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Mediathek-Highlight
Queere Serie "Banana" im neuen Jugendangebot von ARD und ZDF

Ein ungleiches Paar: Aiden und Frank aus Episode 7 (Bild: Channel 4)
- 1. Oktober 2016, 11:34h 4 Min.
"Funk" streamt derzeit kostenlos alle Folgen der britischen Serie und zeigt Momentaufnahmen der LGBT-Community. Auch einen schwulen Video-Blogger gibt es im Angebot.
Von Norbert Blech
Am Samstag ist das neue "Junge Angebot" von ARD und ZDF gestartet, das die Digitalkanäle EinsPlus und ZDFkultur ersetzt durch ein reines Online-Angebot: Auf einer Webseite und einer App für iOS und Android bietet das vom SWR verantwortete und recht gut betitelte "Funk" eine Auswahl an Serien und Eigenformaten an, ergänzt werden soll das durch spezielle Angebote etwa bei Snapchat.
Ohne es groß anzukündigen, hat "Funk" zum Start auch ein queeres Highlight im Gepäck: Der Dienst streamt alle acht Folgen der britischen Serie "Banana" des Autors und Produzenten Russell T. Davies. Der hatte einst das in Manchester spielende Original von "Queer as folk" verantwortet und vor zwei Jahren dort eine neue Serie angesiedelt, in der Schwule zwischen 40 und 50 Jahren im Mittelpunkt stehen (queer.de berichtete). Diese hervorragend gemachte Serie, "Cucumber", versendete der WDR kürzlich lieblos im Wochenenden-Nachtprogramm.

Kay und Amy, Episode 6
"Banana" wurde von Davies als Nebenserie konzipiert, die Episoden liefen im digitalen Jugendkanal von Channel 4 im Anschluss an die "Cucumber"-Folgen im Hauptprogramm, und wirkt daher auf "Funk" ohne die Mutterserie etwas unerklärt und verloren, mehr als etwas, was man nebenbei einkaufen musste und für das man keinen Platz fand.
Gut erzählte Augenblicke queeren Lebens
Dabei ist "Banana" hochwertiges Fernsehen und beste Unterhaltung und funktioniert auch halbwegs, wenn man den großen Serienbruder nicht kennt: In den sehr unterschiedlichen Episoden steht jeweils eine "Cucumber"-Nebenrolle im Mittelpunkt, in einem Moment ihres Lebens.

Josh & Sophie, Episode 5
Anders als "Cucumber" ist "Banana" dabei auch queer geraten: In mehreren Folgen geht es um die lesbische Liebe, in einer um das Verhältnis von einem jungen Schwulen (Luke Newberry aus der dringend einzukaufenden ebenfalls queeren BBC-Zombieserie "In the flesh") zu seiner besten Freundin. Episode 4 bot mit Bethany Black die erste Transsexuelle im britischen Fernsehen, die eine Transsexuelle spielt – was in der Folge nur eine Nebenrolle spielt.
Aus schwuler Sicht gibt es u.a. ein Wiedersehen mit dem sympathischen Dean aus "Cucumber" und seinen Problemchen mit früher Ejakulation und der Familie. Spektakulär geraten ist Folge 7 über die eigenen Gesetzmäßigkeiten des schwulen Datings. Kurz überflogen scheinen die Sexszenen der Serie bei "Funk" weiter enthalten zu sein – und "Banana" ist sogar tagsüber abrufbar.

Helen, Episode 4
So modern sich ARD und ZDF mit dem Angebot geben, wirkt man doch zugleich behäbig wie immer: "Banana" scheint lieblos synchronisiert wie jede andere Auftragsvergabe an ein Studio. Die technisch einfache Möglichkeit, auch den Originalton mit Untertiteln anzubieten, bietet man natürlich weiter nicht – sie würde gerade Jugendlichen bei der Erlernung von Sprachen helfen. Ohnehin verzichtet man ganz auf die Möglichkeit von Untertiteln sowie auf eine Tonspur mit Audiodeskription, dabei gehören auch Gehörlose und Blinde zur Vielfalt der Gesellschaft. In Großbritannien müssen alle großen Sender, staatlich und privat, diese Dienste zu fast allen Sendungen anbieten.
Fast 40 Eigenformate, die meisten von Youtube
Was Eigenproduktionen betrifft, scheint "Funk" zunächst die halbe deutsche Youtube-Szene aufgekauft zu haben. Mit dabei sein wird auch "Kostas Kind", der in seinem Youtube-Channel über Alltäglichkeiten berichtet.
Dass Kostas Dennis schwul ist und einen Freund hat, kommt in den Videos dabei immer mal wieder nebenbei vor. "Ich will den Usern – wenn ich so einen Clip mache – vermitteln, dass es okay und tatsächlich ganz normal ist" und sein sollte, schwul zu sein, verriet er kürzlich den Kollegen von "blu". "In anderen Videos, die nicht explizit um Sexualität gehen, spreche ich ebenso oft über meinen Freund wie andere Youtuber über ihre Freundin. Ich denke, dass Zuschauer, die sich mit ihrer Sexualität auseinandersetzen, Identifikationsfiguren suchen, die sie ermutigen und in gewisser Weise auf ihrem Weg begleiten."
"Funk", das bislang noch keine Videos von ihm bietet, beschreibt seinen zukünftigen Star so: "Kostas ist Videokünstler, gelernter Physiotherapeut und Tänzer. Er ist aufgedreht, tollpatschig und verplant, aber auch ein Quatschkopf mit gutem Draht zu seiner Community."
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