https://queer.de/?27731
Ab Donnerstag im Kino
About a Trans-Boy

Der 16-jährige Ray wünscht sich eine Hormontherapie, doch Großmutter Dolly glaubt an eine lesbische Phase (Bild: Tobis Film)
- 5. Dezember 2016, 19:37h 2 Min.
Im Familiendrama "Alle Farben des Lebens" muss sich Elle Fanning in der Rolle des Trans-Jungen Ray gegen die besorgte Familie sowie eine ignorante Filmemacherin behaupten.
Von Carsten Moll
Man kann sich wahrlich konservativere Milieus vorstellen, als die Lebenswelt des 16-jährigen Ray: Der Jugendliche lebt gemeinsam mit seiner alleinerziehenden Mutter Maggie sowie seiner lesbischen Großmutter Dolly unter dem großzügigen Dach eines New Yorker Reihenhauses. Und trotzdem tut sich die liberal auftretende Familie schwer damit, Ray als den anzuerkennen, der er ist – ein Trans-Junge, der sich eine Hormontherapie wünscht.
Während Maggie sich verständnisvoll zeigt, aber angesichts der bevorstehende Veränderungen zugleich zutiefst verunsichert ist, kann Dolly nur wenig mit dem Wunsch ihres Enkels anfangen. Sie betrachtet dessen Mannwerdung sogar als Verrat an den feministischen Idealen, für die sie einst gekämpft hat.
Ray lässt sich allerdings trotz Gegenwind nicht entmutigen und sucht schließlich sogar den Kontakt zu seinem entfremdeten Vater, den er seit Jahren nicht mehr gesehen hat. Denn nur mit dessen Einwilligung kann der Junge endlich die ersehnte medizinische Behandlung beginnen.
Ignoranz und Prominenz

Poster zum Film: "Alle Farben des Leben" startet am 8. Dezember 2016 im Kino
Bereits vor seiner Veröffentlichung sorgte "Alle Farben des Lebens" in der Trans-Community für Aufregung. Ausschlaggebend dafür war nicht bloß die Entscheidung der Filmemacher, die Hauptrolle mit der Cis-Schauspielerin Elle Fanning zu besetzen, sondern vor allem einige Kommentare der Regisseurin und Ko-Drehbuchautorin Gaby Dellal. Diese rechtfertigte Fannings Casting unter anderem damit, dass sie den Transgender-Protagonisten als Mädchen bezeichnete, das sich vergeblich als Junge präsentiere.
So befremdlich und ärgerlich diese Ignoranz seitens Dellals auch sein mag, ihr Film erweist sich glücklicherweise als einfühlsamer als seine Macherin. Das ist in erster Linie der prominenten Besetzung zu verdanken: Susan Sarandon verschießt treffsicher ihre schnippischen Dialogzeilen, während Naomi Watts glaubhaft die hadernde Mutter gibt. Der Star des Films ist jedoch eindeutig Fanning, deren ebenso nuancierte wie kraftvolle Darstellung trotz aller Kontroversen über jeden Zweifel erhaben ist.
So ist "Alle Farben des Lebens" sicherlich kein Meilenstein des queeren Kinos, aber unterhält zumindest in der ersten Hälfte ganz ordentlich. Mit voranschreitender Laufzeit driftet das Drama jedoch zunehmend in Wohlfühl-Kitsch ab und verliert dabei leider seine Hauptfigur ein wenig aus den Augen.
Was das gelungene Porträt eines Trans-Teenagers hätte werden können, hinterlässt so einen fahlen Nachgeschmack und biedert sich zu sehr Mainstream-Konventionen an.
|
Alle Farben des Lebens. Originaltitel: About Ray. Drama. USA 2016. Regie: Gaby Dellal. Darsteller: Susan Sarandon, Naomi Watts, Elle Fanning, Linda Emond, Tate Donovan, Sam Trammell. Laufzeit: 93 Minuten. Sprache: deutsche Synchronfassung. Verleih: Tobis Film. Kinostart: 8. Dezember 2016
Links zum Thema:
» Deutsche Homepage zum Film
Mehr queere Kultur:
» auf sissymag.de
16:10h, Sat.1:
Bohemian Rhapsody
Mit vier Oscars ausgezeichneter Publikumshit von Bryan Singer über die Geschichte von Queen und Freddie Mercury von ihren Anfängen bis 1985.
Spielfilm, USA 2018- 3 weitere TV-Tipps »
















Und wieder einmal wird eine Transpersonenrolle von einer Cisperson gespielt. Ich kann's nicht mehr sehen.