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Einzelkommentar zu:
Jeder dritte Sachse findet homosexuelle Liebe "unnatürlich"


#27 saltgay_nlProfil
  • 23.11.2016, 13:45hZutphen
  • Vorsicht! Man lasse sich nicht vor den Karren des Heimatchauvinismus spannen. Das ist im Sinne der Herrschenden. Gebiete, wo die finsterste Reaktion haust, gibt es Einige in Deutschland. Nur hat man sich noch nicht die Mühe gemacht, dies näher zu untersuchen. Es gibt wohl regionale Unterschiede, wo Menschen eher für diese faschistoiden Anschauungen bereit sind auf die Straße zu gehen, als in anderen Landesteilen.

    Ich erinnere an den Film "Jagdszenen aus Niederbayern", der zum ersten Mal die Diskriminierung Schwuler in der BRD zum Thema hatte. Auch war es der Bayerische Rundfunk, der sich anlässlich des Filmes "Die Konsequenz" aus dem gemeinsamen Abendprogramm der ARD ausklinkte und dafür Seichtes anbot.

    Natürlich ist es erschreckend, wieviele Menschen sich nach einem Führer oder einer Führerin sehnen, die endlich "hier aufräumt". Da aber zeigte schon eine kaum beachtete Studie vor über 10 Jahren, dass die Wertschätzung der Demokratie in Deutschland mit ca. 55% zwar noch höher als in Frankreich ist, sich jedoch auf den hinteren Plätzen bewegt. Zwar hielten die ehemaligen DDR-Bewohner noch weitaus weniger von der funktionierenden Demokratie, doch hielten sie dennoch diese Staatsform mit 63% als beste. Daraus zeigt sich, dass es nicht ohne weiteres möglich ist auf den Bewusstseinszustand in den einzelnen Bundesländern zu schließen.

    Was sich deutlich in Sachsen Bahn gebrochen hat, ist die öffentliche Zurschaustellung faschistisch geprägter Volksgemeinschaft. Diese Terrorgemeinschaft wird aber auch in anderen Regionen zu bestimmten Anlässen sichtbar. Autokorsos zu Fußballmeisterschaften sind eine Variante hirnloser Demonstrationen von "Nationalstolz" und werden sogar medial gehätschelt. Es sind die pathologischen Ausbrüche einer nationalen Geisteskrankheit, dieses Gefühls "des ewig zu kurz gekommenen Untertans", der sich Bahn bricht. Die Erklärung dafür liefert die deutsche Geschichte, die eben nicht plötzlich 1945 vom Saulus zum Paulus wurde, sondern in der Tiefe weiterbrodelte.

    Es sind die niederen Triebe eines geknechteten Untertans, der ähnlich wie die Bürger Russlands nur die Knute kannten und mit dem Wert der Demokratie nichts anzufangen wissen. Die deutsche Nation, wenn sie je wirklich bestanden hat, hatte viel zu kurz Bestand. Deutschland ist im Denken noch immer der regionalen Kleinstaaterei verbunden. Ob das nun die "Schwaben vom Prenzlberg", die Sachsen oder der sein Hirn in Schnaps auflösende Münsterländer, der auf dem Oktoberfest beim Saufen im Sitzen pinkelnde Bayer oder Neonazi von Lichtenhagen ist. Geurteilt wird oft nach regionaler Herkunft und merkwürdigerweise findet sich dieses Urteil auch stets bestätigt.

    Ein Volk, das nie richtig gelernt hat, was demokratischer Rechtstaat bedeutet, weil es jahrhundertelang devot dem Landesherrn diente, sich vor ihm neigte, sich von ihm treten ließ und als einzige Erlösung und Freude Denunziation, Verrat und Schadenfreude lernte, das schließt sich zur Volksgemeinschaft zusammen, der Gemeinschaft derer, die ebenso empfinden und nach dem wohligen Gefühl: "Was alle machen kann ja nicht falsch sein ", Verbrechen begehen.

    Wer es etwas akademischer möchte: "Was damals Recht war, kann ja heute nicht Unrecht sein!" Kommentar zu dem ehemaligen Ministerpräsidenten Filbinger (CDU), der noch bei Kriegsende Todesurteile nach faschistischem Unrecht aussprach.

    Es geht um die Umerziehung eines Volkes zur Zivilisation - nicht um das Brandmarken regionaler Bevölkerungsgruppen. Das ist die große Aufgabe.
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