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Radio-Interview

Ulrike Folkerts leidet unter Lesben-"Stigma"

Oft wird Ulrike Folkerts als "dienstälteste Tatort-Kommissarin" und "Lesbe" in Talkshows vorgestellt. Diese zwei Beschreibungen sieht die 55-jährige Schauspielerin als stigmatisierend an.


Ulrike Folkerts in der schwäbischen Tragikomödie "Global Player – Wo wir sind isch vorne" aus dem Jahr 2013 (Bild: sabotage films, Pola Sieverding)

  • 19. Dezember 2016, 11:48h 15 2 Min.

Schauspielerin Ulrike Folkerts hat in einem Interview mit "Deutschlandradio Kultur" erklärt, sie betrachte es als Stigma, also als eine Art Makel, dass sie dauernd in den Medien als Lesbe definiert werde. "Man hat ein Stigma", erklärte die 55-Jährige, die seit einem Vierteljahrhundert mit der Künstlerin Katharina Schnitzler liiert ist. "Wie oft ich in Talkshows eingeladen war und dann hieß es: Hier kommt die dienstälteste 'Tatort'-Kommissarin und die frei lebende Lesbe." Deshalb, so glaubt sie, erhalte sie möglicherweise manche Rollen nicht.

Folkerts stellt seit 1989, also seit inzwischen 27 Jahren, die Ludwigshafener Kommissarin Lena Odenthal im SWF-/SWR-"Tatort" dar. Zur Zeit spielt sie in ihrer Wahlheimat Berlin am Theater am Kurfürstendamm in der Komödie "Chuzpe. You Gotta Have Balls" mit. Sie äußerte sich im Interview positiv darüber, dass sie sich im Theater intensiver mit einer Figur auseinandersetzen könne als im Film.

Lesbisches Coming-out im Jahr 1999

Im Jahr 1999 hatte sich Folkerts als lesbisch geoutet. Im vergangenen Jahr sagte sie im Gespräch mit der "Bild am Sonntag", dieser Schritt sei der "größte Einschnitt" ihres Lebens gewesen (queer.de berichtete).

Nach ihrem Coming-out engagierte sich Folkerts bei zahlreichen Community-Events: So nahm die Hobbysportlerin 2002 bei den Gay Games im australischen Sydney teil und holte mit der Schwimmstaffel des schwul-lesbischen Berliner Vereins "Vorspiel" eine Silber- und eine Bronzemedaille. Im Juli 2004 erschwamm sie eine Bronzemedaille bei den Eurogames in München.

In einem Fragebogen des Buchs "OUT" (Amazon-Affiliate-Link ) von Karen Susan Fessel und Axel Schock gab Folkerts 2004 zu Protokoll, wie sie gern in Erinnerung bleiben möchte: als "eine Schauspielerin, die uns in ihren Rollen neue Frauentypen beschert hat und die als bekennende Lesbe vielen Frauen Mut gemacht hat, zu ihrer Homosexualität ja zu sagen, sie zu leben". 2008 kündigte Folkerts jedoch im Magazin "Stern" an, den Kampf für LGBTI-Rechte lieber anderen zu überlassen. "Ich habe keine Lust mehr, die Vorzeige-Lesbe zu geben. Das sollen jetzt mal jüngere machen."

Folkerts zeigte auch weiteres ehrenamtliches Engagement: So setzt sich der von ihr vor zehn Jahren gegründete Verein "kulturvoll" für benachteiligte Kinder ein. (dk)

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#1 rainbow_unicornAnonym
  • 19.12.2016, 13:56h

  • Wenn es in einer Talkshow um Themen geht, zu denen LGBTQ einen besonderen Bezug haben (könnten), z.B. Kinderadoption durch gleichgeschlechtliche Eltern, darf/soll ein Gast ruhig als LGBTQ vorgestellt werden. (Nur bitte nicht als "frei lebende Lesbe", das hat sowas von einem Bio-Huhn!)

    Wenn es z.B. um die Autobahn-Maut geht, die nicht speziell LGBTQ betrifft, ist das meiner Meinung nach unnötig. Ein schwuler Finanzexperte sitzt dann in dieser Talkshow, weil er Finanzexperte ist, nicht weil er lieber mit Männern als mit Frauen ins Bett steigt. Letzteres ist für das Thema Maut komplett irrelevant und muss/sollte daher gar nicht erwähnt werden.
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#2 RobinAnonym
  • 19.12.2016, 15:25h
  • Liebe Frau Folkerts,

    ich kann sehr gut verstehen und nachvollziehen, wie ätzend es ist, immer nur auf seine sexuelle Orientierung reduziert zu werde. So als wäre das alles an einem.

    Dennoch finde ich es toll, dass sich offen lesbisch sind und damit Vorbild für so viele Lesben, aber auch Schwule, Trans*, etc. sind. Und das schon seit fast 20 Jahren...

    Wir brauchen mehr Promis, die bereit sind sich zu outen. Vielen Dank dafür.

    Ich hoffe, dass sie wissen, dass sie ein Vorbild sind und wie viele Menschen Ihnen dankbar sind. Denn so kann man vielleicht leichter akzeptieren, dass manche einen auf die sexuelle Orientierung reduzieren. Aber das machen nicht alle...

    Wir LGBTI des beginnenden 21. Jahrhunderts haben nun mal das Pech, noch weiter kämpfen zu müssen - für uns und für kommende Generationen. Aber wir haben schon viel erreicht und auch das Glück, nicht mehr in einer Zeit zu leben, wo wir in den Knast oder gar ins KZ kommen.

    Wir alle würden gerne in einer Gesellschaft leben, wo es völlig egal und nicht der Rede wert ist, wen man liebt. Aber da das leider noch nicht der Fall ist, brauchen wir Menschen wie Sie.

    Danke dafür!!

    Und leiden Sie nicht zu sehr unter diesem Stigma, denn sie dürfen nie vergessen, was für ein Idol Sie für andere sind. Und wieviele junge Menschen es u.a. wegen Ihnen leichter hatten, sich selbst zu akzeptieren und zu sich zu stehen. Und wenn nur schon ein einziger LGBTI-Jugendlicher sich trotz Mobbing und Gewalt nicht das Leben genommen hat, weil sie gezeigt haben, dass auch LGBTI ihren Weg gehen, dann ist das doch schon sehr viel wert.

    Weiter so! Sie sind eine moderne Heldin...
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#3 Carsten ACAnonym
  • 19.12.2016, 15:30h
  • "Ich habe keine Lust mehr, die Vorzeige-Lesbe zu geben. Das sollen jetzt mal jüngere machen."

    Das brauchen Sie auch nicht. Alleine schon, dass Sie als Person des öffentlichen Lebens offen lesbisch sind, hat so viel bewirkt und so vielen Menschen Mut gemacht.

    Sie brauchen nicht immer nur kämpfen... Im Gegenteil: je selbstverständlicher sie lesbisch sind, desto eher wird es auch von anderen als selbstverständlich gesehen und nicht als Grund, immer nur zu diesem einen Thema zu sprechen.

    Alleine schon die Tatsache, dass Sie sich nicht verstecken, ist viel mehr als bei vielen ihrer lesbischen Kolleginnen und schwulen Kollegen aus den Medien, die der Öffentlichkeit eine Schmierenkomödie vorspielen.
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