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Homo-Verfolgung
Marokko: Teenagerinnen wegen eines Kusses verhaftet

In Marokko gilt Homosexualität als Straftat – im Land werden immer wieder Schwule und Lesben wegen gleichgeschlechtlicher Liebe vor Gericht gestellt und ins Gefängnis gesteckt (Bild: Hamza Kanouni / flickr)
- 4. November 2016, 12:13h 2 Min.
Im laut Bundesregierung "sicheren Herkunftsstaat" wurden zwei Minderjährige verhaftet, weil sie sich geküsst haben sollen. Eines der Mädchen soll außerdem im Gefängnis misshandelt worden sein.
Zwei Mädchen im Alter von 16 und 17 Jahren sind nach Angaben der marokkanischen Menschenrechtsorganisation "Association marocaine des droits humains" (AMDH) vergangene Woche in der Metropole Marrakesch festgenommen worden, weil sie sich auf einem Hausdach umarmt und geküsst haben sollen. Dabei wurden sie offenbar von einer Person fotografiert und schließlich angezeigt. Die wieder auf freien Fuß gesetzten Jugendlichen sollen noch am Freitag nach Strafrechtsparagraf 489 angeklagt werden, der auf homosexuelle Handlungen bis zu drei Jahre Haft vorsieht.
AMDH-Aktivist Omar Arbib erklärte gegenüber dem arabischsprachigen Programm von CNN, dass seine Organisation den Beschuldigten einen Anwalt gestellt habe. Er erklärte außerdem, dass die Mutter des älteren Mädchens von Misshandlungen durch erwachsene Mitgefangene in einem Gefängnis erzählt habe. Die marokkanischen Behörden haben sich zu den Vorfällen bislang nicht öffentlich geäußert.
Aus Marokko gibt es immer wieder Berichte über die Verfolgung von Homosexuellen: Erst im Juli sollen ein 23-Jähriger und ein 46-Jähriger von einem Berufungsgericht in der Hafenstadt Agadir zu Haftstrafen wegen Homosexualität verurteilt worden sein (queer.de berichtete).
Bundesregierung hält Marokko für "sicher"
Trotz der Verfolgung von Schwulen und Lesben sieht die deutsche Bundesregierung Marokko – ebenso wie die Verfolgerstaaten Algerien und Tunesien – als sicheren Herkunftsstaat an. Der Bundestag hatte bereits im Mai mit den Stimmen der Großen Koalition der Neueinstufung zugestimmt (queer.de berichtete). Allerdings stoppte der Bundesrat im Juni die Abstimmung zu dem Thema, da eine Mehrheit nicht gesichert war (queer.de berichtete).
Inzwischen gibt es immer mehr Zweifel an dieser Einstufung: Im September hat etwa das Verwaltungsgericht Düsseldorf entschieden, dass Deutschland einen schwulen Flüchtling aus Marokko aufnehmen müsse, weil er dort wegen seiner sexuellen Orientierung verfolgt werde (queer.de berichtete). Vor wenige Tagen berichtete "Zeit Online", dass auch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) die Einstufung der Maghreb-Staaten als "sicher" nicht nachvollziehen könne. Das geplante Gesetz sei allein aus innenpolitischen Gründen entstanden und die Regierung habe die Einschätzung von Fachleuten bewusst überhört. (dk)















Wo man wegen eines gleichgeschlechtlichen Kusses in den Knast kommt und misshandelt wird.
Die Politiker, die sowas beschließen, sollten sich was schämen...