https://queer.de/?26972
Hassprediger Anjem Choudary
London: Homophober Islamist zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt

Hass-Prediger Anjem Choudary muss die nächsten Jahre hinter schwedischen Gardinen verbringen (Bild: flickr / Day Donaldson / by 2.0)
- 6. September 2016, 13:21h 2 Min.
Ein Hassprediger, der die Tötung von Homosexuellen fordert, muss wegen Aufrufen zur Unterstützung des "Islamischen Staates" hinter Gitter.
Der britische Islamisten-Prediger Anjem Choudary muss nach der am Dienstag bekannt gegebenen Entscheidung eines Londoner Gerichts für fünfeinhalb Jahre ins Gefängnis, weil er unter anderem auf sozialen Medien dazu aufgerufen hatte, die Terrormiliz IS zu unterstützen. Der 49-Jährige aus dem Osten Londons, der als Sprecher der inzwischen verbotenen Organisation "Islam4UK" in die Schlagzeilen geraten war, wurde bereits im Juli gemeinsam mit einem anderen Hassprediger, dem 33-jährigen Mohammed Mizanur Rahman, schuldig gesprochen. Rahman erhielt das selbe Strafmaß. Beiden hatte bis zu zehn Jahre Haft gedroht.
Bereits 2009 sorgte Großbritanniens bekanntester Islamist für Empörung, als er in einer Pressekonferenz die Steinigung von Homosexuellen forderte (queer.de berichtete). "Es kann passieren, dass ein Mann einen anderen Mann mag", so Choudary damals. "Aber wenn man seiner Lust nachgibt und das bewiesen ist, dann ist eine Strafe unerlässlich. Man steinigt aber nur, wenn es vier Augenzeugen sind." Auf weitere Nachfragen von Journalisten erklärte der Prediger weiter: "Es gibt Leute, die sich zu Eseln hingezogen fühlen, aber das heißt nicht, dass das richtig ist." Von diesen Äußerungen hat er sich bis heute nicht distanziert. Im vergangenen Jahr wiederholte er sogar seine Ansicht im US-Sender "Fox News Channel".
Choudary stachelte Islamisten zu Gewalt auf
Britische Sicherheitsbehörden sind überzeugt, dass Choudary in den letzten Jahren eine führende Rolle bei der Radikalisierung junge Muslime auf den britischen Inseln gespielt hat. Choudary soll unter anderem die Männer beeinflusst haben, die im Mai 2013 den britischen Soldaten Lee Rigby in London am helllichten Tage mit einem Messer und einem Fleischerbeil ermordet hatten.
Richter Timothy Holroyde bezeichnete den Angeklagten nach Angaben der BBC als berechnend und gefährlich. Bei der Urteilsverkündung sagte Holroyde, dass Choudary und sein Mitangeklagter "die Grenze zwischen legitimer Meinungsäußerung und einer kriminellen Tat überschritten" hätten. "Ein großer Teil derjenigen, die Ihnen zugehört haben, waren leicht zu beeinflussende Personen, die zu Ihnen aufgeschaut haben", so der Richter zu Choudary. Der Prediger habe aber "keinen einzigen Aspekt" des IS kritisiert. "So haben Sie indirekt zum gewalttätigen Terrorismus angestachelt." (dk)















Was würde wohl passieren, wenn eine revolutionäre politische Aktivistengruppe dazu aufrufen würde, Priester, Imame und Prediger zu töten? Sie wären sofort als terroristische Vereinigung eingestuft. Für Hassprediger wie Choudary muss es aber schon mindestens die Verbindung zum IS sein, damit die Gerichte überhaupt tätig werden. Denn würde man den Aufruf zur Gewalt gegen LGBT ahnden, dann könnte man Choudary und Huonder nicht mit zweierlei Maß messen. Und auch für den Vergleich mit den Eseln findet Choundary unter christianistischen Demagogen genug Brüder im Ungeiste, auf die er sich berufen kann.