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Das Motiv mit den beiden jungen Männern hatte im Wettbewerb mit Abstand geführt – seit Mittwoch ist nur noch die Meldung abrufbar, dass es auf ihren Wunsch gelöscht worden sei

  • 7. Oktober 2016, 05:19h 26 4 Min.

Aus einem Foto-Wettbewerb zum Katalogtitel ist ein händchenhaltendes junges Männerpaar verschwunden, diesmal endgültig und angeblich auf eigenen Wunsch.

Der Beinahe-Kulturkampf um ein vermeintliches schwules Paar auf einem Ikea-Katalog in Russland ist – zumindest vorläufig – beendet. Am späten Mittwochabend verschwand das Bild zweier händchenhaltender junger Männer aus einem Online-Wettbewerb mit dem Hinweis, es sei auf Wunsch der Teilnehmer entfernt worden.

Für den Wettbewerb konnten sich Familien, Paare, Freunde und Einzelpersonen in verschiedenen Filialen des Möbelhauses in der nachgebauten Einrichtung des aktuellen Katalogtitelbildes fotografieren lassen. Teilnehmer von "Werde das Titel-Gesicht" bekommen einen individuellen Katalog mit ihrem Titelbild, die Gewinner der Online-Abstimmung Einkaufsgutscheine; ihr Bild soll vom Konzern zu Werbezwecken, aber nicht für den eigentlichen Katalog verwendet werden.

Die beiden jungen Männer aus Moskau hatten tagelang in Führung gelegen, mit zuletzt über 7.500 Stimmen und fast 6.900 Stimmen Vorsprung vor den bis dahin Zweitplatzierten (queer.de berichtete). In sozialen Netzwerken hatten LGBTI-Gruppen dazu aufgerufen, für die beiden Männer zu stimmen – als Zeichen schwuler Sichtbarkeit, auch wenn über die Abgebildeten wenig bekannt wurde, und auch um Ikea zu testen, das 2013 bereits aus vorauseilendem Gehorsam gegenüber dem Gesetz gegen "Homo-Propaganda" ein Interview mit zwei Lesben aus der russischen Version des internationalen Kundenmagazins gestrichen hatte (queer.de berichtete).

Szene fragt sich: War das eine Niederlage?

Dass möglicherweise zwei Schwule bei dem Wettbewerb vorne lagen, führte in Russland in den letzten Tagen auch zu einem großen und nicht immer wohlwollenden Medieninteresse. Ikea gab sich gegenüber der Presse einerseits liberal und betonte, Menschen ohne Ansicht u.a. ihrer sexuellen Orientierung zu behandeln. Andererseits sagte ein Pressesprecher, dass man das Bild entfernen werde, sollte es als Verstoß gegen das Gesetz gewertet werden, wovon man aber nicht ausgehe.

Bereits am Dienstag war das Bild für einige Stunden verschwunden, ohne Kommentar des Konzerns, was zu einigen Spekulationen und ersten Unmutsbekundungen gegen Ikea führte (queer.de berichtete). Die einflussreiche Gruppe "Straight Alliance for LGBT Equality", die ihre über 20.000 Follower im sozialen Netzwerk gebeten hatte, für die Männer abzustimmen, wusste so auch am Donnerstag nicht so recht, wie sie mit dem endgültigen Verschwinden des Bilds umgehen soll.

Dass einer der abgebildeten Jungs bereits vor einigen Tagen gegenüber einer Zeitung gesagt haben soll, er sei kein Teil der LGBT-Community und habe "kein Interesse, die Aufmerksamkeit von ihren Unterstützern oder von ihren Gegnern (zu) erlangen", macht die Frage nicht einfacher. Hat Ikea die Jungs, die auf einen wahrscheinlichen Gewinn verzichten, um Rückzug gebeten und ihnen dafür etwas versprochen? Wurde der mediale und homophobe Druck auf die beiden, egal, ob sie schwul oder hetero sind, zu groß? Oder hat Ikea das Foto einfach so gelöscht?

Die Fragen werden heiß diskutiert – wie zugleich die Möglichkeit, dem ganzen noch ein positives Zeichen entgegenzusetzen. Ein Flashmob bei Ikea? Neue selbstbewusste Teilnehmer beim Wettbewerb, der noch bis Ende Oktober läuft? Das Gefühl, dass hier letztlich schwule Sichtbarkeit, Akzeptanz und generell Vielfalt verloren haben, die Stimmen der Community für ungültig erklärt wurden, beherrscht die Debatte – eine neue Aktion sollte nicht ebenfalls in einer gefühlten Niederlage enden.

Russlands Community unter Dauer-Druck


Der bekannte Journalist Dmitry Tsilikin wurde im März von einem Rechtsradikalen erstochen. Seine Homosexulität wurde erst danach in Medien thematisiert.

Dabei hat die LGBTI-Bewegung Russlands eigentlich andere Sorgen als den Streit um Ikea: So wurde am Donnerstag bekannt, dass die Behörden in Lipezk Ermittlungen gegen eine Lehrerin wegen des Gesetzes gegen Homo-"Propaganda" eingeleitet haben. Das Vergehen der 19-Jährigen: Sie hatte gegenüber einer 12-Jährigen in positiven Worten über ihre Beziehung zu einer Frau gesprochen. Die Mutter des Kindes alarmierte daraufhin die Schule.

In St. Petersburg übergaben queere Aktivisten am Donnerstag derweil eine auch von vielen örtlichen Prominenten unterzeichnete Petition an die Staatsanwaltschaft, den Mord an dem schwulen Journalisten Dmitry Tsilikin strafverschärfend als Hass­verbrechen einzustufen.

Der 54-Jährige war Ende März von einem 21-jährigen Rechtsradikalen ermordet worden, der sich im Verhör als "Der Reiniger" bezeichnete, der auf einem Kreuzzug gegen Homo­sexuelle sei. Das vorläufige Ermittlungsergebnis spricht von einer Tat infolge einer "spontanen Auseinandersetzung". (nb)

-w-

#1 PeerAnonym
  • 07.10.2016, 09:33h
  • Das war doch absehbar, dass Ikea das nicht durchziehen wird.

    Die legen sich doch nicht mit Russland an. Da ist der Geldbeutel dann doch näher als das Gewissen.

    Das war von Anfang an nur als PR-Aktion gedacht, aber nicht wirklich als Einsatz für Vielfalt.
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#2 LarsAnonym
  • 07.10.2016, 09:35h
  • Schade, dass das zum Politikum geworden ist. Das, was das Bild so schön und attraktiv gemacht hat, war die Leichtigkeit, körperliche Unbeschwerheit und zivile Normalität, die es ausstrahlte - auf Heteros wie für Homos. Der Zauber an dem Bild lag eben darin, dass es nebensächlich schienen ließ, ob und wie viel Homoerotik in einem Moment von schlichter Lebensfreude liegt.

    Sowohl der Wunsch, das Bild und als eindeutig schwul zu labeln, als auch die Paranoia, dass jemand das tun könnte, haben diese feine, subversive und heilsame Balance leider zerstört. Im Männersport finden wir auch im Westen noch solche Mechanismen, die jeden spontanen Ausdruck von Lebensfreude und Zärtlichkeit abtöten. Eine tragische Entwicklung, für alle Männer, nicht nur für LGBT´s.
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#3 Fox NewsAnonym
  • 07.10.2016, 10:04h

  • Ikea wird den beiden je 5000 EUR gegeben haben und hofft dass allea im Sande verläuft.
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