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Repräsentative Umfrage

Die brüchige Toleranz der Heteros

Nach einer neuen Studie der Antidiskriminierungsstelle sind 82,6 Prozent der Bevölkerung für die Ehe für alle – doch fast jeder Zweite findet, dass Homosexuelle nicht "so einen Wirbel um ihre Sexualität" machen sollten.


Sein verunsicherter Blick spricht Bände: 38,4 Prozent der Bevölkerung in Deutschland haben etwas gegen schwule Küsse in der Öffentlichkeit (Bild: Nephelim BadTusk / flickr)

Homosexuellenfeindlichkeit äußert sich in Deutschland immer subtiler. Dies ist das Kernergebnis einer neuen Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS), die heute um 11 Uhr auf einer Pressekonferenz vorgestellt wird. Für die repräsentative Umfrage "Einstellungen gegenüber Lesben, Schwulen und Bisexuellen in Deutschland" (PDF) wurden im Oktober und November über 2.000 Personen telefonisch befragt.

Zunächst zeigt sich erfreulicherweise, dass die Bevölkerung weiter ist als die Politik: So sprechen sich 82,6 Prozent der Befragten "eher" oder "voll und ganz" für die von CDU und CSU blockierte Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule aus. Ein gemeinschaftliches Adoptionsrecht für homosexuelle Paare unterstützen 75,8 Prozent, eine Gleichstellung bei der künstlichen Befruchtung immerhin 67,4 Prozent. 94,6 Prozent sind für ein gesetzliches Diskriminierungsverbot aufgrund der sexuellen Orientierung



Viel Unterstützung findet die Forderung der Antidiskriminierungsstelle nach einer Rehabilitierung der Männer, die nach 1945 wegen einvernehmlicher homosexueller Handlungen verurteilt wurden. 86,1 Prozent der Befragten sind der Meinung, die ergangenen Strafurteile sollten aufgehoben werden, eine Entschädigung der Opfer befürworten 69,6 Prozent.

Vorbehalte gegen offenen Umgang mit sexueller Vielfalt

Neben diesen überwiegend positiven Befunden zeigen die Ergebnisse der Umfrage allerdings auch, dass es in Teilen der Bevölkerung durchaus noch abwertende Einstellungen gegenüber homo- und bisexuellen Menschen gibt. Während offene Abwertung, wie die Stigmatisierung von Homosexualität als unmoralisch (9,7 Prozent) oder widernatürlich (18,3 Prozent), nur von einem kleinen Teil der Bevölkerung geäußert wird, finden sich subtilere Formen dagegen bei einem nicht unerheblichen Teil. So sind beispielsweise 43,8 Prozent der Ansicht, Homosexuelle sollten damit aufhören, "so einen Wirbel um ihre Sexualität zu machen". 26,3 Prozent stimmen der Aussage zu, dass das Thema Homosexualität in den Medien zu viel Raum einnimmt.

Vergleichsweise viele der Befragten verbinden vorwiegend negative Gefühle mit einem offenen Umgang mit Homosexualität: Wenn zwei Frauen in der Öffentlichkeit ihre Zuneigung zeigen, zum Beispiel indem sie sich küssen, dann ist dies gut einem Viertel der Befragten (27,5 Prozent) unangenehm. Handelt es sich um zwei küssende Männer, sind es sogar 38,4 Prozent. Zum Vergleich: Bei einem heterosexuellen Paar wird dieselbe Situation nur von rund 10 Prozent als unangenehm bewertet. "Ein offener und sichtbarer Umgang mit sexueller Vielfalt wird also nach wie vor von vielen als unangemessen oder sogar störend empfunden", heißt es in der Zusammenfassung der Studie.

40 Prozent finden ein homosexuelles Kind "unangenehm"

Deutlich wird auch, dass Vorbehalte und Berührungsängste umso ausgeprägter sind, je näher das Thema ins Private hineinreicht. So hätte jeweils nur gut jeder zehnte Befragte ein Problem mit einer lesbischen Arbeitskollegin oder einem schwulen Arbeitskollegen. Wenn dagegen das eigene Kind homosexuell ist, fänden dies rund vier von zehn Befragten eher oder sehr unangenehm.



Der Kampf der "Demo für alle" gegen Schulaufklärung wird dennoch von der großen Mehrheit abgelehnt. Fast neun von zehn Befragten (89,6 Prozent) sind dafür, dass die Akzeptanz gegenüber homo- und bisexuellen Menschen im Unterricht vermittelt wird. 70,6 Prozent der Befragten weisen die Behauptung, das Ansprechen sexueller Vielfalt in der Schule verwirre Kinder in der Entwicklung ihrer Sexualität, voll und ganz bzw. eher zurück.

Auch mit bunten CSD-Paraden haben die Befragten kein Problem: 71,9 Prozent nennen Pride-Veranstaltungen eine "gute Sache".

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat das Jahr 2017 zum "Themenjahr für sexuelle Vielfalt" erklärt. Unter dem Motto "Gleiches Recht für jede Liebe" möchte sie auf die Diskriminierung von homo- und bisexuellen Menschen aufmerksam machen und Betroffene über ihre Rechte aufklären. (cw)

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#1 Homonklin44
  • 12.01.2017, 08:27hTauroa Point
  • Das liest sich alles in allem recht ermutigend und erleichternd, wenn man es eher anders kennt.

    Zumindest, dass die Leute wohl doch nicht so sehr dem Unsinn hinterher rennen, den die Demo für Alle und die AfD-Konsorten so heraus brechen, liest sich hoffnungsvoll.
    Kommt natürlich noch drauf an, wie sehr "repräsentativ" und "wirklich" sich unterscheiden, und wo man sich in der Wirklichkeit bewegt.

    Dass Heteros häufig Anstoß an der Art nehmen, wie etwa Schwule sich öffentlich geben,oder wie viele ihre Orientierung wie eine Monstranz vor sich her tragen würden, das kann ich aus dem Umfeld auch bestätigen. Ein dezentes Verhalten scheint nicht so viele zu stören, sie unterscheiden zwischen "unauffälligen" Schwulen und denen, die so landläufig als "Tunten" betitelt werden.
    Allerdings gibt es auch viele, die glauben, Tuntigkeit sei ein generelles Merkmal, an dem man Schwule erst erkennt, und "unauffällige" Schwule würden den Tuntigkeitsfaktor eher unterdrücken.

    Das scheint auch zu beeinflussen, mit wem sie lieber Umgang haben. Allerdings kenne ich unterschwellig homophobe Akzente auch als relativ üblich hier im ländlichen Umkreis, wobei es in größeren Städten nicht so flächendeckend ist.

    Für die Politik müssten solche Umfragewerte eigentlich schon lange einen Ruck anweisen und aufzeigen, wie sehr die Politik sich von der Realität draußen verschlossen hält, indem sie weiter und weiter verzögert, die Ehe zu öffnen, das Adoptionsrecht gleichzustellen, und sich auf "Bauchgefühle" und andere mysteriöse Argumente stützt. Die an Haaren herbei gezogen und mit dem Radlader herbei geschoben werden.

    Hier windet und wälzt sich eine nicht wahrhaben wollende politische Ebene mit allem Widerstreben gegen unaufhaltsame Zukunft, wie man es in keiner griechischen Tragödie je erlebt hat!
    Verstockt und verstaubt liebt es unsere Bundesmutti und gluckt über ihren steinernen Eiern. Das Steinkalb, das ihr die Bauchschmerzen gibt, im Leibe.
    Die wäre eine gute Stoikerin geworden!
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#2 schwarzerkaterEhemaliges Profil
  • 12.01.2017, 08:40h
  • kann die nörgel-überschrift des artikels "die brüchige toleranz der heteros" nicht nachvollziehen.
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#3 PatroklosEhemaliges Profil
  • 12.01.2017, 09:09h
  • War heute morgen auch Thema im ARD-Morgenmagazin und es ist immer noch sehr viel Aufklärung vonnöten, auch wenn einem die Ergebnisse der Studie erst einmal positiv stimmen.
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