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Vortrag im Rahmen der Hirschfeld-Tage

Lesben als "feindlich-oppositionelle" Personen


Foto aus Jochen Hicks Film "Out in Ost-Berlin": Lesbische Aktivistinnen auf einer "Friedenswerkstatt" Mitte der Achtzigerjahre (Bild: Galeria Alaska)

  • 16. November 2016, 15:29h 7 3 Min.

Die Leipziger Filmemacherin Barbara Wallbraun hat über 1.800 Stasi-Aktenseiten über die Bespitzelung lesbischer Frauen in der DDR ausgewertet.

Von Kristin Hänsgen

Seit fünf Jahren schon recherchiert die Leipziger Filmemacherin und Kulturpädagogin Barbara Wallbraun für ihren geplanten Dokumentarfilm "Uferfrauen". Über ein Vierteljahrhundert nach dem Fall der Mauer will sie rekonstruieren, wie lesbisches Leben in der DDR aussah, vor allem außerhalb der Hauptstadtszene.

Im Zuge ihrer Recherchen hat Wallbraun auch Einsicht in Akten des Ministeriums für Staatssicherheit zur Bespitzelung von lesbischen Frauen genommen – ein Thema, zu dem es bislang nur wenige Informationen gab. So entwickelte sich aus ihrer künstlerischen Perspektive als Regisseurin ein zweiter geschichtswissenschaftlicher Ansatz zur Thematik. Über ihre hochinteressanten Entdeckungen sprach sie am Dienstag im Rahmen der Hirschfeld-Tage im Frauenzentrum Lila Villa in Chemnitz.

Lesben bespitzelten andere Lesben

Wallbrauns Vermutung wurde nach Sichtung von rund 1.800 Aktenseiten in der Leipziger Außenstelle der Stasiunterlagenbehörde bestätigt: Lesben in DDR wurden als "feindlich-oppositionelle" Personen gezielt bespitzelt – und zwar in der Regel von anderen lesbischen Frauen.

Anhand zweier inoffizieller Mitarbeiterinnen (IM) der Stasi stellte sie in ihrem Vortrag anschaulich dar, wie das System der paranoiden Überwachung funktionierte und welche teils intimen Details über Personen weitergegeben wurden. Lesbische IM, so Barbara Wallbraun, waren für die Stasi ideal als Informantinnen, da sie nicht "eingeschleust" werden mussten.


Barbara Wallbraun bei ihrem Vortrag in Chemnitz (Bild: Kristin Hänsgen)

Homosexualität als "Erfindung des Westens"

Als sich unter dem Dach der evangelischen Kirche im Jahr 1982 der erste "Arbeitskreis Homosexualität" in Leipzig gründete, sah die Staatssicherheit darin die Gefahr einer oppositionellen Gruppe. In den Augen der Stasi war Homosexualität eine "Erfindung des Westens", homosexuelle Zusammenschlüsse galten als politischer Missbrauch durch "feindlich-negative Kräfte". Das Grundbedürfnis homosexueller DDR-Bürger nach Liebe und Nähe wurde vom Staat aufgrund paranoider Begründungen und Angst vor Opposition verweigert.

Die inoffiziellen Mitarbeiterinnen haben dabei nicht nur von den Gesprächsrunden in der Kirche berichtet, sondern auch von "Privatpersonen im Arbeits- und Freizeitbereich". Aus heutiger Sicht kann man es sich kaum vorstellen, welche Energie die Stasi entwickelte, um die als "feindlich-oppositionell" eingestuften Personen bzw. Gruppierungen zu sabotieren und welche weitreichenden Konsequenzen die staatlich angeordneten Überwachungsmaßnahmen für die betroffenen Frauen hatten.

Mit ihrem sehr informativen Vortrag ist Barbara Wallbraun im Rahmen der Hirschfeld-Tage am 17. November noch einmal in Magdeburg (19.30 Uhr, Volksbad Buckau) sowie am 25. November in Erfurt (19 Uhr, Café DuckDich) zu Gast.

Hirschfeld-Tage 2016

Unter dem Motto "L(i)ebe die Vielfalt" stehen bis zum 19. Dezember bei den dritten Hirschfeld-Tagen 115 Veranstaltungen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen auf dem Programm. Die Bundes­stiftung Magnus Hirschfeld als Veranstalterin kooperiert dabei mit neun regionalen Partnern aus der Community. Weitere Infos zum Programm auf hirschfeld-tage.de.
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Die SPD und der Paragraf 175
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-w-

#1 SocialismKillsAnonym
  • 16.11.2016, 17:00h
  • Damit sollte hoffentlich dem letzten DDR-nostalgiker hier klar werden, dass die Linke und alle Parteien, die eine Koalition mit dieser Bande nicht kategorisch ausschließen, unwählbar sind.
  • Direktlink »
#2 NickAnonym
  • 17.11.2016, 06:51h
  • Antwort auf #1 von SocialismKills

  • Damit sollte dir klar sein das du dummes Zeug redest. Denn erstens ist mein Vater aus der so genannten SPD aus und in die linke eingetreten. Zweitens gab es in der BRD auch eine totalüberwachung und Bespitzelung Homosexueller und der §175 bestand bis 1994!

    Was möchtest du denn wählen? CDUAfD?
  • Direktlink »
#3 g_kreis_adventEhemaliges Profil
  • 17.11.2016, 13:47h
  • Ersten wurden nicht die Lesben bespitzelt sondern die wenigen Lesben die sich aktiv in "Lesbenbewegung" betätigt haben. - Alles ist nicht neu und seit Jahren bekannt. Dokumente zur Überwachung der Berliner Lesbengruppe werden auch in der Gedenkstätte Sachsenhausen ausgestellt.
    Zweitens der Leipziger Kreis war nicht der erste kirchliche Arbeitskreis der in der DDR entstand.
    Seit 34 Jahren gibt es den Gesprächskreis Homosexualität. Seit 1987 sind wir in der Advent-Zachäus-Kirchengemeinde zu Hause.
    »Kann man darüber sprechen? Homosexualität als Frage an Theologie und Gemeinde«
    Das war das Thema einer Tagung der Ev. Akademie Berlin-Brandenburg (DDR) im Sprachenkonvikt in der Berliner Borsigstraße. Der 9. Januar 1982 ist die Geburtsstunde des Gesprächskreises.
    DIE KIRCHE (Evangelische Wochenzeitung (in der DDR) Nr. 8 vom 21. Februar 1982 berichtet über eine Veranstaltung der Evangelischen Akademie Berlin-Brandenburg (DDR):
    Am 9. Januar 1982 haben Dr. Manfred Punge (* 26. Januar 1931; 13. August 2014) und Elisabeth Adler (* 2. August 1926 in Magdeburg; 15. Januar 1997 in Berlin) ins Sprachenkonvikt in Berlin-Mitte, Borsigstraße eingeladen. Nach dieser Tagung trafen sich am 13. April 1982 Interessierte in den Räumen der Evangelischen Akademie. Dr. Manfred Punge informierte über das Echo der Akademie-Veranstaltung. Viele der Teilnehmer wollten die Fragen aufgreifen und die Gespräche fortsetzen. Dazu wurde eine Anbindung gesucht und gefunden. Im Rahmen der Arbeit der Lebens- und Familienhilfe Innere Mission und Hilfswerk der Evangelischen Kirche in Berlin- Brandenburg Innere Mission konstituierte sich der »Gesprächskreis Homosexualität«. Ab dem 1. September 1982 traf sich der Berliner Gesprächskreis Homosexualität regelmäßig in der Philippus-Apostel-Gemeinde. Der Kreis firmierte: »Evangelische Kirche in Berlin Brandenburg Innere Mission und Hilfswerk«. In den ersten Jahren begleiteten uns Edda Blauert, Manfred Punge und Peter Bickhardt.
    Am 25. April 1982 gründete sich in Leipzig, in der Evangelischen Studentengemeinde, ein weiterer Arbeitskreis Homosexualität. Eduard Stapel und Matthias Kittlitz organisieren den Aufbau der Arbeit. Die ESG hatte unter dem Motto »Tabu Homosexualität wie gehen wir damit um?« zu einem theologi-schen Vortrag von Pfarrer Dr. Jürgen Ziemer eingeladen.
    Ein weiterer »Arbeitskreis Homosexualität« wurde am 12. Oktober 1983 in der Ev. Stadtmission Magdeburg wurde unter der Leitung von Pfarrer Urmoneit gegründet. Dieser bestand bis 1991.
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