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- 21. September 2016, 14:35h 2 Min.
Eine geschmacklose Karikatur in der meistverkauften überregionalen Zeitung Australiens sorgt für scharfe Kritik.
In Australien wird weiter über die Öffnung der Ehe debattiert – und falls es zu einem Volksentscheid kommen sollte, gibt Karikaturist Bill Leak bereits einen Vorgeschmack darauf, wie schmutzig der Wahlkampf werden wird. In der in Sydney herausgegebenen Rupert-Murdoch-Zeitung "The Australian" veröffentlichte er diese Woche eine Karikatur, die offensichtlich marschierende Nazi-Soldaten darstellt, die Regenbogenuniformen tragen. Darunter prangt die Aufschrift "Waffen-SSM"; SSM steht in Australien für "Same-Sex Marriage", also die gleichgeschlechtliche Ehe.

An dem Nazi-Vergleich gab es scharfe Kritik. Eine lesenswerten Artikel lieferte etwa Ben McLeay, ein Redakteur des Senders SBS. In "Warum es nicht in Ordnung ist, Schwule mit Nazis zu vergleichen" zieht er das Fazit:
Die Geschichte wird nicht freundlich zu Bill Leak oder "The Australian" sein. In 20 bis 30 Jahren werden wir auf diese Karikaturen auf die gleiche Art zurückschauen, wie wir heute auf Leute zurückschauen, die sich über die gemischtrassige Ehe oder das Frauenwahlrecht aufgeregt haben. Es ist fast unmöglich, Bill verständlich zu machen, wie schädlich und moralisch verwerflich seine Ausbrüche sind. Aber immerhin können wir uns damit trösten, dass diese Leute einen aussichtslosen Kampf kämpfen und dass sich seine Enkelkinder einmal sehr für ihn schämen werden.
Freilich ist Leaks Karikatur keine Ausnahme: Immer wieder kommt es zu Nazivergleichen, wenn es um die Gleichbehandlung oder Antidiskriminierung von sexuellen Minderheiten geht – oft wird eine "Diktatur" einer vermeintlichen Homo-Lobby beklagt. Ein besonders krasses Beispiel lieferte 2011 das britische Boulevardblatt "Daily Mail", das ein gleichgeschlechtliches Paar mit einem Nazi-Tattoo zeigt, das in ein "christliches Hotel" einchecken will (queer.de berichtete).

Die Karikatur prangt noch heute auf der Website der "Daily Mail"
In der Karikatur wurde die Entscheidung eines Gerichts kommentiert, wonach gleichgeschlechtliche Paare beim Zugang zu Hotels nicht diskriminiert werden dürfen. (dk)














