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Homophobie in den Niederlanden
Amsterdam: Verteiler von homophoben Flyern gefasst

Dieser an viele Haushalte in Amsterdam verteilte Flyer hatte zu zahlreichen Strafanzeigen geführt
- 21. Oktober 2016, 11:22h 3 Min.
Drei Männer stellten sich der Polizei, nachdem ihnen die Ermittler auf den Fersen waren. Gruppen aus Szene und Kirchen starten Aktion für Vielfalt.
Die Amsterdamer Polizei hat am Donnerstag drei Männer verhört, die am letzten Wochenende in ganzen Stadtvierteln der niederländischen Hauptstadt homophobe Flyer in Briefkästen verteilt hatten (queer.de berichtete). Die Männer, ein 39-Jähriger aus Rotterdam und zwei 29-Jährige aus Den Haag, gaben die Flyer-Verteilung nach Polizeiangaben zu.
Die Beamten hatten durch die Auswertung von Überwachungskameras den offenbar unbeteiligten Halter eines Wagens ausfindig gemacht, mit dem die Männer bei der Verteilung der Flyer unterwegs waren. Bevor die Polizei weiter ermitteln konnte, hatten sich die Männer mit einem Anwalt bei einer Polizeiwache gestellt.
Laut Polizei haben die Männer im Verhör angegeben, sie hätten niemanden verletzen, sondern eine Debatte anstoßen wollen. Die Wahl auf Amsterdam sei gefallen, weil die Stadt in Medien als "Gay Capital" bezeichnet wurde.
Anklage offen
Nähere Angaben zur Identität der drei Flyer-Verteiler machte die Polizei nicht. "Sie haben das rein privat gemacht", sagte Polizeisprecher Frans Zuiderhoek zu ihren Motiven. Sie hätten keine Verbindung zu irgendwelchen Organisationen. So gebe es keine Nähe zu einer im Flyer benannten Facebook-Seite und einem dort häufig erwähnten rumänischen Paar, das zusammen mit christlichen Organisationen gegen die Adoption der ihnen vom Jugendamt weggenommenen Kinder durch ein schwules Paar in England kämpft. Auch gebe es keine Verbindung zu zwei türkischen Hasspredigern, über deren Beteiligung einige niederländische Medien zuvor spekuliert hatten.
Nach dem Verhör wurden die Männer auf freien Fuß gesetzt. Die Staatsanwaltschaft muss nun entscheiden, ob sie in den Flyern eine Strafbarkeit erkennt und die Männer anklagt – gegenüber Medien wollten sich Behördenvertreter dazu nicht äußern. Bei der Polizei waren rund 200 Strafanzeigen eingegangen, die LGBTI-Organisation COC Nederland sprach von Volksverhetzung.
In den Flyern wurde, unter Bezugnahme auf Stellen der Bibel, der Thora und des Korans, darauf hingewiesen, dass Homosexualität aus Sicht der drei Weltreligionen verboten sei. Auch wurde behauptet, dass 29 Prozent aller Kinder, die bei schwulen oder lesbischen Eltern aufwachsen, von ihnen missbraucht würden.
Amsterdam setzt Zeichen für Vielfalt

Der "Gegen-Flyer" mit Symbolen der Glaubensgemeinschaften und den Flaggen der LGBT- und Trans-Community will aus dem Negativen etwas Positives erwachsen lassen: "Amsterdamer stehen für die Rechte anderer ein, sie selbst zu sein"
Inzwischen haben mehrere Gruppen und Organisationen der Stadt auf die Anfeindung mit einem eigenen Flyer (PDF) reagiert, er trägt die Botschaft "Vielfalt zählt – Vielfalt macht uns menschlich": "Egal ob du lesbisch bist, schwul, bisexuell, transgender, queer oder heterosexuell, egal, ob du Christ, Muslim oder Jude bist oder einer anderen Religion angehörig oder atheistisch bist, egal, ob du eine Kombination des vorherigen bist oder etwas dazwischen: Wir stehen hinter dieser Botschaft!"
COC ruft dazu auf, den Flyer zu verteilen und beispielsweise "am Ort des Gebets, bei der Arbeit, in der Schule, beim Sportverein" als Gelegenheit zu nutzen, ins Gespräch zu kommen und die Botschaft der Vielfalt zu verbreiten. Zu den Unterzeichnern gehören neben LGBTI-Organisationen u.a. die liberal-jüdische Gemeinde, eine Moschee, die protestantische Kirche und der Kirchenrat der Stadt. (nb)















Wenn das keine Volksverhetzung ist! Was kommt ansonsten als Nächstes? Wird vor dem Internationalen Schwulentum gewarnt?