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Grindr ausspioniert
Olympische Spiele: Sportler in US-Magazin geoutet

Via Grindr machte der "Daily Beast"-Journalist Jagd auf schwule Athleten
- 12. August 2016, 12:50h 2 Min.
Das Online-Magazin "Daily Beast" hat in einem Artikel Sportler gegen ihren Willen geoutet, davon einige aus Ländern, die Homosexuelle verfolgen. Nach Protesten wurde der Artikel inzwischen gelöscht.
Ein heterosexueller US-Journalist mit Frau und Kind hat am Donnerstag in einem Artikel über das schwule Leben im Olympischen Dorf von Rio de Janeiro für Empörung gesorgt. Der Reporter des Nachrichten- und Meinungsmagazins "Daily Beast" hatte vor Ort mehrere Dating-Apps ausprobiert; weil aber seiner Meinung nach zu wenig bei Heterosexuellen los war, konzentrierte er sich auf die schwule App Grindr.
In seinem Artikel beschrieb er die Chats so detailliert, dass es nicht schwierig war, die Identität der Athleten zu erraten. So erwähnte er Alter, Sportart, Größe und Gewicht der Sportler; teilweise schrieb er sogar, wie sie im Turnier abgeschnitten haben, so dass jeder mit einer Google-Suche erfahren konnte, um wen es sich handelt. Im Artikel wurde ausdrücklich darauf hingewiesen, dass manche dieser Sportler aus homophoben Ländern kamen. Der Journalist hatte seinem Bericht zufolge den Sportlern nicht gesagt, dass er nicht schwul ist, und dass er Details über sie veröffentlichen wolle.

Der kritisierte Artikel war zwar nur wenige Stunden online. Für einige schwule Sportler könnte er aber Konsequenzen haben.
Nach Kritik in sozialen Netzwerken entschärfte "Daily Beast" den Artikel zunächst und nahm einige Details heraus. Chefredakteur John Avlon verteidigte die Geschichte und wies Vorwürfe zurück, der Artikel würde sich über schwule Athleten lustig machen. Auch sei der Journalist nicht unethisch in seinem Recherchen vorgegangen. Avlon erklärte ferner, dass der Reporter weit mehr Einladungen auf Grindr als auf Hetero-Datingseiten erhalten habe.
"Wir waren im Unrecht"
Am Abend änderte Avlon schließlich seine Meinung und ließ den Artikel entfernen. Er postete auch eine Entschuldigung: "Wir waren im Unrecht. Wir werden in Zukunft besser sein", heißt es darin. Dies sei ein "noch nie dagewesener aber notwendiger Schritt". Man habe aber nie die Absicht gehabt, "Mitgliedern der LGBT-Community Schaden zuzufügen oder ihnen die Würde zu nehmen".
LGBT-Aktivisten hatten scharfe Kritik geübt: Sarah Kate Ellis von der Gay and Lesbian Alliance Against Defamation forderte etwa via Twitter, dass die Geschichte ersetzt werden sollte durch eine "echte Story über die Gewalt gegen LGBT-Menschen".
Der offen schwule Schwimmer Amini Fonua, einer von über 50 offen schwulen oder lesbischen Sportlerin in Rio, zeigte sich über den Artikel empört. Der aus Tonga stammende olympische Athlet schrieb in mehreren Twitter-Einträgen, dass sich "Daily Beast" schämen sollte. "Stellt Euch vor, dass der eine Ort, an dem Ihr Euch sicher fühlen könnte, der eine Ort, an dem Ihr Ihr selbst sein könnt, von einem Heterosexuellen ruiniert wird, der denkt, dass das alles nur ein Witz ist?" (dk)
















Ist das jetzt auch so eine Art "Zwangs-Outing", oder dient das dem Verständnis der Intention dieses Journalisten ?