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Persönlichkeitsrechte
WikiLeaks outet Schwulen in Saudi-Arabien

WikiLeaks will nach eigenen Angaben denen zur Seite stehen, "die unethisches Verhalten in ihren eigenen Regierungen und Unternehmen enthüllen wollen" (Bild: Wiki Commons / pameladrew212/ CC-BY-SA-3.0)
- 24. August 2016, 04:33h 2 Min.
Die Whistleblower-Plattform steht erneut wegen schwerer Datenschutzverletzungen in der Kritik.
Die amerikanische Nachrichtenagentur AP hat am Dienstag über eklatante Datenschutzverletzungen auf der Whistleblower-Plattform WikiLeaks berichtet. So seien dort bereits im Juni 2015 Depeschen zwischen dem saudischen Außenministerium und saudischen Botschaften weltweit mit ungeschwärzten persönlichen Daten veröffentlicht worden.
In den sogenannten "Saudi Cables" wurde laut AP auch der volle Name eines saudischen Bürgers genannt, der wegen Homosexualität festgenommen worden war – auf gleichgeschlechtlichen Sex steht in Saudi-Arabien die Todesstrafe. Darüber hinaus entdeckte die Nachrichtenagentur in dem bislang im Westen kaum beachten Leak "mindestens 124 medizinische Akten", "500 Pässe" sowie mehrere Justizakten, in denen Vergewaltigungsopfer mit vollem Namen aufgeführt worden seien. Auch eine Frau mit Schulden sei auf diese Weise geoutet worden, die gegenüber AP von einer "Katastrophe" sprach.
Assange: Keine Zeit für Datenschutz
WikiLeaks hat sich zu den neuen Vorwürfen bislang nicht geäußert. Ihr Gründer Julian Assange hatte noch im Jahr 2010 erklärt, dass medizinische Daten ein "schützenswertes Geheimnis" seien. Bei einer Videokonferenz meinte er jedoch kürzlich: "Wir können nicht drei Jahre lang alle Unterlagen durchgehen und Zeile für Zeile schwärzen."
Wegen vermeintlicher Outings stand WikiLeaks bereits mehrfach in der Kritik. So veröffentlichte die Plattform 2010 offizielle Papiere des US-Außenministeriums, nach denen Singapurs Geheimdienst den malaysischen Oppositionsführer Anwar Ibrahim für schwul hält (queer.de berichtete). 2011 wurde ein interner Bericht des damaligen libyschen US-Botschafters öffentlich, der Al-Saadi Gaddafi, den Sohn des im selben Jahr getöteten Revolutionsführers Muammar al-Gaddafi als bisexuellen Lebemann outete (queer.de berichtete). (cw)












