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Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus
Rosa Elefantenzirkus

Gruppenfoto der sieben "rosa Elefanten" (v.l.n.r.): Stefan Evers (CDU), Sebastian Ahlefeld (FDP), Frank-Christian Hansel (AfD), Martin Haase (Piraten), Anja Kofbinger (Grüne), Klaus Lederer (Linke), Jan Stöß (SPD) (Bild: Johannes Kram)
- 31. August 2016, 07:44h 3 Min.
Das Magazin "Männer" lud am Dienstagabend zum Parteientalk zur Berliner Abgeordnetenhauswahl – mit dabei ein AfD-Hansel, für den LGBTI-Rechte "Luxusprobleme" sind.
Von Micha Schulze
Eigentlich hatten die Kollegen des Magazins "Männer" eine gute Idee. Knapp drei Wochen vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus luden sie am Dienstagabend zur "Rosa Elefantenrunde" ins BKA-Theater, um über die hauptstädtische Queer-Politik für die kommenden fünf Jahre zu diskutieren. Doch sie machten leider einen großen Fehler und luden auch die AfD ein. Immerhin: Wer noch immer glaubt, man müsse den Rechtspopulisten zur "Entzauberung" ein Podium bieten, wurde so eines Besseren belehrt.
Die "Rosa Elefantenrunde" geriet zu einer Art Zirkusveranstaltung, bei der der Clown Frank-Christian Hansel von der AfD mit seinen ständigen Provokationen und dem Wettern gegen die "Massenmigration" viel zu viel Aufmerksamkeit bekam. Dabei seien LGBTI-Rechte, wie der Vorzeigeschwule der Rechtsaußenpartei selbst auf der Bühne verkündete, doch nur "Luxusprobleme". Seine Funktion erfüllte Hansel jedoch perfekt: Das Lachen im Publikum war groß, als er meinte, dass niemand in der AfD homophob sei.
Das "mutige" SPD-Plakat mit Nina Queer
Leider hatten auch die anderen Parteien nicht immer die besten Akrobaten in die Manege geschickt. Martin Haase von den Piraten wollte nicht einmal durch die wenigen Reifen springen, die ihm Moderator und "Männer"-Chefredakteur Kriss Rudolph hinhielt, während FDP-Vertreter Sebastian Ahlefeld die Platitüden-Kanone gab. Auch Berlins "Große" Koalition, vertreten durch den ehemaligen SPD-Landesvorsitzenden Jan Stöß und den CDU-Abgeordneten Stefan Evers, präsentierte sich so schlecht wie sie regiert. In Erinnerung bleiben vor allem zwei Aussagen: Stöß wollte seine Partei als "mutig" verkaufen, weil sie doch mit Nina Queer eine Dragqueen auf einem Wahlplakat zeige, während Evers das Eheverbot für Lesben und Schwule als einen "Namensstreit" herunterspielte. Und das vor einem queeren Publikum.
Wirklich im Thema und eine Bereicherung der Runde waren nur zwei der geladenen "Elefanten": der Spitzenkandidat der Linken Klaus Lederer und die Grünen-Abgeordnete Anja Kofbinger. Während Lederer die Politik des rot-schwarzen Senats brillant auseinandernahm und sich dabei teilweise in Rage redete, versuchte es Anja Kofbinger immer wieder mit Humor. Der Grünen-Politikerin war anzusehen, wie absurd sie diese Runde im BKA-Theater fand. Aber sie machte auch ein historisches Versprechen: Sollten die Grünen im Bund die Forderung nach der Ehe für alle in Koalitionsverhandlungen mit der Union fallen lassen, werde sie die Partei verlassen.
Wahlclaim-Raten und Jokes statt inhaltliche Tiefe
Dass der Erkenntnisgewinn des Abends darüber hinaus nicht sehr hoch war, lag auch am überforderten Dompteur Kriss Rudolph, der seine Energie vor allem darin stecken musste, den AfD-Clown zu bändigen. Die Elefantenrunde begann er mit einem fröhlichen Wahlclaim-Raten, immer wieder vermischte er Bundes- und Landesthemen und setzte auf Jokes statt inhaltliche Tiefe.
Was machen die Parteien denn nun konkret gegen homo- und transphobe Gewalt in Berlin? Wie soll es nun genau und mit welchem Budget weitergehen mit der Initiative sexuelle Viefalt? Antworten gab die "Rosa Elefantenrunde" nicht. Nicht einmal die ausführlichen Wahlprüfsteine des LSVD Berlin-Brandenburg, bei denen die Grünen bei der Forderung nach einer Krisenwohnung für von Zwangheirat bedrohte schwule Männer durchgefallen waren, griff Moderator Rudolph auf.
In ihrer Antwort an den LSVD hatte die AfD schon vor mehreren Wochen Antidiskriminierungsarbeit als "frühsexuelle Aufklärung im Sinne der Gender-Ideologie" diffamiert und im Zusammenhang mit Regenbogenfamilien von einer "theoretisch ausgeschlossenen Nachwuchsproduktion" gesprochen. Wer solche Leute zu einer Debatte über LGBTI-Politik einlädt, hätte eigentlich von vornherein wissen müssen, dass er damit eine echte und weiterführende Diskussion verhindert.
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Links zum Thema:
» Live-Blog des Nollendorfblogs von der "Rosa Elefantenrunde"
Mehr zum Thema:
» Berlin: Nur die Linke erfüllt alle Wahlprüfsteine des LSVD (16.07.2016)













Leider auch der Schlusssatz:
"Wer solche Leute zu einer Debatte über LGBTI-Politik einlädt, hätte eigentlich von vornherein wissen müssen, dass er damit eine echte und weiterführende Diskussion verhindert."
Ihr habt Recht, ich sehe das auch so:
"Wer noch immer glaubt, man müsse den Rechtspopulisten zur "Entzauberung" ein Podium bieten, wurde so eines Besseren belehrt."