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"Der heiße Stuhl"
25 Jahre "Schwulen-Verrat" im Fernsehen

Rosa von Praunheim am 10. Dezember 1991 auf dem "heißen Stuhl" von RTL (Bild: RTL)
- 10. Dezember 2016, 11:53h 3 Min.
Am 10. Dezember 1991 outete Rosa von Praunheim in der RTL-Sendung "Der heiße Stuhl" Hape Kerkeling und Alfred Biolek.
"Pfui, Rosa! Schwulen-Verrat im TV", titelte am übernächsten Tag die "Bild"-Zeitung – und sorgte damit erst recht für Aufmerksamkeit. Heute vor 25 Jahren, am 10. Dezember 1991, hatte es der Berliner Regisseur Rosa von Praunheim bei einem Auftritt in der RTL-Krawallshow "Explosiv – Der heiße Stuhl" gewagt, zwei prominente deutsche TV-Gesichter als homosexuell zu outen: Hape Kerkeling und Alfred Biolek.
"Hape hätte zum Beispiel eine Vorbildfunktion", sagte Praunheim in der Sendung. "Der ist jung, der ist hübsch, der ist ein Sympathieträger". Zu Biolek meinte der Regisseur: "Der ist unheimlich beliebt, der ist morgen wieder auf dem Kanal, warum kann der nicht einfach sagen: 'Ich bin schwul'?"
Während das Publikum laut tuschelte, reagierte der damalige RTL-Moderator Ulrich Meyer perplex. Er sei "wie vom Donner gerührt" gewesen, erinnerte er sich in einem Interview zum 20. Jahrestag an die Szene, die zwischen drei und vier Millionen Fernsehzuschauer gesehen haben. "Ich habe mich in der Moderation noch bemüht zu relativieren, aufzufangen." Aber das sei "unumkehrbar" gewesen, so Meyer. Die Einladung Praunheims in die Sendung sei "blauäugig" gewesen.
"Verzweiflungsschrei auf dem Höhepunkt der Aidskrise"
Rosa von Praunheim verteidigte sein Outing als einen "Verzweiflungsschrei auf dem Höhepunkt der Aidskrise", den er bis heute nicht bereut habe. "Ich wusste, was ich tat. Mit Biolek und Kerkeling habe ich keine hilflosen Wesen geoutet, sondern Sympathieträger, beliebte Narren der Gesellschaft, die niemand so leicht steinigen konnte", erklärte der 74-Jährige im Jahr 2009 auf die Frage, ob Outings nicht ein Verstoß gegen die Privatsphäre seien (queer.de berichtete).
"Wer wie Kerkeling und Biolek berühmt ist und zu einer Gruppe gehört, die diskriminiert, gemobbt und verprügelt wird, hat kein Privatleben im herkömmlichen Sinn. Sein Privatleben ist immer politisch", sagte Praunheim. Daher sei es eine "Pflicht, an die Öffentlichkeit zu gehen".
Mehrfach betonte der Regisseur in Interviews, dass sein Outing weder Kerkeling noch Biolek geschadet, sondern ihnen vielmehr genutzt habe. Zudem habe er das Bild von Schwulen in den Medien zum Positiven verändert, glaubt der Regisseur: "Vorher tauchten Schwule meist nur im Zusammenhang mit Drogen, Mord und Aids-Tod auf; Stars mussten eine Vorzeige-Verlobte präsentieren. Als Folge von meinem Outing waren Schwule plötzlich normal und wurden wohlwollend dargestellt."
"Es hat wehgetan, aber es hat die Verspannung gelöst"
Hape Kerkeling hatte etwa ein Jahr nach dem Outing im Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" eingeräumt, er sei während der Sendung, die er sich nach dem Hinweis einer Freundin zu Hause angeschaut habe, fast in Ohnmacht gefallen. "Sensiblere Naturen als ich hätten sich in einer Kurzschlusshandlung womöglich mit dem Fön in die Badewanne gelegt." Doch das Publikum habe "irre normal" reagiert.
"Sogar in der tiefsten bayerischen Provinz, wo ich kurz nach dem Outing auf Tournee war, bin ich nie dumm angequatscht worden", erinnerte sich Kerkeling. "Es gibt in unserem Gewerbe so viele Untergrund-Schwule, die teilweise zur Tarnung in die Ehe geflüchtet sind. Ich kann nur jedem raten, sich nicht zu verstellen."
Auch Alfred Biolek erklärte 2012 in einem Interview, das Zwangsouting als schmerzhaften Schlag empfunden zu haben, der ihn jedoch befreit hätte: "Es hat wehgetan, aber es hat die Verspannung gelöst" (queer.de berichtete). (cw)














