Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?27981

"Tagesthemen"-Interview

Jens Spahn: Ehe für alle "noch in diesem Jahrzehnt"

Nach der Vorstellung der neuen Studie der Antidiskriminierungsstelle glaubt das schwule CDU-Präsidiumsmitglied an ein Umdenken in seiner Partei.


Jens Spahn ist seit 2002 Mitglied des Deutschen Bundestags und seit Dezember 2014 Mitglied des CDU-Präsidiums (Bild: Jörg Klaus)
  • 13. Januar 2017, 05:39h 49 3 Min.

Jens Spahn, Mitglied des CDU-Präsidiums und Parlamentarischer Staatssekretär im Finanzministerium, hat seine Partei zur Öffnung der Ehe für lesbische und schwule Paare aufgefordert. Im Interview mit den ARD-"Tagesthemen" zeigte sich der schwule Politiker am Donnerstagabend optimistisch, dass die Gleichstellung "noch in diesem Jahrzehnt" erreicht werde.

Anlass für das Interview war die am Vormittag vorgestellte Studie "Einstellungen gegenüber Lesben, Schwulen und Bisexuellen in Deutschland" der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, nach der 82,6 Prozent eine Ehe-Öffnung für gleichgeschlechtliche Paare unterstützen (queer.de berichtete).

Spahn fühlt sich durch die repräsentative Umfrage bestätigt: "Genauso wie wir in der Studie sehen, dass sich in den letzten zehn Jahren eine neue Gelassenheit, eine neue Selbstverständlichkeit im Umgang mit Homosexualität, mit Schwulen und Lesben bei ganz vielen Deutschen ergeben hat, so bin ich auch sicher, dass wir beim Thema Ehe-Öffnung ja schon weit gekommen und auch in den nächsten Jahren, noch in diesem Jahrzehnt, die rechtliche Öffnung sehen werden."

Die Ehe als "zutiefst bürgerliche Institution"

Er werbe in der Union und in der Gesellschaft für die Ehe für alle, "weil das doch die Werte sind, die Verbindlichkeit, für die wir eigentlich stehen", sagte Spahn im Gespräch mit Caren Miosga. Es gehe darum, dass sich Schwule und Lesben für eine "zutiefst bürgerliche Institution" entscheiden wollten. In der Debatte innerhalb seiner Partei sehe er die Chance, "dass wir auch Menschen erreichen, die vielleicht von Grünen bei Debatten in Köln oder Berlin-Mitte nicht erreicht werden: im Münsterland, in der Eifel, etwa im ländlichen Raum, die wir öffnen können und mit Argumenten erreichen können, und das ist eine Chance in der Entwicklung."

Jens Spahn räumte ein, dass ihn manche abwertenden Äußerungen aus CDU und CSU über Lesben und Schwule "schmerzen", rief jedoch beide Seiten zu einer verbalen Abrüstung auf: "Ich finde manchmal auch die Reaktion, immer gleich jeden als homophob oder schwulenfeindlich zu bezeichnen, der sich schwer tut mit bestimmten Entwicklungen, weil er jahrzehntelang – wie ja auch meine Eltern oder Großeltern – es nicht anders gelernt haben."

Jens Spahn dankt Klaus Wowereit und Volker Beck

Auf der anderen Seite lobte der 36-Jährige, der vom britischen "Guardian" schon als möglicher Kanzlerkandidat der Union gehandelt wurde, namentlich Klaus Wowereit und Volker Beck, die viel für "diese neue Offenheit" getan hätten. Homosexuelle Vorbilder in der Politik seien nach wie vor wichtig, so Spahn. Es schmerze ihn, wenn lesbische oder schwule Jugendliche aus Angst ihre sexuelle Orientierung verheimlichten.

Auch er selbst erlebe Ablehnung in Deutschland, erklärte der schwule CDU-Politiker: "Natürlich gibt es immer noch Szenen im Alltag, auch gerade abends im öffentlichen Straßenverkehr, selbst in einer großen Stadt wie Berlin, wo man mal schräg und dumm angemacht wird, wenn ich mit meinem Freund unterwegs bin."

Jens Spahn ist seit 2002 Mitglied des Deutschen Bundestags, in den Medien geoutet hat sich der ehemalige Messdiener im Jahr 2012. Im selben Jahr unterstütze er als einer der sogenannten Wilden 13 die Gleichstellung von eingetragenen Lebenspartnern im Steuerrecht (queer.de berichtete). Mehrfach betonte er jedoch, keine "schwule Klientelpolitik" machen zu wollen. Im Dezember 2014 wurde Spahn in das CDU-Präsidium gewählt (queer.de berichtete). Im Juli 2015 stieg er zum Staatssekretär in Wolfgang Schäubles Finanzministerium auf (queer.de berichtete). Öffentlich profiliert hat sich der katholische Politiker aus dem Münsterland vor allem mit Polemiken gegen muslimische Migranten (queer.de berichtete). (cw)

Direktlink | Jens Spahn im Interview mit den "Tagesthemen"
Datenschutz-Einstellungen | Info / Hilfe

-w-

#1 FOX-NewsAnonym
  • 13.01.2017, 08:39h
  • Guter Mann. Wäre ein guter Kanzler.
  • Direktlink »
#2 SebiAnonym
  • 13.01.2017, 08:40h
  • In ein paar Monaten ist Bundestagswahl. Da geben sich natürlich alle Parteien ganz zahm und tun so, als würden sie alle Menschen vertreten. Da werden dann Hoffnungen gestreut, um doch noch ein paar Wählerstimmen mehr zu bekommen. Denn man nimmt natürlich auch gerne die Wählerstimmen von denjenigen, die man sonst nicht mit dem Arsch anguckt.

    Aber die können noch so viel Hoffnung für die Zukunft streuen - wie die Realität aussieht, haben wir lange genug gesehen.

    Die Zeit des Vertröstens und der warmen Worte ist endgültig vorbei. Ab sofort zählen nur noch Taten und harte Fakten.
  • Direktlink »
#3 JustusAnonym
  • 13.01.2017, 09:06h
  • "glaubt das schwule CDU-Präsidiumsmitglied"

    Der Glaube stirbt ja bekanntlich zuletzt. Und vielleicht ist da auch eher der Wunsch Vater des Gedankens. Aber ich bin da deutlich skeptischer.

    Schließlich gibt es schon seit Jahren in der Bevölkerung eine deutliche Mehrheit für die volle Gleichstellung von LGBTI - wenn auch noch nicht so groß wie die momentanen 82,6 %, sondern eher im Bereich 66-68 %, wobei eine Zwei-Drittel-Mehrheit ja auch schon überdeutlich ist.

    Sogar eine Mehrheit der CDU-Wähler ist für die Gleichstellung.

    Dennoch hat das bisher die CDU nie davon abgehalten, weiterhin ihre Diskriminierungs-Linie zu fahren und weiterhin irgendwelchen religiösen Fanatikern und rechten Spinnern in den Arsch zu kriechen, statt auf den Volkssoverän zu hören.

    Insofern glaube ich nicht, dass sich das jetzt ändern wird. Egal, wie groß die Mehrheit für die Gleichstellung ist - die CDU wird es immer als ihre Pflicht ansehen, volle Gleichstellung zu verhindern und so viel Diskriminierung wie möglich rauszuholen. Der politische Arm der katholischen Kirche kann gar nicht anders.
  • Direktlink »