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Benedikt führte die katholische Kirche zwischen 2005 und 2013 an (Bild: flickr / Johannes Schlund / by 2.0)
- 8. September 2016, 10:11h 2 Min.
In einem neuen Buch lobt sich Benedikt dafür, dass er als Papst schwule Seilschaften in der Kirche zerschlagen habe.
Papst Benedikt XVI. erklärt in einem neuen Interviewbuch, das am Freitag in mehreren Ländern erscheinen soll, dass er als Pontifex Sieger im Kampf gegen eine ominöse "Gay Lobby" innerhalb der katholischen Kirche gewesen sei. Laut der "Süddeutschen Zeitung" beschreibt der 89-Jährige in "Benedikt XVI. Letzte Gespräche" des deutschen Journalisten Peter Seewald, wie er eine Schwulen-Seilschaft zerschlagen habe."Ob sich wieder was bildet, weiß ich nicht", so Benedikt XVI. laut Manuskript.
Bereits vor zwei Monaten hatte die italienische Tageszeitung "Corriere della Sera" berichtet, dass Benedikt, der mit bürgerlichem Namen Josef Ratzinger heißt, ausführlich zur "Gay Lobby" Stellung beziehe würde (queer.de berichtete) Demnach beschreibe er das Netzwerk als eine "Gruppe von vier bis fünf hochgestellten Persönlichkeiten", die versucht hätten, auf wichtige Entscheidungen der Kirche Einfluss zu nehmen. Bislang hatte die Kirche die Existenz eines solchen Netzwerks nie bestätigt.
Wegen "Gay Lobby" zurückgetreten?

Das Buch erscheint am Freitag auf Deutsch und in mehreren anderen Sprachen
Vor drei Jahren hatte es bereits Gerüchte gegeben, dass Benedikt wegen dieser "Gay Lobby" zurückgetreten sei. Demnach soll im Vatikan die Angst umgegangen sein, dass die Beziehungen "weltlicher Natur" an die Öffentlichkeit gelangten (queer.de berichtete).
In dem neuen Buch präsentiert sich Benedikt laut "Süddeutsche" als Papst, der versucht habe, den "Schmutz" in der Kirche zu beseitigen – darunter verstehe er unter anderem pädophile Priester, intransparente Finanzen und Korruption. "Ich wollte natürlich mehr tun, als ich konnte", so Benedikt. Die deutsche Kirche kritisiert der frühere Erzbischof von München und Freising scharf. Er beklagt einen "etablierten und hochbezahlten Katholizismus" samt "Überhang an ungeistlicher Bürokratie". Außerdem bemängelt er eine "Theoretisierung des Glaubens" und einen "Mangel an einer lebendigen Dynamik".
Während seiner Amtszeit hatte Benedikt immer wieder vor eine Ausweitung von LGBTI-Rechten gewarnt. So behauptete er 2012, die Anerkennung von gleichgeschlchtlichen Partnerschaften sei eine "Manipulation der Natur" und führe zum Verlust der "Würde des Menschen" (queer.de berichtete). Er konnte jedoch nicht verhindern, dass selbst katholische Länder wie Frankreich, Portugal oder Argentinien Homo-Paare im Ehe-Recht gleichstellten. (cw)














