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Keine Freude über die Liebe und staatlich anerkannte Partnerschaft zwischen Isabel und Federica: Papst Franziskus (Bild: Republic of Korea / flickr)
- 8. Oktober 2016, 10:45h 2 Min.
Laut einem Tweet von Erzbischof Angelo Becciu stand Franziskus die "Traurigkeit ins Gesicht geschrieben".
Eine Woche nachdem sich in Italien zwei ehemalige Schwestern des Franziskaner-Ordens verpartnert haben, hat sich erstmals der Vatikan zu der lesbischen Beziehung geäußert. Über die beiden 44 Jahre alten Ex-Nonnen war weltweit berichtet worden.
"Wie viel Traurigkeit stand dem Papst ins Gesicht geschrieben, als er die Nachricht von den verheirateten Ordensschwestern gelesen hat", heißt es in einem Tweet des vatikanischen Innenministers Erzbischof Angelo Becciu.
Verliebt auf einer pastoralen Reise
Die beiden ehemaligen Nonnen Federica und Isabel hatten sich vor drei Jahren auf einer pastoralen Reise nach Afrika kennengelernt und ineinander verliebt. Am Donnerstag vergangener Woche schlossen sie auf dem Standesamt von Pinerolo in der Nähe von Turin eine eingetragene Partnerschaft (queer.de berichtete).
Sie selbst fanden ihre Verpartnerung weder spektakulär noch rechneten sie mit negativen Reaktionen: "Gott will, dass die Menschen glücklich sind", erklärten sie gegenüber der italienischen Tageszeitung "La Stampa".
In einem am Freitag veröffentlichten Interview mit der italienischen Tageszeitung "La Repubblica" forderten die beiden früheren Ordensfrauen die katholische Kirche auf, auch homosexuelle Paare zu trauen. Italien hatte erst im Mai als letztes westeuropäisches Land eingetragene Partnerschaften eingeführt (queer.de berichtete).
Mit abwertenden Äußerungen über Homosexualität hatte Papst Franziskus in der vergangenen Woche mehrfach für Schlagzeilen gesorgt. So beklagte er auf seiner Kaukasus-Reise einen "Weltkrieg" gegen die heterosexuelle Ehe (queer.de berichtete). Im Flugzeug zurück nach Rom erklärte er vor Journalisten, Lesbisch- und Schwulsein sei "kein Grund zum Jubeln" (queer.de berichtete). (cw)















Eines der zentralen ethischen wie religiösen Gebote ist das Gebot, nicht zu lügen, bzw. ein faslches Zeugnis abzulegen. Wären die Nonnen bei ihren Orden und ihren Gelübden geblieben, dann hätten sie sich und der Welt etwas vorgemacht. Dass sie aus einer Liebe, die nicht nur rein spiritueller Natur ist, einander in der Frauenwelt der Nonnen gefunden haben, füreinander einstehen wollen, wie man so schön sagt, in guten und schlechten Tagen, halte ich für ein glaubhaftes Zeugnis. Kein Grund zum Jubeln oder Traurigsein, sondern zum Respekt vor der Aufrichtigkeit.
Vorgeführt zu bekommen, dass die katholische Kirche als Institution offenbar nicht in der Lage ist, homosexuellen Menschen Perspektiven zu geben, wie sie ohne Umwege, Lüge, Verstellung oder emotionale Gewalt sich selbst gegenüber ihr Leben und ihre Beziehungen gestalten, würde mich als Papst auch traurig stimmen - allerdings auch zum eher stillen, weniger emotionsgeladenen Nachdenken anregen.