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Medienposse

So genial reagiert das Jugendnetzwerk Lambda auf "Die Welt"

Weiter Kritik an "Welt"-Chefredakteur Ulf Poschardt, der seine Forderung, die Deutschen sollten "schwuler" werden, nach einem rechten Shitstorm zurückzog.


Ulf Poschardts geänderter Trump-Kommentar "Soll er doch. Er kann uns mal!" erschien am Dienstag auch auf der Titelseite der gedruckten "Welt"

  • 18. Januar 2017, 07:19h 20 3 Min.

Zu Update springen: Poschardt ändert Text erneut

Dass Kommentare eines Chefredakteurs, die schon einmal online waren, nachträglich wesentlich und ohne Begründung geändert werden, kommt nicht so häufig vor. So beschäftigte das Verhalten von "Welt"-Redaktionsleiter Ulf Poschardt nach dem queer.de-Bericht "Deutschland soll doch nicht 'schwuler' werden" am Dienstag viele User in den sozialen Netzwerken sowie einige weitere Kollegen in den Medien.

In seinem ursprünglichen Kommentar zum künftigen US-Präsidenten Donald Trump hatte Poschardt gefordert, die Deutschen müssten sich "wehren und besser, mutiger, fleißiger, innovativer, freier, offener, schwuler, multikultureller werden". In einer eigenen Grafik verbreitete die "Welt" das Zitat auf Facebook, doch nach einem Shitstorm von Rechts – u.a. befeuert durch einen Facebook-Eintrag der AfD-Europaabgeordneten Beatrix von Storch – änderte der Chefredakteur das Wort "schwuler" auf der Webseite in "kreativer". So wurde der Text dann auch in der Dienstagsausgabe gedruckt. Zwischenzeitlich wurde zahreiche homophobe User-Kommentare auf der Facebookseite der Springer-Tageszeitung gelöscht.

Lambda-Chef: "Die Welt" muss mutiger und toleranter werden

Christoph R. Alms, Bundesgeschäftsführer des Jugendnetzwerks Lambda, reagierte mit einer eigenen Facebook-Meme im Look-and-Feel des "Welt"-Posts auf die Medienposse: "Wir müssen uns gegen Vorurteile, Vereinnahmung und LSBTIQ-Feindlichkeit wehren", heißt es darin. "Die WELT muss dabei besser, mutiger, fleißiger, innovativer, freier, offener, toleranter und multikultureller werden – und gegen Hetze und Rechtspopulismus konsequent einstehen."


Die Facebook-Grafik des Lambda-Geschäftsführers

Poschardt selbst äußerte sich gegenüber "Meedia" zur Änderung seines Textes und was er mit "schwuler" gemeint habe: "In meinem Kommentar zum Interview mit Donald Trump habe ich dazu aufgerufen, dass wir aus der Haltung des Kaninchens, das ängstlich auf die Schlange starrt, ausbrechen und uns darauf vorbereiten, dass der US-Präsident uns zur Emanzipation von Amerika zwingt, ökonomisch und verteidigungspolitisch. Wir sollten stärker werden und dabei auf unseren Werten bestehen, als eine liberale, offene Gesellschaft", zitiert das Medienmagazin den "Welt"-Chefredakteur. "Das 'schwuler' war im Sinne der Thesen von Richard Florida 'The Rise of the Creative Class' gemeint. Als dieses eine Detail vital wurde und den Rest des Kommentars zuzudecken drohte, habe ich es geändert."

Von Journalistenkollegen wurde Poschardt indes kritisiert. "taz"-Redakteur Malte Göbel nannte die Reaktion des "Welt"-Chefredakteurs "peinlich homo-panisch", hielt jedoch fest: "Wenigstens sind Poschardt und die Welt bei 'multikulturell' nicht eingeknickt." Der Medienjournalist Stefan Niggemeier nannte die Änderung des Trump-Kommentars auf seiner Facebookseite den "Ausweis einer unfassbaren Würstchenhaftigkeit". (mize)

 Update  16.55h: Poschardt ändert Text erneut

"Welt"-Chefredakteur Ulf Poschardt hat seinen Online-Kommentar am Mittwochnachmittag erneut geändert. Die Deutschen sollen nun nicht mehr "kreativer", sondern wie in der ursprünglichen Fassung "schwuler" werden, außerdem fügte der lernfähige Journalist noch ein "lesbischer" ein. Auf Twitter schrieb er dazu: "back by popular demand. jetzt noch QUEERER".

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Dafür erhielt Poschardt auch von uns ein Herzchen! (mize)

-w-

#1 Homonklin44
  • 18.01.2017, 09:24hTauroa Point
  • ""Der Medienjournalist Stefan Niggemeister nannte die Änderung des Trump-Kommentars auf seiner Facebookseite den "Ausweis einer unfassbaren Würstchenhaftigkeit""

    Er heißt wahrscheinlich immer noch Stefan Niggemeier, und ihr müsst mal schauen, was mit der Autokorrektur nicht grade läuft. ;o)

    Auch ob das Wort "schwuler" nun tatsächlich -->vital<-- wurde, oder vielleicht "viral", habe ich nicht so ganz gebucht.

    Naja, den Tippfehlerteufel kenne ich selbst. Ein Wesen mit tausend Fingern und einem halb blinden Kopf. :o/

    "Ausweis einer unfassbaren Würstchenhaftigkeit" passt aber wie Faust auf Auge zu dieser Welt-Aktion. wenn man nicht zu dem steht, was man schreibt, sollte man es erst nicht geschrieben haben.

    Lanbda hat wunderbar in Szene gebracht, worauf es ankommt.
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  • Anm. d. Red.: Tippfehler ist bereits korrigiert, Poschardt schrieb "vital", das Jugendnetzwerk heißt "Lambda".
#2 JoonasAnonym
  • 18.01.2017, 10:09h
  • Wie die Welt vor einer kleinen, aber lautstarken, Minderheit ewiggestriger Fanatiker einknickt, ist ein Skandal.

    Wenn die Medien schon freiwiliig ihre Unabhängigkeit aufgeben und die Pressefreiheit einem wütenden Mob opfern, ist das ein schwarzer Tag für die Demokratie, aber auch für alle Medien.
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#3 FinnAnonym
  • 18.01.2017, 10:33h
  • Soweit sind wir also schon in Deutschland, dass ein paar Faschisten diktieren, was man sagen darf und was nicht...

    Aber dazu gehören natürlich auch immer zwei. Nämlich auch derjenige, der sich darauf einlässt und sich das diktieren lässt.
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