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Drag-Drama "Viva" in der "Queerfilmnacht"
Jung und queer in Havanna

Der Friseur und Gelegenheits-Sexarbeiter Jesús träumt von einem Leben als Travestiedarsteller in Havanna (Bild: Edition Salzgeber)
- 14. September 2016, 03:12h 3 Min.
In Paddy Breathnachs Film "Viva" kämpft der junge Friseur Jesús mit Playback und Perücke gegen seinen entfremdeten Vater und andere Machos.
Von Carsten Moll
Jesús arbeitet hart, um in Havanna überleben zu können. Der junge Friseur schneidet den alten Damen aus der Nachbarschaft die Haare, kümmert sich in einem Travestie-Club um die Pflege der Perücken und prostituiert sich auch schon einmal, wenn das Geld knapp wird. Dass seine Mitbewohnerin und angebliche Freundin Cecilia wenig zum Haushalt beisteuert, nimmt Jesús dabei ebenso hin wie die magere Bezahlung durch seine Kundinnen.
Der schwule Kubaner, dessen Mutter verstorben ist und dessen Vater die Familie verlassen hat, als Jesús kaum drei Jahre alt war, hat früh gelernt, für sich selbst zu sorgen und sein Glück nicht von anderen Menschen abhängig zu machen. Doch als sich eines Tages die Chance ergibt, selber in Drag auf die Bühne zu treten, wandelt sich Jesús' Leben auf dramatische Weise.
Almodóvar meets "Billy Elliot"

Der irische Regisseur Paddy Breathnach hat seinen Film komplett auf Kuba gedreht
Ausgerechnet bei einer seiner ersten Performances trifft der junge Mann auf seinen Vater Ángel – der den Sohn in Frauenkleidern erkennt und im Suff niederschlägt.
Doch schon bald teilen sich der alkoholkranke Macho Ángel und sein femininer Sohn eine kleine Wohnung und geraten immer wieder auf schmerzvolle Weise aneinander. Während Jesús selbstbewusst für seinen Traum als Travestie-Darsteller kämpft, muss er gleichzeitig lernen, dass sein Vater mehr für ihn ist als bloß ein verhasster Widersacher.
"Viva", eine in der Drag-Szene Havannas angesiedelte Geschichte um eine schwierige Vater-Sohn-Beziehung, wirkt ein bisschen, als hätte ein kubanischer Almodóvar-Fan "Billy Elliot" neu verfilmt. Starke queere Figuren sowie pointierte Dialoge treffen hier auf ein realistisch geschildertes Milieu und mitreißende Dramatik.
Da verwundert es doch ein wenig, dass "Viva" eine irische Produktion ist, inszeniert von Paddy Breathnach, der bisher vor allem mittelmäßige Horrorfilme wie "Shrooms – Im Rausch des Todes" gedreht hat.
Starke Darsteller und bewegende Lieder

Poster zum Film: "Viva" läuft im September in der "Queerfilmnacht" der Edition Salzgeber
Von Grusel und Mittelmaß ist im neuesten Streich des Regisseurs nun allerdings weit entfernt und das, obwohl die Story von "Viva" alles andere als originell ist und besonders zu Beginn mit vielen Klischees arbeitet. Doch schnell findet das Drama unter Breathnachs dynamischer Regie seinen ganz eigenen Rhythmus und begeistert dank faszinierender Aufnahmen von Kuba sowie starker darstellerischer Leistungen.
In der Hauptrolle brilliert Héctor Medina, während der aus "Erdbeer und Schokolade" bekannte Jorge Perrugoría es versteht, den komplexen Charakter des innerlich zerrissenen Ángels offenzulegen. Begleitet werden die beiden von einer ganzen Reihe von Nebendarstellern, die die Welt von "Viva" zu einem lebendigen Mikrokosmos werden lassen.
Das Herzstück des Films bilden dabei jedoch eindeutig die gelungenen Drag-Performances, die meist von alten kubanischen Liedern aus den Fünfziger- und Sechzigerjahren untermalt werden. Mit Playback und Perücke singen die Tunten und Transfrauen da gegen den kubanischen Machismo an und teilen so zugleich auf bewegende Weise ihren Schmerz sowie ihre Sehnsüchte mit dem Publikum.
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Viva. Drama. Irland 2015. Regie. Paddy Breathnach. Darsteller: Héctor Medina, Jorge Perugorría, Luis Alberto García, Laura Alemán, Luis Manuel Álvarez. Laufzeit: 100 Minuten. Sprache: spanische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. Verleih: Edition Salzgeber. Deutscher Kinostart: 15. September 2016
Links zum Thema:
» Mehr Infos zum Film auf der Homepage der "Queerfilmnacht"
Mehr queere Kultur:
» auf sissymag.de
So, 01:55h, ZDFneo:
The Persian Version
Culture-Clash-Komödie und queeres Familiendrama: Die lesbische Leila muss ihren aus dem Iran stammenden Eltern beibringen, dass sie von einem Drag-Darsteller schwanger ist.
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Ebenso kenne ich Jugendliche aus zerrissenen Familien. Scheidung ist so einfach. Eine neue Ehe auch. Auch wunderbare Familien kenne ich. Mit zweien bin ich seit langem befreundet. In Havanna, wie in Santiago.
Einen Travestie-Kuenstler kannte ich, der zugleich der gewaehlte Volksbeauftragte seines kleinen Wohnbezirkes war. Von Allen respektiert. Einen Freund hatte ich, der am beruehmten Schwulenstrand von Havana Del Este, Mi Cayito, sein Geld zu machen suchte. Spaeter lernte ich auch seine Frau und seinen Sohn kennen, den er, als er dann 18 war, in diesen "Beruf" einfuehrte. Was ich als tragisch empfand.
Ebenso habe ich die Polizei erlebt. Ihre Belaestigung der Schwulen am Cine Yara, der Avenida 23, genannt La Rampa oder unten am Malecon. Auch brutale Uebergriffe auf Schwule seitens der Polizei habe ich mehrfach erleben "duerfen".
Um so mehr bin ich gespannt auf diesen Film und hoffe, ich bekomme ihn hier in Kanada zu sehen.