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Präexpositions-Prophylaxe
Pille zum Schutz vor HIV in Europa zugelassen

Truvada darf in der EU als Präexpositions-Prophylaxe vertrieben werden
- 23. August 2016, 08:24h 2 Min.
Vier Jahre nach den USA lässt auch die Europäische Union ein Medikament zu, das HIV-Negative vor einer HIV-Infektion schützt.
Die Europäischen Kommission hat die Einführung von Truvada als vorbeugendes HIV-Medikament (Präexpositions-Prophylaxe oder PrEP) zugelassen. Das gab die Pharmafirma Gilead Sciences am Montag bekannt. Vor einem Monat hatte bereits die Europäische Arzneimittel-Agentur eine offizielle Empfehlung für die Zulassung ausgesprochen. Truvada kann damit in allen 28 Mitgliedstaaten vermarktet werden.
Das Medikament, das die Wirkstoffe Tenofovir und Emtricitabin enthält, wird in Europa bereits seit 2005 bei HIV-Positiven eingesetzt, um die Ausbreitung des Virus im Körper zu hemmen. Außerdem kann Truvada bei HIV-Negativen als Post-Expositionsprophylaxe in Kombination mit einem anderen Medikament angewendet werden, wenn es binnen 24 Stunden nach einem Risikokontakt eingenommen wird.
Die Zulassung erlaubt es nun, das Medikament an HIV-Negative abzugeben, um sich vor einer möglichen zukünftigen Infektion mit HIV zu schützen. Die Wirkstoffe ermöglichen aktuellen Studien zufolge bei täglicher Einnahme, das Ansteckungsrisiko praktisch auf Null zu senken. In den USA ist die Pille bereits seit 2012 zu diesem Zweck zugelassen – und gilt dort als Erfolgsgeschichte. Die amerikanische Gesundheitsbehörde CDC hat im vergangenen Jahr empfohlen, dass Menschen mit besonders hohem Risiko das Medikament einnehmen sollten – darunter laut CDC rund ein Viertel der sexuell aktiven Schwulen und bisexuellen Männer, die HIV-negativ sind (queer.de berichtete).
Vergangenes Jahr haben unter anderem auch Kenia und Südafrika Truvada als PrEP eingeführt. Zudem hat Frankreich vor wenigen Monaten eine "temporäre Gebrauchsempfehlung" für Truvada zum Schutz vor einer sexuellen Ansteckung mit HIV gegeben.
Frage der Finanzierung
Die Deutsche Aids-Hilfe begrüßte die Zulassung durch die Kommission. "Jetzt geht es darum zu klären, wie die PrEP finanziert werden kann", meinte DAH-Geschäftsführerin Silke Klumb. "Wir müssen sie den Menschen zugänglich machen, die sie brauchen, um sich vor HIV zu schützen. Wir fordern den Hersteller Gilead auf, dazu mit einer Preissenkung beizutragen." Derzeit kostet eine Monatsration von 30 Tabletten in Deutschland mehr als 800 Euro.
Die Finanzierung hatte bereits in England einen Streit ausgelöst, weil der chronisch unterfinanzierte staatliche Gesundheitsdienst damit drohte, bei einer PrEP-Zulassung andere Medikamente oder Behandlungen nicht mehr zu bezahlen; dazu gehörten Medikamente für Kinder mit Mukoviszidose oder die Behandlung seltener Arten von Krebs (queer.de berichtete). Die Drohung des Gesundheitsdienstes führte in Boulevardmedien zu einer Kampagne gegen PrEP. Die konservative "Daily Mail" nannte die Pille etwa ein "Lifestyle-Medikament" oder eine "Pille für häufigen Partnerwechsel". Aids-Aktivisten erklärten, die Rhetorik erinnere sie an die dunklen Zeiten der Achtzigerjahre. (dk)














