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Am 12. September hatte Kultusminister Ludwig Spaenle (rechts) unter anderem Hedwig von Beverfoerde (2.v.r.) und Birgit Kelle (2.v.l.) getroffen (Bild: Demo für alle / CC BY-SA 3.0)
- 30. September 2016, 18:39h 2 Min.
In einem Offenen Brief mit über 100 Erstunterzeichnern fordert das Bündnis "Vielfalt statt Einfalt" die sofortige Umsetzung von neuen Richtlinien für die Sexualerziehung.
Bayerische LGBTI und ihre Unterstützer sind besorgt: In einem am Freitagabend veröffentlichten Offenen Brief (PDF) fordern mehr als 100 Erstunterzeichner den bayerischen Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) auf, die neuen Richtlinien für Sexualerziehung an Schulen des Freistaats unverzüglich in Kraft zu setzen und damit eine angemessene Aufklärung über Homo- und Transsexualität zu ermöglichen.
In dem vom Aktionsbündnis "Vielfalt statt Einfalt – München" initiierten Papier heißt es, man habe "mit Schrecken" von einem Treffen des Ministers mit homophoben Aktivisten um Birgit Kelle und Hedwig von Beverfoerde vor gut zwei Wochen erfahren (queer.de berichtete).
Nach dem Treffen veröffentlichten die Homo-Gegner eine Presseerklärung, in der es hieß, der Minister haben ihnen zugesichert, "den aktuellen Richtlinienentwurf vorerst nicht in Kraft zu setzen" und sich mit ihren Argumenten auseinanderzusetzen. In dem Offenen Brief wird kritisiert, dass es Beverfoerde und Co. nur darum gehe, "Ungleichheit, Ausgrenzung und Diskriminierung homo-, bi-, trans-, intersexueller sowie queerer Menschen aufrechtzuerhalten".
Entwurf "nicht besonders progressiv", aber besser als Status quo
Es sei ein Schlag ins Gesicht für LGBTI in Bayern, dass diese Argumente nun Gehör im Kultusministerium finden würden – gerade auch weil Schulen noch immer "ein Ort der Ausgrenzung und des Mobbings" seien. "Kein Kind sucht sich seine Homo-, Bi-, Trans- oder Intersexualität aus. Kinder aus Regenbogenfamilien oder mit queerer Identität dürfen nicht als Menschen zweiter Klasse behandelt werden. In Bildungseinrichtungen muss ein angst- und vorurteilsfreies Lernen möglich sein", so die ausführlich begründete Forderung.
Das Aktionsbündnis erklärte außerdem in einer Pressemitteilung, man schätze den augenblicklichen Richtlinienentwurf zwar als "nicht besonders progressiv" ein. Kritisiert wird etwa, dass die Behandlung von Regenbogenfamilien nicht vorgesehen ist, wie es bereits der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband bemängelt hatte (queer.de berichtete). Dennoch seien die neuen Richtlinien ein Schritt in die richtige Richtung. Nun stehe aber in Frage, wann die bereits abgestimmten Richtlinien in Kraft gesetzt werden. Das Aktionsbündnis sieht eine reale Gefahr, dass den Forderungen der erzreaktionären Akteure der sogenannten "Demo für Alle" nachgegeben werden könne.
Innerhalb von drei Tagen sammelte das Aktionsbündnis über 100 Unterschriften. Dazu zählen Wissenschaftler und Vertreter von SPD, Grünen, FDP und Linkspartei, aber kein Politiker der CSU.
Den Offenen Brief an Kultusminister Spaenle kann jeder als Unterstützer mitzeichnen – eine kurze E-Mail an genügt. Als Betreff bitte "Offener Brief an Dr. Spaenle" sowie Name, Vorname und/oder Organisation, Berufsbezeichnung und Ort angeben. (dk)
Links zum Thema:
» Der Offene Brief als PDF
» Bündnis für Vielfalt München
Mehr zum Thema:
» Bayerns Kultusminister traf Homo-Gegner (13.09.2016)















Danke für den Artikel und den Aufruf!