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Homophobie am Hochrhein
Bad Säckingen: Interkulturelle Woche zensiert schwulen Film

In Palästina verfolgt, in Israel nicht willkommen: Der Spielfilm "Out in the Dark" erzählt die Geschichte des palästinensichen Studenten Nimr, der sich in Tel Aviv in den jungen Anwalt Roy verliebt (Bild: Pro-Fun Media)
- 29. September 2016, 07:14h 2 Min.
Der Film "Out in the Dark" über die Liebe zwischen einem Israeli und einem Palästinenser passe nicht zum Thema "Vielfalt statt Einfalt", entschied der multikulturelle Beirat der Stadt.
Die Flyer für die interkulturelle Woche in Bad Säckingen waren schon gedruckt – und mussten wieder eingestampft werden. Der Film "Out in the Dark" (Amazon-Affiliate-Link ) über eine schwule Liebe zwischen einem Israeli und einem Palästinenser wurde vom multikulturellen Beirat in letzter Minute aus dem Programm genommen. Vorgeschlagen hatte ihn das Jugendhaus der Stadt am Hochrhein.
Das Gremium sei sich bei der Entscheidung gegen den Film "einig gewesen", erklärte Pfarrer Winfried Oelschlegel gegenüber dem "Südkurier". Das hochgelobte und preisgekrönte Drama von Michael Meyer aus dem Jahr 2012 passe "im Grunde nicht richtig" in den Themenkreis der interkulturellen Woche, argumentierte das Beiratsmitglied, der Hauptthemenschwerpunkt unter dem Motto "Vielfalt statt Einfalt" sei Integration. "Wir haben die interkulturelle Woche nicht mit diesem zusätzlichen Thema belasten wollen", meinte Oelschlägel.
Erpressung der türkisch-islamischen Gemeinde
Nach dem Bericht der Regionalzeitung soll die türkisch-islamische Gemeinde im multikulturellen Beirat mit dem Ausstieg aus der diesjährigen interkulturellen Woche gedroht haben, falls "Out in the Dark" gezeigt werde. Dessen Vertreter Oguz Islam kritisierte gegenüber dem "Südkurier", dass der Filmvorschlag erst in der letzten Sitzung aufgetaucht sei. Weil das Thema Homosexualität für den Islam ein kritischer Punkt sei ("Das müssen wir nicht leugnen"), hätte er sich eine frühzeitige Diskussion gewünscht. Man fühle sich vom Jugendhaus überfahren.
"Grundsätzlich scheuen wir uns nicht, über das Thema Homosexualität zu sprechen", sagte Oguz Islam. Die türkisch-islamische Gemeinde habe deshalb dem Jugendhaus und der regionalen LGBTI-Gruppe Rainbow Stars den Vorschlag einer gemeinsamen öffentlichen Veranstaltung gemacht.
Den Druck der eingestampften Flyer hatte die Stadt übernommen. Nach Angaben von Bürgermeister Alexander Guhl habe der Entwurf dem multikulturellen Beirat rechtzeitig vorgelegen, bis zum Stichtag seien jedoch keine Einwände zurückgekommen. Dass der Film aus dem Programm genommen wurde, findet der SPD-Politiker im Grundsatz falsch. Das Thema Homosexualität passe sehr gut zum Motto "Vielfalt". Der Vorgang ist für ihn ein klarer Hinweis, dass sich in der Organisation der Veranstaltungsreihe etwas verändern müsse.
Letztendlich fand sich Guhl jedoch mit der Zensur ab. Die interkulturelle Woche wurde am Sonntag vom Bürgermeister eröffnet. Noch bis zum 3. Oktober stehen in Bad Säckingen insgesamt elf Veranstaltungen auf dem Programm. (cw)
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» DVD-Besprechung: Eine verbotene Liebe in Tel Aviv (08.07.2013)
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Wenn ein Film über die schwule Liebe zwischen einem Israeli und einem Palästinenser nicht zum Thema "Vielfalt" passt, wüsste ich gerne, was deren Meinung nach denn sonst dazu passt.