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Kuss mit Rassisten

Video im Berliner Homo-Mahnmal ausgetauscht

Nach Protesten über einen rechten Darsteller läuft im Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen nun wieder der quotierte Kussfilm, der bereits von 2012 bis 2014 zu sehen war.


Nicht mehr im Homo-Denkmal zu sehen: Bei dem vor rund zehn Jahren als Schauspieler gecasteten Mann links handelt es sich um den schwulen Designer Jim Lyngvild, der in Dänemark mittlerweile mit rassistischen Parolen von sich reden macht

  • 11. Januar 2017, 08:29h 13 2 Min.

Die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, die auch für das Berliner Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen zuständig ist, hat am Dienstagnachmittag das Video ausgetauscht, das dort in einer Endlosschleife läuft. Sowohl das Künstlerduo Elmgreen und Dragset als auch der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) hatten sich für den Wechsel stark gemacht.

In dem bisherigen Clip waren zwei Männer zu sehen, die sich küssten. Am Montag war durch den Hinweis eines Touristen bekanntgeworden, dass es sich bei dem linken Mann um den dänischen Rechtspopulisten Jim Lyngvild handelt, der sich mehrfach rassistisch und homophob geäußert haben soll (queer.de berichtete).


Betonklotz im Berliner Tiergarten: Das Homo-Denkmal wurde am 27. Mai 2008 eingeweiht (Bild: Paul David Doherty / wikipedia)

Im Denkmal läuft nun wieder ein Film der Künstler Gerald Backhaus, Bernd Fischer und Ibrahim Gülnar, der dort bereits von 2012 bis 2014 zu sehen war. Er zeigt sowohl küssende Männer- als auch Frauenpaare. Die damals von Feministinnen durchgesetzte Quotierung war sehr umstritten. So hatten schwule Aktivisten, aber auch die Leiter der KZ-Gedenkstätten, vor einer "Verfälschung der Geschichte" gewarnt (queer.de berichtete).

Das ursprüngliche Konzept von Elmgreen und Dragset hatte vorgesehen, dass das Video alle zwei Jahre gewechselt wird. Diese Forderung wiederholten die Künstler nun gegenüber dem Stadtmagazin "Siegessäule". "Die Vorschläge für den zukünftigen Film sollten von einer unabhängigen Kommission kuratiert, ausgewählt und durch eine ausreichende Finanzierung gestützt sein, um eine hohe Qualität des filmischen Werks zu gewährleisten", erklärten Elmgreen und Dragset in einem E-Mail-Interview. "Auf diese Art und Weise kann das Denkmal lebendig gehalten werden und seine Relevanz auf eine dynamische Art und Weise erneuern."

Am 27. Januar laden der LSVD und die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas anlässlich des 72. Jahrestags der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz zu einer Gedenkfeier am Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen ein. Die Veranstaltung beginnt um 16 Uhr. (cw)

Video / MP4 | Das nun wieder in Dauerschleife eingesetzte Video von Backhaus, Fischer und Gülnar. Quelle: Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas
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#1 PatroklosEhemaliges Profil
#2 Julian SAnonym
  • 11.01.2017, 10:09h
  • Das ändert aber nichts daran, dass das Mahnmal (unabhängig davon, welches Video da gerade zu sehen ist) offene Homosexualität verschämt in einem Guckkasten verbirgt.

    Damit trägt die Gestaltung dazu bei, die Unsichtbarmachung von Homosexuellen zu manifestieren. Nach dem Motto "Mir ist egal, was die im stillen Kämmerlein machen, aber nicht in der Öffentlichkeit." Bloß niemanden ungefragt damit belästigen...
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#3 Julian SAnonym
  • 11.01.2017, 10:19h
  • Antwort auf #2 von Julian S
  • PS:
    Die Unsichtbarmachung von Homosexuellen, die auch in den Medien Alltag ist, wird in diesem Mahnmal fortgeführt.

    Wie sollen wir uns z.B. ernsthaft beschweren können, dass im Fernsehen Filme mit einem gleichgeschlechtlichen Kuss (wenn überhaupt) nur im Nachtprogramm gezeigt werden, wenn wir selber auch das Fernhalten homosexueller Küsse aus der Öffentlichkeit rechtfertigen?!

    Wer es toleriert, dass ausgerechnet ein Mahnmal zur Inhaftierung, Zwangsarbeit, Folterung und Ermordung Homosexueller, seine zentrale Botschaft versteckt, darf dann auch nichts sagen, wenn die Medien LGBTI-Inhalte auch verstecken.
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