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Malcolm Turnbull
Australien: Premierminister beim CSD unerwünscht

Selfies vom Mardi Gras: Als erster australischer Premierminister schaute sich Malcolm Turnbull am 5. März 2016 die queere Parade an, während Oppositionsführer Bill Shorten von der Labour Party sogar mitlief
- 13. November 2016, 08:07h 2 Min.
In Frühjahr besuchte Malcolm Turnbull als erster Regierungschef die Mardi-Gras-Parade in Sydney – für nächstes Jahr wurde er offiziell ausgeladen.
Die Organisatoren der queeren Mardi-Gras-Parade in Sydney haben Australiens Premierminister Malcolm Turnbull am Samstag offiziell vom nächsten Event ausgeladen. Sie begründeten den Schritt mit dessen "Verzögerung" der Ehe-Öffnung für gleichgeschlechtliche Paare.
Der Politiker der konservativen Liberal Party gilt eigentlich als Befürworter der Ehe für alle. Anfang März hatte er sogar als erster amtierender australischer Premierminister an der Mardi-Gras-Parade teilgenommen, die er auch schon in den Vorjahren zusammen mit seiner Ehefrau Lucy besucht hatte. "Es ist ein wunderbares Event, das fest zu Sydney gehört", erklärte Turnbull damals gegenüber dem Sender "7 News". "Ich fühle mich geehrt, hier zu sein" (queer.de berichtete).
"Wir brauchen seine falsche Freundschaft nicht"
Mardi-Gras-Organisatorin Cat Rose warf dem Premierminister nun jedoch vor, seinen Besuch der jüngsten Parade am 5. März "nur für die Medien" unternommen zu haben. Seine Amtszeit sei seitdem "ein Leitfaden für homophobe Menschen, wie man die Ehe für alle durch eine schädliche Volksabstimmung zum Scheitern bringt", schreibt sie in einer Erklärung auf Facebook. Weiter heißt es in drastischen Worten: "Wir wollen unsere Abscheu als Community gegenüber diesem Premierminister ausdrücken und zeigen, dass wir seine falsche Freundschaft nicht brauchen."
Hintergrund der Auseinandersetzung ist die Weigerung Turnbulls, im australischen Parlament frei über die in der konservativen Regierungspartei umstrittene Ehe-Öffnung abstimmen zu lassen. Zur Vermeidung innerparteilicher Konflikte setzte der Premierminister stattdessen auf ein Referendum, das allerdings in der vergangenen Woche vom Senat gestoppt wurde (queer.de berichtete). Das von der oppositionellen Labour Party angeführte Oberhaus verwies darauf, dass es im Parlament und in der Bevölkerung ohnehin eine Mehrheit für die Gleichstellung gebe.
LGBTI-Aktivisten und Labor kritisierten zudem, dass ein monatelanger Wahlkampf zum Referendum Homofeindlichkeit verstärken könne. Bemängelt wurden auch die Kosten in Höhe von umgerechnet 125 Millionen Euro für einen unverbindlichen Volksentscheid zur Ehe für alle, über die letztlich dann doch das Parlament entscheiden muss.
Der Sydney Gay and Lesbian Mardi Gras gehört mit Hunderttausenden Teilnehmern und Besuchern zu den größten CSD-Paraden der Welt. Er fand erstmals 1978 zur Erinnerung an den New Yorker Stonewall-Aufstand statt – zu einer Zeit, als im Bundesstaat New South Wales, dessen Hauptstadt Sydney ist, homosexuelle Handlungen noch unter Strafe standen. (cw)















Bei den CSDs in Deutschland durften dagegen sogar SPD und Union seit Jahren immer teilnehmen. Schande.