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- 05. Mai 2005 2 Min.
Der Londoner Fotograf zählt zu den "100 einflussreichsten Schwulen" der Welt. Jetzt ist sein zweiter Fotoband "Intimate Strangers" erschienen.
Von Anne Richter
Das größte Geschenk, das zwei Fremde sich machen können, ist, sich gegenseitig so weit zu vertrauen, dass sie einander nackt und ungeschminkt gegenüber treten können. Sie erlauben sich dabei einen offenen Blick auf ihre verletzlichen Körper, die sie sonst stets durch Kleidung, Hairstyling oder lässige Gesten zu schützen und verstecken suchen. Sie lassen einander an ihrem Innersten teilhaben, schlafen vertrauensvoll nebeneinander ein und wissen, dass sie sich nicht für ihr "Am-Morgen-danach-Aussehen" schämen müssen.
Solche fast magischen Momente von Intimität versucht der Fotograf Kobi Israel mit seiner Kamera festzuhalten. 1970 in Israel geboren, zog er 2002 von Tel Aviv nach Soho, ins Zentrum der schwulen Community von London. Besonders beeindruckte ihn hier die Tatsache, dass fast jeder ein Fremder aus einer anderen Stadt, einem anderen Land oder sogar von einem anderen Kontinent ist. Überall, wo er hinschaut, entdeckt er Mysteriöses und Rätselhaftes, er ist nur ein Fremder unter vielen anderen. Doch diese Fremdheit kann überwunden werden, durch einen Blick, ein Lächeln, ein Stück Intimität.
Kobi Israel teilt diese Blicke der Intimität mit seinen Lesern. Oftmals ungeplant und durch eine sehr subjektive "Objektauswahl" kamen viele der Bilder für "Intimate Strangers" zustande. Ausgelöst durch ein Lächeln auf der Straße oder einen scheuen Blick in einer Bar wurde so mancher zum Fotomodel. Wenn es den Fremden gelang, dem Fotografen zu vertrauen und das Vorhandensein der Kamera auszublenden, konnten diese besonderen Bilder entstehen, die Natürlichkeit und Authentizität ausstrahlen. Auch bei professionellen Fotosessions gelangen Kobi Israel solche Fotos, sofern die Models bereit waren, einen Blick auf ihr wahres Inneres zu gestatten.
Kobi Israel, dessen Debüt "Views" aus dem Jahr 2002 ein Bestseller ist, präsentiert mit "Intimate Strangers" ein unkonventionelles Werk, dessen Bilder voller Wärme und Emotionen sind. In den vergangenen Jahren wurde der Fotograf mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und stellte seine Werke in Galerien in der ganzen Welt aus. Das amerikanische Magazin "Out" kürte ihn 2003 zu einem der 100 einflussreichsten Schwulen.
Kobi Israel: Intimate Strangers, Fotobuch, 96 Seiten, farbig, Hardcover, 28,5 x 21 cm, Bruno Gmünder Verlag, April 2005, 26,95 Euro
5. Mai 2005
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