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Für Autopflege ist traditionell der Mann verantwortlich (Bild: flickr / S B / by 2.0)

  • 23. August 2016, 10:36h 13 2 Min.

Wir teilen unsere private Welt nach Geschlechterklischees ein: Männer reparieren das Auto, Frauen stehen am Herd. Diese starre Einteilung wird überraschenderweise auch von Homo-Paaren erwartet.

Die traditionelle Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau ist laut einer amerikanischen Studie nach wie vor weit verbreitet – und auch gleichgeschlechtliche Paare müssen sich diesem Schema nach Ansicht der Bevölkerungsmehrheit unterwerfen. Der "maskulinere" Partner oder die "maskulinere Partnerin" in einer Homo-Beziehung soll demnach traditionell männliche Aufgaben übernehmen. Der "femininere" Partner oder die "femininere" Partnerin soll dagegen erledigen, was Hausfrauen gewöhnlich tun.

Das ist das Ergebnis einer Studie mit dem Titel "Making Money, Doing Gender, or Being Essentialist?" von Chefautorin Natasha Quadlin, einer Soziologiedoktorandin der Indiana-Universität. Sie stellte ihre Arbeit am Wochenende beim 111. Treffen der American Sociological Association in Seattle vor.

Quadlin hatte für ihre Untersuchung eine repräsentative Umfrage von mehr als 1.000 erwachsenen Amerikanern aus dem Jahr 2015 ausgewertet. Jeder Befragte erhielt damals durch Zufall die Beschreibung eines heterosexuellen oder gleichgeschlechtlichen Paares mit Informationen wie Einkommen, Hobbys oder Interessen. Danach sollten die Teilnehmer aufteilen, wer welche Aufgaben im Haushalt übernehmen sollte.

Bei Heterosexuellen war die Einteilung klar: Das Geschlecht bestimmte, wer was tun sollte. So glaubten rund 90 Prozent, dass der Mann für die Instandhaltung des Familienautos verantwortlich sei; drei Viertel sagten, dass die Frau die Wäsche waschen, das Haus säubern oder kochen solle.

"Femininer" Partner soll shoppen und sich um Kinder kümmern

Diese Einteilung wurde auch von gleichgeschlechtlichen Paaren erwartet: So soll der Partner, der femininer wirkt, nach Ansicht von 66 Prozent der Befragten für den Lebensmitteleinkauf verantwortlich sein. 61 Prozent erklärten, der "femininere" Partner solle kochen, während 67 Prozent dem "maskulineren" Partner die Autowartung anvertrauen würden. Fast zwei Drittel erwarteten auch, dass sich der "femininere" Partner in Regenbogenfamilien um die Kinder kümmert.

Quadlin nannte es "überraschend", dass die Geschlechterklischees einfach auf gleichgeschlechtliche Paare übertragen wurden. "Die Befragen haben die heterosexuelle Norm genommen, in der verschiedene Aufgaben von Männern und Frauen erwartet werden, und haben so die Aufgaben bei gleichgeschlechtlichen Paaren verteilt."

Diese "gegenderten Einstellungen" könnten einer vollständigen Gleichstellung zwischen Mann und Frau im Wege stehen, so die Befürchtung von Quadlin. "Selbst wenn die Frau ein höheres Einkommen als der Mann nach Hause bringt, wird von ihr erwartet, dass sie zu Hause eine zweite Schicht einlegt und sich um Haushalt und Kinder kümmert", erklärte die Soziologin. (dk)

#1 FinalmSposatoEhemaliges Profil
  • 23.08.2016, 13:43h

  • "Selbst wenn die Frau ein höheres Einkommen als der Mann nach Hause bringt, wird von ihr erwartet, dass sie zu Hause eine zweite Schicht einlegt und sich um Haushalt und Kinder kümmert"

    Ich weiss nicht genau wie das in Deutschland ist, doch hierzulande sind die Löhne der Unter- und Mittelschicht heute leider meist derart niedrig und die Kosten derart hoch, dass zwei welche sich zusammen tun, egal ob hetero oder gay, beide arbeiten MÜSSEN, vor allem dann natürlich wenn sie auch noch für Kinder die Verantwortung tragen.

    Meist leistet man sich dann eine billige Putzkraft ein paar Stunden die Woche, damit man wenigstens noch ein klein wenig Zeit miteinander verbringen kann.

    Denn Waschen, bügeln, putzen und den Müll raustragen ist für die meisten wohl kaum eine Lieblingsbeschäftigung. Auch wieder egal ob homoheterobi, Mann, Frau oder Transident.
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#2 FinnAnonym
  • 23.08.2016, 14:44h
  • Das äußert sich ja auch in dieser unsäglichen Frage, die man immer mal wieder von Heteros hört:
    Wer bei Euch ist denn der Mann und wer ist die Frau?

    Ich sage dann immer: "Wir sind beide Männer und stehen beide auf Männer. Also gibt es bei uns keine Frau und auch keinen, der eine Frau imitieren will oder soll."

    Das ist diese typische Heteronormativität:
    wenn schon zwei Männer zusammenleben, dann muss es da gefälligst auch die üblichen heterosexuellen Rollenverteilungen geben. Das ist aber Blödsinn und ich kenne kein einziges schwules Paar, dass sich so empfindet.
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#3 FinalmSposatoEhemaliges Profil
  • 23.08.2016, 15:20h
  • Antwort auf #2 von Finn

  • Ich erinnere mich gerade an unsere erste gemeinsame Wohnung. Eine neugierige ältere Dame fragte mich im Treppenhaus kurz nach Einzug allen ernstes, wer von uns beiden der Müll rausträgt. Meine Antwort: Die Putzfrau!

    Die eigentliche Frage dahinter ist klar und wird sie wohl bis an ihr Lebensende beschäftigt haben.

    Ich verstehe bloss nicht, warum Leute glauben können, dass derjenige der fickt nicht auch putzen kann und der Gefickte nicht auch den Müll rausträgt.

    Nur soviel sei verraten: Bei uns trägt wirklich die Putzfrau den Müll raus. Wenn die mal krank ist, kriegt derjenige der ihn rausträgt vom andern jeweils eine Belohnung.
    Wir sind schliesslich lieb miteinander.
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