nicht ernst nehmen können oder wollen.
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#3 JeroenAnonym
  • 08.08.2016, 12:57h
  • Wenn sich angebliche "Fans" nicht benehmen können, müssen in diesen Disziplinen eben in Zukunft die Austragungen ohne Zuschauer stattfinden.

    Oder man schließt jede Mannschaft, deren Fans sich so daneben benehmen, aus. Dann lernen die sehr schnell, wie sie sich zu benehmen haben...

    Aber da es bei Olympia ja eh nicht mehr um den Sport, sondern nur noch ums Geschäft geht, wird das wohl leider keine Konsequenzen haben...
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