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Verbote geplant
Indonesien will Zugang zu Grindr und Co. sperren

Der homophoben Politik Indonesiens fällt jetzt auch Grindr zum Opfer
- 16. September 2016, 12:03h 2 Min.
Mehr als 80 Apps oder Webseiten mit LGBTI-Inhalten sollen künftig in dem 250 Millionen Einwohner zählenden Land nicht mehr erreichbar sein. Als Vorwand für diese Maßnahme dient der Kampf gegen Kindesmissbrauch.
Die indonesische Regierung hat angekündigt, den Zugang zu Dutzenden LGBT-Webseiten und Apps zu blockieren. Das hat Noor Iza, ein Sprecher des Kommunikationsministeriums, am Donnerstag gegenüber der Nachrichtenagentur AFP bestätigt. Er beschuldigte diese Inhalte, für "sexuelle Abartigkeit" zu werben.
Iza sagte, dass die schwulen Datingapps Grindr, Blued und BoyAhoy so schnell wie möglich im Land nicht mehr zugänglich sein sollten. Daher habe man am Dienstag alle Internet-Provider im Land aufgefordert, entsprechende Schritte einzuleiten. Es könne einige Tage dauern, bis die Sperrung in Kraft tritt.
Mehreren Berichten zufolge will das Ministerium insgesamt mehr als 80 andere Apps oder Webseiten mit LGBTI-Inhalten im Land blockieren. Dazu sollen auch Nachrichtenseiten gehören. Eine öffentliche Liste, welche Seiten betroffen sind, gibt es indes nicht.
Polizei forderte Verbot
Die Polizei hatte zuvor die Sperrung von LGBTI-Inhalten gefordert, da diese Kindesmissbrauch fördern würden. Ein Sprecher erklärte vergangene Woche, dass ein Pädophilen-Ring auf Grindr versuchen würde, Kinder und Jugendliche in die Prostitution zu zwingen.
LGBTI-Aktivisten vermuten dagegen freilich einen anderen Grund. Sie warnten bereits in den letzten Monaten davor, dass die Regierung mit einer homo- und transphoben Kampagne von anderen Problemen im Land ablenken wolle. Tatsächlich haben zuletzt Politiker mit martialischer Rhetorik gegen sexuelle Minderheiten polemisiert. So sagte Verteidigungsminister Ryamizard Ryacudu im Februar, dass die Akzeptanz von Homosexuellen schlimmer sei als ein Atomkrieg (queer.de berichtete). Die Menschenrechsorganisation Human Rights Watch warnte vergangenen Monat gar von einem "nie dagewesenen Angriff" auf LGBTI-Rechte (queer.de berichtete).
"Wenn Gay-Apps gesperrt werden, steht die Community nur noch isolierter da, weil man nicht einmal mehr Freunde in der virtuellen Welt finden kann", warnte Yuli Rusitawati, die Chefin der LGBTI-Organisation Arus Pelangi. "Es ist eigenartig, dass man Leuten verbieten will, Freunde zu finden."
In Indonesien, dem bevölkerungsreichsten Land mit einer muslimischen Mehrheit, sind homosexuelle Handlungen grundsätzlich erlaubt. Einzige Ausnahme ist derzeit die Provinz Aceh, die seit vergangenem Jahr muslimische Homosexuelle nach Scharia-Recht mit Peitschenhieben bestrafen lässt. Die Mehrheit der Bürger im Land ist äußerst LGBTI-feindlich eingestellt. Laut einer Umfrage des Pew Research Center aus dem Jahr 2013 erklärten 93 Prozent der Indonesier, dass Homosexualität bekämpft werden sollte – damit ist die Ablehnung dort noch größer als in Malaysia oder Pakistan, wo homosexuelle Handlungen unter Strafe stehen. (dk)
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