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Schwule Medien
"Männer"-Chefredakteur verlässt Bruno Gmünder Verlag im Streit
Weil Alfonso Pantisano von "Enough is Enough" die Verantwortung für die Homepage übernehmen soll, schmeißt Kriss Rudolph das Handtuch. Zudem beklagt er "Pläne für die Abwicklung des Magazins".

Kriss Rudolph hatte erst vor zwei Jahren die "Männer"-Chefredaktion übernommen – als Nachfolger von David Berger (Bild: Axel E. Weidemann)
- 4. Januar 2017, 09:20h 3 Min.
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Seine wütenden Abschiedsworte waren nicht lange auf der "Männer"-Homepage online, dann wurden sie schon wieder offline gestellt. "Meine Arbeit für m-maenner.de endet mit sofortiger Wirkung", hatte Kriss Rudolph am Mittwochmorgen geschrieben. "Als Männer-Chefredakteur stelle ich noch die Februar-Ausgabe fertig, dann endet meine Tätigkeit für den Bruno-Gmünder-Verlag endgültig."
Er habe "diesen Job zwei Jahre lang verdammt gerne gemacht", erklärte Rudolph – und begründete seine Kündigung mit einer Degradierung: "Nun soll die Verantwortung für die Webseite auf Wunsch der Verlagsleitung Alfonso Pantisano (Enough is Enough) mit sofortiger Wirkung übernehmen. Man hat mir für meine 'sehr gute journalistische Arbeit' gedankt, möchte diese aber nicht weiter fortführen. Eine Weiterbeschäftigung unter einem journalistisch vollkommen unerfahrenen Redaktionsleiter habe ich abgelehnt."
Das Heft werde laut Kriss Rudolph, ebenfalls auf Wunsch der Verlagsleitung, ein neuer Chefredakteur übernehmen. "Was im 30. Jahr seines Bestehens mit dem Heft geplant ist, werden die Abonnenten in Kürze erfahren", schrieb er dazu. "Ich bin froh, dass ich die Pläne für die Abwicklung des Magazins weder verkünden noch selber umsetzen muss."
Der Geschäftsführer des Bruno Gmünder Verlags, Frank Zahn, dementierte gegenüber queer.de eine geplante "Abwicklung" des Magazins. Nachfolger von Kriss Rudolph werde dessen bisheriger Stellvertreter Paul Schulz. Eine ausführliche Stellungnahme werde bis zum Mittag folgen.
Kriss Rudolph hatte im Februar 2015 als Nachfolger von David Berger die Chefredaktion von "Männer" übernommen (queer.de berichtete). (mize)
Update 15.07h: "Männer" erscheint nur noch vierteljährlich
Auf der "Männer"-Homepage bestätigte der Bruno Gmünder Verlag am Mittwochnachmittag eine Umstruktierung des Schwulenmagazins, das in diesem Jahr seinen 30. Geburtstag feiert. So soll das Heft ab der März-Ausgabe nur noch quartalsweise erscheinen.
"Männer" könne sich damit "noch mehr auf das konzentrieren, wofür es von den Lesern geschätzt wird: Hintergründe, längere exklusive Geschichten und hochwertige Fotostrecken", heißt es dazu in der Verlagsmitteilung. "Wir denken zudem, dass es dem Magazin guttut, wenn es sowohl aus der Konkurrenz der monatlich erscheinenden Gratis-Magazine, als auch der Online-Berichterstattung herausgestellt wird. Der Verlag ist stolz darauf, eine starke Rolle für das einzige deutsche journalistische Gay-Premiummagazin in Zeiten von Medienwandel und Magazinsterben gewährleisten zu können und somit eine ganz besondere Stimme der Szene zu erhalten."
Federführend für die "Um-Positionierung" werde Paul Schulz als Chefredakteur Print und Online sein sowie Alfonso Pantisano, der als Manager Online fungiere, informierte der Verlag. "Schulz war zuvor fünf Jahre lang stellvertretender Chefredakteur der MÄNNER und 2014 für sechs Monate kommissarischer Chefredakteur des Magazins. Pantisano war in den letzten zwei Jahren verantwortlich für den strategischen Aufbau des Online-Portals und wird diese Funktion nun auch in seiner neuen Position weiterführen."
Zum Ausscheiden von Kriss Rudolph heißt es in der Mitteilung: "Besonders bedanken möchten wir uns bei dem bisherigen MÄNNER-Chefredakteur Kriss Rudolph, der Magazin und Online journalistisch gestärkt und mit großem Engagement und Können erfolgreich weiterentwickelt hat. Wir wünschen ihm für die Zukunft alles Gute."
Rudolph selbst schrieb auf seiner privaten Facebook-Seite, dass bereits das Januarheft seine Abschiedsausgabe sei: "Man hat in der Zwischenzeit ganz flott meine sämtlichen Zugänge geändert, damit komme ich nicht mehr an meine Mails. Autoren und Fotografen, die mir für das Februarheft Fotos und/oder Texte schicken wollten – es tut mir leid, dass ich sie weder entgegennehmen noch darauf reagieren kann. Auf bald!"














