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"Die Angst, nicht so zu sein 'wie die Anderen'"

"Wer Wir Sind": 19-Jähriger dreht Kurzfilm über Mobbing

In einem siebenminütigen Film zeigt der Österreicher Raphael Niederhauser die Auswirkungen von homophobem Mobbing.


Der Kurzfilm ist seit Montag auf Youtube zu sehen (Bild: queerblick)
  • 3. Januar 2017, 09:11h 22 2 Min.

Jonas wird in der Schule gemobbt. Aber er versucht, das zu ignorieren. Er redet sich ein, dass es schon nicht so schlimm sein wird. Was soll denn schon passieren? Aber bald beginnt die Beziehung zu seinem Freund darunter zu leiden. Jonas muss sich entscheiden zwischen Liebe und Opferrolle. Das ist die Geschichte von "Wer Wir Sind", einem Kurzfilm des Österreichers Raphael Niederhauser. Der 19-jährige Wiener hat ihn mit Mitschülern im Rahmen seiner Abschlussarbeit im Fach Medientechik produziert und auf Youtube gestellt – und eine eindrucksvolle siebenminütige Geschichte abgeliefert, die unter die Haut geht:

Laut Niederhauser solle der Film dabei helfen, "sich in die Lage eines schwulen, lesbischen, bi- oder transsexuellen Jugendlichen zu versetzen". Das gelinge vielen in der Mehrheitsgesellschaft nicht, wodurch Homophobie aus heterosexueller Perspektive oft als unwichtiges Thema empfunden werde.

"Homophobie unter dem Gesichtspunkt der Folgen für die Opfer"

Allerdings, so der Jungregisseur, sei Homophobie ein Problem für alle: "Unabhängig davon ob man selbst von Homophobie betroffen ist oder nicht, kann durch das allgemeine Klima eine eigenartige Angst entstehen. Die Angst, nicht so zu sein 'wie die Anderen'", erklärte Niederhauser. "Es hat auch bei mir einige Zeit gedauert, bis ich mich selbst wirklich mochte. Es wäre schön, wenn diese Phase möglichst vielen Menschen erspart bleibt." Er wolle mit dem Film erreichen, dass "Homophobie unter dem Gesichtspunkt der Folgen für die Opfer" thematisiert werde.

Zum Film haben Niederhauser und seine Mitschüler Jakob Bal, Fabian Pudgar und Stefan Safradin unter nothingwrong.org auch eine Seite erstellt, die mit Fakten über das Thema Homophobie aufklärt. (pm/dk)

-w-

#1 JustusAnonym
  • 03.01.2017, 10:42h
  • Ein sehr wichtiges Thema:
    als jemand, der selbst in seiner Schulzeit regelmäßigem Mobbing und Psychoterror ausgesetzt war, weiß ich zwar, dass man später im Leben viele andere Menschen kennenlernt, die einen lieben, wie man ist und dass man im Nachhinein vieles anders einordnen kann.

    Aber einige seelische Narben bleiben. Auch wenn sie wie alle Narben im Laufe der Zeit verblassen und von außen nicht mehr so gut sichtbar sind, aber sie bleiben doch da und können auch wieder aufbrechen.

    Und seelische Narben haben auch ganz reale körperliche Folgen und damit auch Folgen für die ganze Gesellschaft und die Volkswirtschaft. Denn dass ich heute so dick bin und dadurch auch dem Gesundheitssystem viele zusätzliche Kosten verursache, ist letztlich eine Folge davon.

    Es wird höchste Zeit, endlich etwas zu ändern. Für viele mag das zu spät sein, aber wenigstens sollen kommende Generationen nicht mehr das durchmachen, was viele von uns durchmachen mussten und was bei vielen von uns bis heute zu Auswirkungen hat.
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#2 RobinAnonym
  • 03.01.2017, 11:09h
  • Homophobes und transphobes Mobbing ist leider Alltag in Deutschland. Nicht nur, aber gerade auch an Schulen.

    Schon an Grundschulen sind "Schwuchtel" und "schwule Sau" die häufigsten Schimpfwörter.

    Und aufgrund des homo- und transphoben Mobbings (und teilweise sogar Gewalt) an Schulen, ist die Selbstmordrate unter GLBTI-Jugendlichen bis zu 10x höher als bei Hetero-Jugendlichen. Dass Homohasser dann auch noch so tun, als sei das eine Folge der Homo-/Transsexualität und nicht des Mobbings ist an Zynismus und Menschenverachtung nicht mehr zu überbieten.

    Gerade Schulen sollten eigentlich ein sicherer Ort sein, wo jeder gerne hingeht, aber das sind sie eben leider nicht.

    Und dass die Politik dann allen Ernstes noch debattiert, wieviel Aufklärung es geben darf und ob GLBTI im Unterricht als gleichwertig dargestellt werden dürfen, ist ein Skandal.

    Eigentlich müssten alle Opfer von homo- und transphobem Mobbing den Staat bzw. das jeweilige Bundesland wegen Förderung des Mobbings verklagen und genauso Entschädigungen fordern, wie die Opfer des §175.
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