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Streit um Kretschmann-Artikel
An diesen Sätzen erkennt man einen homophoben Menschen – wie Boris Palmer

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer postet sich auf Facebook um Kopf und Kragen – wir können alle Zitate mit Screenshots belegen (Bild: Gudrun de Maddalena)
- 11. Oktober 2016, 08:43h 4 Min.
Tübingens grüner Oberbürgermeister stellt in wütenden Facebook-Posts seine Lesben- und Schwulenfeindlichkeit selbst unter Beweis.
Von Micha Schulze
"Entspannt euch!", rief Boris Palmer schon vor einem Jahr der LGBTI-Bewegung zu, die nicht immer gleich zur Homophobie-Keule greifen solle, nur weil jemand gegen die Ehe für alle oder das Adoptionsrecht für Schwule und Lesben sei. Als ob die bewusste Ungleichbehandlung und Diskriminierung kein Merkmal von Homosexuellenfeindlichkeit ist.
Der grüne Oberbürgermeister von Tübingen selbst ist alles andere als entspannt, nachdem sich Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann für sein unglückliches Lob der heterosexuellen Ehe ("So ist und bleibt die klassische Ehe die bevorzugte Lebensform der meisten Menschen – und das ist auch gut so") indirekt entschuldigen musste. Denn Palmer selbst findet die Äußerung vollkommen richtig und wirft den Kritikern "Intoleranz und Jakobinismus" vor.
Auf seiner Facebook-Seite schreibt sich der OB seit Tagen in Rage über den Wirbel um das Kretschmann-Zitat und empört sich dabei vor allem über den auch gegen ihn gerichteten Vorwurf der Homophobie. Diesen würde niemand belegen, beklagt sich Palmer gleich mehrfach – dabei hat er in seinen jüngsten Facebook-Kommentaren seine nicht nur latente Lesben- und Schwulenfeindlichkeit selbst unter Beweis gestellt.
Es folgen zehn exemplarische Beispiele.
1. Homophobe Menschen nehmen Homophobie-Vorwürfe nicht ernst
Boris Palmer: "Ich verwahre mich dagegen, dass Kretschmann oder ich selbst als homophob abqualifiziert werden. Und ich nenne dafür die Argumente. Würde das verstanden und unterlassen, gäbe es keinerlei Streit oder Dissens in der Frage der Gleichstellung. Ein Teil der Bewegung ist aber so im Kampfmodus, dass Sie davon nichts wissen will. Das ist schade."
2. Homophobe Menschen unterteilen die Menschen in "Wir" und "Ihr"
Boris Palmer: "Ihr werdet nur mit diesem Kampf vor allem erreichen, dass ihr nie ans Ziel kommt. Wer sich immer in die Rolle der stigmatisierten Minderheit begibt, kommt da nie raus."
3. Für homophobe Menschen haben Homosexuelle keine Relevanz
Boris Palmer: "Eure Kinder sind aber nur 0,1% aller Kinder. Das kann man einfach mal anerkennen."
4. Homophobe Menschen wollen nicht zu viele Lesben und Schwule um sich haben
Boris Palmer: "Wenn jemand es gut findet, dass in seinem Viertel die Mehrheit homosexuell ist, dann ist das für mich ok. Umgekehrt will ich nicht als homophob bezeichnet werden, wenn ich es ganz gut finde, dass die Mehrheit nicht homosexuell ist."
5. Homophobe Menschen handeln aus Gefühl, nicht aus Überzeugung – und drohen mit Liebesentzug
Boris Palmer: "Der Bannstrahl trifft die Mitte der Gesellschaft und zerstört damit die Unterstützung für ein richtiges Anliegen. Warum soll ich mich für Leute einsetzen, die mir dauernd um die Ohren hauen, ich sei homophob?"
6. Homophobe Menschen fühlen sich durch den Einsatz für LGBTI-Rechte vernachlässigt
Boris Palmer: "Die Antwort hat Kretschmann im Text geliefert. Weil eine Gesellschaft nicht nur Bedürfnisse von Minderheiten berücksichtigen darf."
7. Homophobe Menschen befürchten eine Art "Verschwulung" der Gesellschaft
Boris Palmer: "Umgekehrt gilt auch: Die Minderheit kann nicht erwarten, dass die Mehrheit sich selbst wünscht zur Minderheit zu werden."
8. Homophobe Menschen befürchten gar das Aussterben der Menschheit
Boris Palmer: "Ich sage lediglich, dass es gut so ist, dass die Mehrheit der Gesellschaft so lebt, dass sie weiter leben kann. Und das ist nicht homophob. Fertig."
9. Homophobe Menschen fühlen sich in der Meinungsfreiheit eingeschränkt
Boris Palmer: "Er [Kretschmann; d. Red.] und ich sagen, dass man wir die Minderheiten schützen wollen. Wenn die Minderheiten aber daraus den Anspruch ableiten, dass die Mehrheiten nicht mehr sagen dürfen, dass bestimmte Verhältnisse gut sind, wie sie sind, dann entsteht die Aggression in Teilen der Mehrheit, die Kretschmann und di Lorenzo beschreiben. Und die vielen Reaktionen hier bestätigen das leider perfekt. Null Selbstkritik. Nur drauf hauen."
10. Homophobe Menschen sind die eigentlichen Opfer
Boris Palmer: "Ich werde von diesen Kreisen seit fünf Jahren systematisch diffamiert. Die Methoden sind so wie hier. Die müssen sich bei mir entschuldigen. Nicht umgekehrt."















Palmer hat Recht.