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Georgien-Reise
Papst Franziskus beklagt "Weltkrieg" gegen die Hetero-Ehe

Neuer Tiefpunkt in der römisch-katholischen Kirche: Auf seiner Georgien-Reise hat Papst Franziskus LGBTI-Menschen offiziell den Krieg erklärt (Bild: Long Thiên / flickr)
- 2. Oktober 2016, 05:43h 3 Min.
In der georgischen Hauptstadt Tiflis warnte das Oberhaupt der katholischen Kirche so drastisch wie nie zuvor vor einer "ideologischen Kolonialisierung".
Papst Franziskus hat erneut mit scharfer Rhetorik Front gegen LGBTI-Rechte gemacht und drastisch wie nie zuvor einen "Schutz" der heterosexuellen Ehe gefordert. Die Gegenwart erlebe einen ideologischen "Weltkrieg, um die Ehe zu zerstören", beklagte das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche am Freitagnachmittag in Georgiens Hauptstadt Tiflis.
Während einer Begegnung mit Priestern, Ordensleuten und Seminaristen in der Kirche Mariä Himmelfahrt, einer der beiden römisch-katholischen Kirchen der Stadt, sprach Franziskus frei und ohne Manuskript. "Der große Feind der Ehe ist die Gendertheorie", antwortete der Papst auf eine Teilnehmerfrage. "Es gibt heute einen Weltkrieg, um die Ehe zu zerstören. Er wird nicht mit Waffen geführt, sondern durch ideologische Kolonialisierung. Darum ist es wichtig, die Ehe vor diesen Kolonialisierungen zu verteidigen!"
Durch Homoehe und Scheidung wird "Abbild Gottes beschmutzt"
Heterosexuelle Eheleute seien ein "Abbild Gottes", sagte Franziskus. Allerdings lauerten auch zwischen Mann und Frau Gefahren: Wenn es zur Scheidung komme, werde "das Abbild Gottes beschmutzt", warnte der Papst gemischtgeschlechtliche Paare. Bei Beziehungsproblemen müsse man "alles tun, um die Ehe zu retten". Zänkischen Ehepartnern empfahl Franziskus: "Streitet, soviel ihr wollt, aber beendet nie den Tag, ohne Frieden zu schließen."
Offene Beziehungen sind für das Kirchenoberhaupt Teufelswerk: "Wenn der Teufel sich einmischt und einem Mann eine Frau vorsetzt, die ihm schöner erscheint als seine, oder wenn er einer Frau einen Mann vorführt, und er erschient ihr toller als der eigene: dann bittet um sofortige Hilfe."
Papst Franziskus als Wiederholungstäter
Die Äußerung in Georgien war nicht das erste Mal, dass der argentinische Papst gegen die angebliche Vernichtung der Ehe und der Geschlechter Stimmung macht. So verglich er in einem Interview-Buch im vergangenen Jahr die vermeintliche Gender-"Ideologie" in ihrer Gefährlichkeit mit Nuklearwaffen (queer.de berichtete). Beim Weltjugendtag Ende Juli in Krakau behauptete das Oberhaupt der katholischen Kirche, dass es Bestrebungen gebe, das Konzept des Menschen als Ebenbild Gottes zu "vernichten" (queer.de berichtete).
Auch der Vorwurf der "Kolonialisierung" in Bezug auf LGBTI-Rechte hat im Vatikan bereits Geschichte: Er wird insbesondere in Afrika von Geistlichen oder Politikern genutzt, um gegen die Legalisierung von Homosexualität Stimmung zu machen. So sagte der aus Guinea stammende Kurienkardinal Robert Sarah im Rahmen der Familiensynode im vergangenen Jahr, die afrikanischen Teilnehmer würden "den ideologischen Kolonialismus des Westens bekämpfen, mit dem die katholische Doktrin vernichtet werden soll" (queer.de berichtete).
Franziskus hatte im letzten Jahr bei einer Rede vor der UN selbst davor gewarnt, "eine ideologische Kolonialisierung zu fördern, indem man abnorme Lebensmodelle und -stile durchsetzt, die der Identität der Völker fremd und letztlich unverantwortlich sind" (queer.de berichtete). Der Kampf für Umweltschutz und gegen Ausgrenzung verlange "die Anerkennung eines Sittengesetzes, das in die menschliche Natur selbst eingeschrieben ist".
Erst in der vergangenen Woche hatte der Papst sich hinter die Massenproteste gegen eine Ehe-Öffnung für lesbische und schwule Paare in Mexiko gestellt: "Ich schließe mich den mexikanischen Bischöfen an, die den Einsatz der Kirche und der bürgerlichen Gesellschaft für die Familie und das Leben unterstützen", sagte er vergangenen Sonntag auf dem Petersplatz in Rom (queer.de berichtete). (cw)















Ich dachte bisher immer, es geht um Liebe zwischen den Ehepartnern, das ist aber offensichtlich nur sekundär, wenn überhaupt.
Merkt der Papst nicht, dass er es selbst ist, der hier die Ehe so richtig entwertet und zerstört?