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Coming-of-Age-Drama "Departure"
Die Poesie der ersten schwulen Liebe

Der 15-jährige Brite Elliot (Alex Lawther, re.) verguckt sich in den gleichaltrigen Franzosen Clément (Bild: Edition Salzgeber)
- 9. Dezember 2016, 12:20h - 3 Min.
Andrew Steggalls schwärmerisches Kinodebüt "Departure" zieht gemeinsam mit seinem 15-jährigen Helden durch Südfrankreichs Wälder. Zu sehen auf der Queerfilmnacht und auf DVD.
Von Carsten Moll
Der 15-jährige Elliot reist gemeinsam mit seiner Mutter Beatrice nach Südfrankreich. Doch die Briten wollen hier nicht wie all die Jahre zuvor ihren Sommerurlaub verbringen, sondern planen ihr Ferienhaus zum Verkauf vorzubereiten. Allerdings beginnen Mutter und Sohn die Aufräumarbeiten nur widerwillig: Beatrice fällt es schwer, mit der Vergangenheit abzuschließen und sich einer ungewissen Gegenwart zu stellen. Vor allem die kriselnde Ehe mit ihrem Mann Philip bereitet ihr große Sorgen.
Der verträumte Elliot zieht hingegen lieber mit seinem Notizbuch durch die idyllischen Wälder und sucht nach Worten für die Sehnsucht tief in seinem Innern. Als er den gleichaltrigen Franzosen Clément beim Baden am Stausee entdeckt, scheint er endlich das Objekt seiner Begierde gefunden zu haben.
Zugleich vertraut und doch sehr eigensinnig

Poster zum Film: "Departure" ist bereits auf DVD erschienen und läuft außerdem in diesem Monat in der Queerfilmnacht der Edition Salzgeber
Es sind durchaus vertraute Koordinaten, die dem britischen Filmemacher Andrew Steggall als Eckpfeiler für sein Langfilmdebüt dienen: Ein jugendlicher Außenseiter als Held, zerrüttete Familien sowie die verführerischen Möglichkeiten eines Spätsommers gehören schließlich zum Coming-of-Age-Film wie die Zahnspange zum Teenager-Gebiss.
Seine Besonderheiten und Eigenarten offenbart "Departure" erst beim Anschauen, wenn der Inhalt zugunsten einer schwelgerischen Atmosphäre in den Hintergrund tritt. Denn nicht was hier erzählt wird, macht Steggalls Erstling so besonders, sondern die Art und Weise, wie sich hier die Gefühlswelt eines Jugendlichen entfaltet.
Romantische Naturimpressionen, nüchternes Sozialdrama und subtile Komödie formen Steggalls eigensinnigen Film, der wie sein pubertierender Held gleichermaßen skurril wie geerdet anmutet.
Hervorragende Hauptdarsteller
Dass der exzentrische Protagonist Elliot, der einem Song der Indiepop-Band Belle and Sebastian entsprungen sein könnte, so glaubhaft wirkt, ist dabei in erster Linie dem großartigen Hauptdarsteller zu verdanken. Alex Lawther, der 2014 schon in "The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben" auf sich aufmerksam machen konnte, spielt Elliot nuanciert zwischen altklugem Großkotz und naivem Jüngling.
Als nicht minder beeindruckend erweist sich Juliet Stevensons ("Kick It Like Beckham") Leistung. Die Schauspielerin macht aus der zunächst mitleiderregenden und etwas weinerlichen Beatrice eine ungeahnt facettenreiche Figur. Dass Steggalls Inszenierung Stevenson so viel Raum gewährt und die Mutter-Sohn-Beziehung auf tiefgründige Weise auslotet, statt sich bloß auf jungen Protagonisten zu fokussieren, gehört sicherlich zu den Stärken dieses empfehlenswerten Dramas – und lässt verschmerzen, dass sich die Geschichte manchmal in Klischees verrennt.
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Departure. Drama. Großbritannien/Frankreich 2015. Regie: Andrew Steggall. Darsteller: Alex Lawther, Phénix Brossard, Juliet Stevenson, Niamh Cusac. Laufzeit: 109 Minuten. Sprache: englisch-französische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. FSK 12. Verleih: Edition Salzgeber. Im Dezember 2016 in der Queerfilmnacht.
Links zum Thema:
» Alle Kinotermine auf der Homepage der Queerfilmnacht
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