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"Wir schaffen das" – NICHT

Bundeskanzler Jens Spahn?

  • 30. August 2016, 10:09h 37 2 Min.



Im "Observer", der beliebten Sonntagszeitung des "Guardian", wird der schwule Politiker Jens Spahn zum Kanzlerkandidaten ausgerufen.

"Jens Spahn: Der Mann, der Merkel als Kanzler ersetzen könnte" – so titelte am Sonntag der "Oberserver" in einem ausführlichen Artikel. Darin heißt es über den CDU-Politiker aus NRW:

Den ganzen Sommer über wurde der Ton in der politischen Debatte Deutschlands nicht durch Merkels optimistisches "Wir schaffen das" gesetzt, sondern durch einen Politiker, der sich als "burkaphob" bezeichnet, der muslimische Männer aufruft, sich weniger zu zieren und nackt in öffentlichen Fitnessclubs zu duschen, und der das Krisenmanagement der Anführerin indirekt kritisiert. […] Mit 36 und als Schwuler scheint Spahn nicht der nächstliegende Kandidat zu sein, der eine konservative Rebellion unter Merkels Christdemokraten startet. […] Aber er lehnt die Idee ab, dass seine Art zu leben seiner Politik widerspricht.



Während manche Kommentatoren, etwa in der "taz", die "Observer"-Geschichte als Witz verstehen, nehmen andere die Idee durchaus ernst, auch wenn es bis zum Chefposten wohl noch einige Jahre dauern könnte. Tatsächlich hat der Politologe einen schnellen Aufstieg geschafft: Als 22-Jähriger zog er 2002 in den Bundestag ein und profilierte sich als Gesundheitspolitiker. 2014 wurde er Mitglied im mächtigen CDU-Präsidium, ein Jahr später erhielt er einen Posten als Staatssekretär im Finanzministerium.

In den letzten Jahren profilierte sich Spahn im Zeichen des AfD-Aufstiegs äußerst berechnend. So verdächtigte er pauschal deutsche Muslime, Böses im Schilde zu führen. 2014 sagte er etwa: "Wer den Koran wortwörtlich auslegt und beispielsweise die Gleichberechtigung der Frau nicht anerkennt, gehört eher nicht zu Deutschland." Dass Gleichbehandlung auch anderswo mit Füßen getreten wird – etwa wenn ein katholischer Kindergarten eine lesbische Putzfrau wegen ihrer sexuellen Orientierung feuert – regt den Katholiken in seinen öffentlichen Äußerungen nicht auf; zumindest tingelt er mit diesem Thema nicht durch Talkshows. Mit dieser Linie wurde Spahn zum Darling der Parteirechten, die sich von Merkel entfremdet haben.

Sein Schwulsein wird nur noch als kleines Handicap für einen konservativen Christdemokraten angesehen. Oder wie es die deutsche Wirtschaftszeitung "Handelsblatt" ausdrückt:

Für ihn spricht aus der Sicht vieler CDUler, dass er – obgleich offen schwul – konservativere Positionen vertritt als die Kanzlerin.

Bleibt zu hoffen, dass sich Spahn bei seinen etwaigen weiteren Aufstieg ein wenig mehr mit LGBT-Politik auseinandersetzt, auch wenn ihm das seine konservativen Freunde übel nehmen. So gehörte er zwar 2013 zu den "Wilden 13", betonte jedoch mehrfach, keine "schwule Klientelpolitik" machen zu wollen – und forderte sogar "Toleranz und Respekt" für Parteifreunde, die am Eheverbot für Schwule und Lesben festhalten wollen. (dk)

Bild: Deutscher Bundestag / Achim Melde

-w-

#1 TamakAnonym
  • 30.08.2016, 12:51h

  • "So verdächtigte er pauschal deutsche Muslime, Böses im Schilde zu führen. 2014 sagte er etwa: 'Wer den Koran wortwörtlich auslegt und beispielsweise die Gleichberechtigung der Frau nicht anerkennt, gehört eher nicht zu Deutschland'"

    Kann darin keine Pauschalisierung gegenüber Muslimen erkennen, die meisten legen (gottseidank) den Koran eben NICHT wörtlich aus. Genauso wie die meisten Christen die Bibel nicht wörtlich nehmen. Ansonsten ist der Satz inhaltlich korrekt. Wer die wortwörtliche Auslegung seiner Religion über Frauenrechte stellt gehört meiner Meinung nach wirklich nicht (im positiven Sinne) zu Deutschland.
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#2 PeerAnonym
  • 30.08.2016, 13:09h
  • Antwort auf #1 von Tamak
  • Das sehe ich zwar ähnlich, aber dann sollte er das bei seiner Religion genauso sehen und z.B. die Kündigung einer lesbischen Putzfrau in einem katholischen Kindergarten genauso kritisieren. Oder auch die Kündigung des Chefarztes aus dem Düsseldorfer Krankenhaus, der sich hat scheiden lassen, um eine neue Frau zu heiraten.

    Alles Fälle von Einrichtungen, die im Prinzip der Steuerzahler zahlt und wo die Kirche nur ihren Namen gibt (was eh schon skandalös ist) und wo sie dann meint, nach ihrem Gusto Menschen entlassen zu können, die sich nicht vollständig ihrer hasserfüllten Ideologie unterwerfen.

    Genau sowas muss Jens Spahn dann genauso kritisieren und sagen, dass diese Leute ebenfalls nicht zu Deutschland gehören.

    Und genauso darf er auch nicht homophobe Parteifreunde in Schutz nehmen und Toleranz mit Intoleranten fordern, wenn er ernstgenommen werden will.

    Im übrigen ist Homopolitik keine Klientelpolitik, die er ja nicht machen will. Jeder Mensch ist Angehöriger irgendeiner Minderheit, vom Millionär bis zum Arbeitslosen, vom Gewerkschafter bis zum Parteimitglied. Jede Politik ist also letztlich Klientelpolitik.

    Aber stattdessen sollte man das so sehen, dass man Politik für Menschen macht.

    Und wer Politik für LGBT macht, macht letztlich Politik für alle Menschen, denn wer die Freiheit und Gleichheit von LGBT verteidigt, verteidigt damit auch die Freiheit und Gleichheit von allen anderen Menschen.
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#3 PatroklosEhemaliges Profil
  • 30.08.2016, 13:30h
  • Jens Spahn als ersten schwulen Bundeskanzler - es hätte was, ist aber schwer bis gar nicht vorstellbar. Er wäre aber der erste gut aussehende Amtsträger und würde Volker Beck in der Position verhindern! Ich denke aber, Mutti tritt noch einmal an!
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