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Schweden will Andrew Nagbe nach Liberia abschieben, obwohl ihm dort wegen seiner sexuellen Orientierung Gefängnis und Schlimmeres droht

  • 17. August 2016, 12:33h 34 2 Min.

Die geplante Abschiebung eines liberianischen Schwulen sorgt in Schweden für Aufregung. Der 22-Jährige war auf dem CSD Stockholm verhaftet worden.

In Schweden gibt es Proteste gegen die geplante Abschiebung des aus Liberia stammenden Fußballers Andrew Nagbe, dessen Asylantrag abgelehnt wurde. Der 22-Jährige soll am kommenden Dienstag in sein westafrikanisches Heimatland zurückgeschickt werden, obwohl ihm dort Verfolgung wegen seiner Homosexualität droht.

Die schwedischen Behörden haben damit offenbar kein Problem. Michael Persson vom Amt für Migranten erklärte gegenüber der Tageszeitung "Dagens Nyheter", es gebe zwar ein "Risiko für Homosexuelle, schikaniert zu werden, aber "keine Beweise, dass es Misshandlungen gibt, die vom Staat sanktioniert werden". Auch habe der Fußballer nicht nachweisen können, dass ihm persönlich eine Verfolgung droht.

In Liberia steht auf homosexuelle Handlungen eine Haftstrafe von bis zu einem Jahr. Zudem hat sich die Stimmung gegenüber Schwulen und Lesben in den letzten Jahren verschärft. Einer der Gründe ist laut LGBT-Aktivisten, dass christliche Kirchenführer Ebola zu einer Seuche erklärt hätten, die Gott zur Strafe für Homo-Sex geschickt habe (queer.de berichtete).

"Im Gefängnis werde ich jeden Tag vergewaltigt werden"

Nagbe befürchtet daher das Schlimmste: "Im Gefängnis werde ich jeden Tag vergewaltigt und geschlagen werden, bis man mich wieder freilässt und ich das Land verlassen kann", sagte der Fußballer. "Jeder in Liberia weiß jetzt, dass ich schwul bin. Die werden also mit mir tun, was sie wollen." Zu seinen Familienangehörigen könne er nicht zurückkehren. "Sie haben einen christlichen Hintergrund und können nicht akzeptieren, dass ich schwul bin."

Einst war Nagbe Anfang 2013 nach Schweden eingeladen worden, um beim Drittligisten Umeå FC zu spielen. Er konnte sich aber bei dem Verein nicht durchsetzen und spielte anschließend bei mehreren drittklassigen Clubs. "Ich wollte eigentlich in höheren Ligen Fußball spielen und mein Leben als Schwuler in einer freien Gesellschaft leben. Aber jetzt habe ich keine Träume mehr", so Nagbe.

In Schweden sorgte auch für Unverständnis, dass Nagbe vor zwei Wochen während des CSDs in Stockholm verhaftet wurde, den er mit seinem Freund besucht hatte – die Polizei ließ sich bei einer Routinekontrolle seine Papiere zeigen. Er spielte zu dieser Zeit beim Drittligisten Södertälje FK. Metin Rhawi, der Chef des Vereins, übte laut der Lokalzeitung LT scharfe Kritik an der Festnahme. Der Verein sei darüber nicht informiert worden und er konnte erst nach Nachforschungen herausfinden, warum Nagbe nicht zum Training gekommen sei. Rhawi bezeichnete die geplante Abschiebung als "herzlos". (dk)

-w-

#1 FelixAnonym
  • 17.08.2016, 15:28h
  • Skandalös, dass Schweden jetzt genauso bigott wie Deutschland wird.

    Wenn in seiner Heimat auf Homosexualität Gefängnisstrafe steht, ist das ja wohl Grund genug, ihm Asyl zu gewähren.

    Schweden argumentiert in dieser Frage genauso menschenverachtend und zynisch wie Deutschland.

    Schlimm, dass der Rechtsruck jetzt auch ehemals liberale Staaten trifft.
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#2 Jadughar
  • 17.08.2016, 16:07hHamburg
  • Antwort auf #1 von Felix
  • Als ich diesen Artikel gelesen hatte, wurde ich den Eindruck nicht los, daß es auch in Schweden wie auch in Deutschland immer noch Menschen gibt, die die Homosexuellen (nur Schwule) lieber hinter Gittern sehen möchten. Genau das war der Grund, ihn auf einen CSD zu verhaften, weil er Nichtschwede und schwul ist.
    Solche Menschen nutzen jede Gelegenheit aus, Schwule zu drangsalieren.
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#3 GeorgG
  • 17.08.2016, 16:53hBerlin
  • Antwort auf #1 von Felix
  • "Wenn in seiner Heimat auf Homosexualität Gefängnisstrafe steht, ist das ja wohl Grund genug, ihm Asyl zu gewähren."

    Sollen jetzt alle Schwule aus allen Staaten der Welt, in denen Homosexualität noch verboten ist, nach Schweden und Deutschland einreisen dürfen?
    Das wäre dann ungefähr 75 Staaten.
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